http://www.faz.net/-hrx-7jw13
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.11.2013, 07:06 Uhr

50 Jahre Lavalampe So waberten schon die Sixties

Edward Craven-Walker galt als Exzentriker, der mit Unterwasser-FKK-Filmen seinen Lebensunterhalt zu verdienen suchte. Bis er schließlich, heute vor 50 Jahren, die Lavalampe erfand.

von
© Mathmos Auf und nieder: Seit 50 Jahren dient die Lavalampe des Briten Edward Craven-Walker auch als Stimmungsaufheller.

So ganz von dieser Welt scheint sie nicht zu sein. Dafür spricht schon ihr Einsatz in diversen Science-Fiction-Filmen – unter anderem bereits in den sechziger Jahren in zwei Episoden der BBC-Kultserie „Doctor Who“. Auch die Flüssigkeit, die merkwürdig auf und ab wabert, scheint eher überirdische Assoziationen zu wecken: Der spätere Name der Firma, die das ursprünglich „Astro Lamp“ getaufte Produkt vertreibt, lautet Mathmos und stammt aus dem Film „Barbarella“, mit dem Jane Fonda weltberühmt wurde. Mathmos ist der lavaartig blubbernde See des absoluten Bösen, der in dem Klassiker um die Astronautin Barbarella, die durch die Galaxis reist, eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Peter-Philipp Schmitt Folgen:

Ganz irdisch, wenn auch nicht minder gefährlich klingend, kommt der deutsche Name daher: Lavalampe. Vor 50 Jahren kam die erste Leuchte auf den Markt. So einfach die physikalischen Gesetzmäßigkeiten auch zu sein scheinen, die ihrem Innenleben zugrunde liegen: Edward Craven-Walker hat doch mehr als zehn Jahre an seiner bekanntesten Arbeit getüftelt, bis er mit ihr zufrieden war. Angeblich sogar schon 1950 entdeckte der in Singapur geborene Brite in einem Pub in England einen Cocktail Shaker auf einem Herd, in dessen Innerem sich eine der beiden darin enthaltenen Flüssigkeiten in stetiger Bewegung befand. Die merkwürdig blubbernde Erfindung stellte eine Eieruhr dar. Ein gewisser Donald Dunnet hatte diesen Vorläufer der Lavalampe erfunden; es blieb allerdings bei dem nicht ausgereiften Eieruhr-Einzelstück.

Edward Craven-Walker, der als Exzentriker beschrieben wird, wohl auch, weil er unter anderem versuchte, mit Unterwasser-FKK-Filmen seinen Lebensunterhalt zu verdienen, entwickelte Dunnets Entwurf weiter und perfektionierte schließlich die Lavalampe, in der ein hydrophober Wachs am Boden erwärmt wird, aufsteigt, erkaltet und wieder nach unten sinkt. Die Glühlampe erwärmt und beleuchtet das flaschenartige Gefäß. Anfangs waren es tatsächlich Orangensaft-Flaschen.

26857464 © Mathmos Vergrößern Verkaufsfläche: Das Erfinder-Ehepaar Craven-Walker vor ihrem Post-Kleinbus „Smokey“.

Edward Craven-Walker kannte die beruhigende Wirkung, die von dem sanft auf- und absteigenden Wachs, den er auffällig einfärbte, ausgeht. Sie war in den „Psychedelic Sixties“ wohl Teil des Erfolgs der Leuchte, die sein Erfinder zusammen mit seiner Frau Christine anfangs von der Ladefläche eines ehemaligen Post-Kleinbusses feilbot, der den offenbar passenden Spitznamen „Smokey“ trug. Bald aber war das Marketender-Dasein nicht mehr vonnöten. Die Absatzzahlen stiegen rasant, Patentrechte für gleich mehrere Länder, auch für die Vereinigten Staaten, wurden noch in den Sechzigern verkauft.

In den achtziger Jahren kamen die Leuchten aus der Mode. Sie erlebten erst ein Comeback, nachdem Cressida Granger und David Mulley ins Lavalampen-Geschäft mit eingestiegen waren, ganz auf „Stimmungsleuchten“ setzten und ihre neue Firma geheimnisvoll Mathmos nannten. In den Neunzigern wurden Millionen von ihnen verkauft. Diesen zweiten Siegeszug erlebte Erfinder Edward Craven-Walker noch; er starb im Jahr 2000 mit 82 Jahren in London.

Alle Leuchten, und darauf ist Mathmos stolz, werden bis heute in Großbritannien von Hand gefertigt. In diesem besonderen Jahr hat das Unternehmen eine Vintage-Serie und eine limitierte Auflage von „Astro Lamps“ herausgebracht, jede mit einem Erinnerungszertifikat.

Mehr zum Thema

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Thementag auf Arte Ich tanke, also bin ich

An einem kuriosen Thementag auf Arte will der Künstler Friedrich Liechtenstein beweisen, dass Tankstellen die romantischsten Orte der Welt sein können – zum Beispiel, wenn man dort Algensuppe zapft. Mehr Von Jan Wiele

16.05.2016, 08:15 Uhr | Feuilleton
Sicherheit im Auto Wie die elektronische Stabilitätskontrolle ESP funktioniert

Die elektronische Stabilitätskontrolle ESP, die vom Automobilingenieur Anton van Zanten entwickelt wurde, arbeitet während der normalen Fahrt im Hintergrund und schaltet sich nur ein, wenn sie benötigt wird. Wie sie genau funktioniert und an was der Erfinder gerade arbeitet, ist in diesem Film zu sehen. Mehr

19.05.2016, 11:52 Uhr | Technik-Motor
Ehe-Aus für Hollywood-Paar Johnny Depps Ehefrau reicht Scheidung ein

Nach nur 15 Monaten steht die Ehe von Johnny Depp und Amber Heard vor dem Aus. Die Schauspielerin reichte die Scheidung ein. Es ist nicht Depps erste Scheidung. Mehr

26.05.2016, 10:32 Uhr | Gesellschaft
Afghanistan Opium-Ernte ist in vollem Schwung

In Afghanistan ist die Opium-Ernte in vollem Schwung und die Bauern und ihre Helfer sind mit den diesjährigen Erträgen mehr als zufrieden. Es ist für sie der Höhepunkt des Jahres; in wenigen Tagen verdienen sie genug Geld für das gesamte Jahr. Ausgelassene Feste begleiten die Ernte. Dass ihr Lebensunterhalt anderswo Leben zerstört, schert die Bauern wenig, solange sie keine echte Alternative sehen. Mehr

22.05.2016, 13:19 Uhr | Gesellschaft
Zum Tode Erika Bergers Aufklärerin einer prüden Nation

Sie war Deutschlands Sexspezialistin der achtziger Jahre. Mit ihrer Sendung Eine Chance für die Liebe brach sie ein Tabu. Nun ist Erika Berger gestorben. Mehr

16.05.2016, 11:31 Uhr | Gesellschaft
Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook