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100. Geburtstag des BH : Husch, husch, ins Körbchen!

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Prüderie-Trends aus den Vereinigten Staaten

Es gibt jedoch auch den Trend zur kalkulierten Sichtbarmachung. Der Modeblog „modepilot.de“ sieht für das Jahr 2015 den Bauch-frei-Trend mit „Bra-Suits“, bei denen der BH Teil der Oberkleidung wird und groß rauskommt; ein Ensemble aus kurzem Bandeau-Top oder BH, kombiniert mit Blazer und hochgeschnittenem Rock oder hochbündiger Hose. Dieser Trend wurde in diesem Sommer bereits von Designern wie Jil Sander oder Michael Kors auf den Laufstegen propagiert. Unterwäsche wird zur Oberwäsche.

Bei all der stolz präsentierten Blöße ist die Brustwarze zur heiligen Bastion geworden. Sie ist bei den Bestsellern von heute, ob mit Push-Effekt oder ohne, durch den „gemoldeten“ Cup bedeckt. Die Schalen werden durch Körperwärme der Brust angepasst, die Brustwarzen sind damit komplett versteckt. Es gibt kein unkontrolliertes Wippen bei abrupten Bewegungen, kein Hüpfen, kein Verrutschen. Der BH muss nicht nur die Brüste halten, sondern jede unkontrollierbare Regung der Brustwarze verhindern. Wenn schon der BH oder die Träger zu sehen sind, wird mit Zusatzpölsterchen oder Pflastern gewährleistet, dass keine Brustwarze zum Vorschein kommt - ein Trend zur Prüderie und Sittsamkeit, der aus den Vereinigten Staaten nach Europa kommt, wie Modeexperten glauben.

Fehlende Einheitsgröße sorgt für Auswahlprobleme

Dass die deutsche Frau angesichts dieser sich stetig erweiternden Produktpalette nur mäßig begeisterungsfähig ist, liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass für viele Frauen der BH-Kauf eine regelrechte Odyssee ist. Die Online-Studie „Curvy Survey“ von dem Online-Portal „SugarShape“ fand unter 585 deutschsprachigen Frauen aller Altersstufen heraus, dass nur 19 Prozent der Frauen Spaß am Dessous-Shopping haben. Fast jede zweite Frau, die zwischen November 2012 und Januar 2013 befragt wurde, beklagte, dass bei ihr das Unterbrustband des BHs am Rücken hochrutscht. Bei 56 Prozent schneidet der Körbchenrand des BHs oberhalb oder seitlich in die Brust ein. Ihre eigene Oberweite schätzen die meisten Frauen zudem falsch ein, sie probieren so lange, bis ihnen der BH passt.

Grund dafür ist die fehlende Einheitlichkeit der Körbchengrößen: Bei der einen Dessous-Firma hat eine Frau die Körbchengröße 75 D, bei einer anderen 80 C. Lemler und ihre Kolleginnen sind geschult, ihnen reicht ein kurzer Blick auf den Vorbau der Kundin. „Von hundert Fällen haben wir uns zweimal getäuscht“, sagt Inhaberin Lemler. Von Online-Dessousläden hält sie wegen der unterschiedlichen Körbchen-Normierungen nichts, sondern sie empfiehlt eine Beratung in einem Fachgeschäft: „Wenn Sie im Internet bestellen, sind Ihnen von zehn BHs fünf zu weit.“ Zudem verändert sich die Größe der Brust über die Jahre. Schlecht sitzende BHs können der Auslöser für Kopfschmerzen, Hautreizungen und Rückenbeschwerden sein.

Kein Wunder also, dass das noch so ansprechende Modell in dem Verkaufsregal liegen bleibt oder die deutsche Frau erst gar nicht einkaufen gehen will. Männer, sagt Lemler dann noch, kaufen übrigens ausschließlich sexy Unterwäsche für ihre Liebste. Die muss dann auch nicht alltagstauglich sein.

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