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Rodelbauer Marcus Grausam : Beste Begleitung für den guten Rutsch

Aus der Bahn: Auf den Rodeln von Marcus Grausam geht es in Wunschfarbe auf Talfahrt. Bild: Hersteller

Wenn die Welt sich langsam in ein Winter-Wunderland verwandelt, herrscht bei Marcus Grausam Hochbetrieb. Der Oberbayer baut Rodel, je nach Wunsch auch mal in Pink oder mit dem eigenen Haustier bedruckt.

          Marcus Grausam liebt den Winter. Aus einem einfachen Grund: Kommt der Schnee, läuft das Geschäft. Buchstäblich. Marcus Grausam baut Rodel, und wenn sich draußen Oberbayern in ein weißes Winter-Wunderland verwandelt, herrscht drinnen in der Werkstatt in Kreuth Hochbetrieb. Schließlich liegt gleich um die Ecke, am Wallberg über dem Tegernsee, die längste Naturrodelbahn Deutschlands, sechseinhalb Kilometer lang. „Wenn’s schneit“, sagt Grausam, „will jeder alles sofort haben.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der 39 Jahre alte Bayer versteht das gut. Er war selbst einer der besten Naturbahnrodler Deutschlands, als einziger Deutscher gewann er ein Weltcuprennen im Einsitzer. Nach 21 Jahren Nationalmannschaft hatte er genug – und verlegte sich ganz aufs Rodelbauen. Ein Rodel, erste Lektion, unterscheidet sich vom Schlitten dadurch, dass er lenkbar ist: indem man an Lenkriemen zieht, mit den Füßen gegen die Kufen drückt und das Gewicht verlagert wie beim Motorradfahren.

          Tempo 60 ist allemal drin

          Grausam verwendet für seine Rodel nur Eschenholz aus der Umgebung. „Esche ist besonders elastisch und bricht nicht so leicht.“ Die Bäume sucht er selbst mit den Waldbauern aus. Nach dem Schlagen werden sie zwei Jahre lang getrocknet, bevor der gelernte Schreiner in der Werkstatt Hand anlegt. „Ich mache alle Arbeitsschritte selbst.“ Auf die Kufen kommen beim Standardmodell Edelstahlschienen, ambitionierte Rodler können Rennstahlschienen wählen. Die müssen allerdings besser gepflegt und regelmäßig gewachst werden – sonst droht Rost. Tempo 60 aber ist allemal drin.

          Grausams Rodel für den guten Rutsch kosten zwischen 200 und gut 300 Euro, je nach Modell, ob Ein- oder Doppelsitzer. Weil ihm bei den etwa 300 Rodeln, die er im Jahr baut, ohnehin alles selbst von der Hand geht, erfüllt er gern Sonderwünsche für Farben oder Sitzdecken. Er hat schon einen pinkfarbenen Rodel gebaut und für einen Kunden ein Bild von dessen Hund auf den Sitz gedruckt – alles Geschmackssache. Nur der Name des Unternehmens bereitet manchmal Schwierigkeiten. Es heißt German Luge, nach dem englischen, hierzulande aber wenig gängigen Begriff für Rennrodel. Das führt dazu, dass Anrufer gelegentlich den „Herrn Luge“ sprechen wollen. „Vielleicht“, sagt Grausam, „sollte ich meine Firma doch mal umbennen.“

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