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Wandern : Von einem Ort zum andern

  • -Aktualisiert am

Wandern: bedeutet für viele Läufer mentale Entspannung Bild: dpa

Zwei Studien belegen die neue deutsche Wanderlust. Nicht nur ist der Sport die beliebteste Beschäftigung der Deutschen im Freien - er macht auch noch gesund. Und hängt vom Einkommen ab.

          Die Deutschen wandern gern – es hält sie gesund und in Gesellschaft. Das ist das Ergebnis zweier Studien, die der „Deutsche Wanderverband“ vor kurzem an seinem Sitz in Kassel vorgestellt hat. Nach der Studie „Der deutsche Wandermarkt 2014“ ist das Wandern die beliebteste Beschäftigung der Deutschen im Freien. Der Wanderverband nennt es „die wichtigste Outdooraktivität“ der Deutschen. Die Studie gründet auf drei Erhebungen mit insgesamt etwa 63.300 Personen.

          Sie stand unter der Leitung des Hochschullehrers Heinz-Dieter Quack von der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter, der damit eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums von 2010 fortgeführt hat. Die Freude am Wandern steigt mit dem Einkommen. Hatte die vorige Studie von 2010 gezeigt, dass 41 Prozent der aktiven Wanderer über ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 2.250 Euro verfügten, verfügen nun etwa 40 Prozent der Wanderreisenden über ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 3.250 Euro.

          Eine Gegenwelt zum hektischen Alltag

          Jedenfalls wandern immer mehr Deutsche: „Mit einem Zuwachs von 13 Prozent gegenüber der Gesamtnachfrage aus dem Jahr 2010 sind jetzt 69 Prozent aktive Wanderer.“ Anders als früher wanderten zwar mehr Ältere als Jüngere. Aber die „Wanderintensität“ unter den Altersgruppen nähere sich an. Die vier wichtigsten Wandermotive aus der Umfrage von 2010, „Natur erleben“, „sich bewegen, aktiv sein“, „etwas für die Gesundheit tun“ und „eine Region erleben“, wurden bestätigt. Aber in der aktuellen Studie folgen sogleich nach innen gerichtete Motive wie „Stress abbauen“, „frische Kraft sammeln“, „zu sich selbst finden“, „auf sich selbst besinnen“.

          An Bedeutung verloren haben nach außen gerichtete Motive wie „neue Eindrücke gewinnen“ und „viel erleben“. „Immer mehr Menschen, darunter auch jüngere, entdecken, dass ihnen das Wandern größtmögliche mentale Entspannung bei moderater körperlicher Anspannung bietet“, sagt Quack. Zudem sei die Langsamkeit beim Wandern eine Gegenwelt zum hektischen Alltag, mithin ein Ausstieg auf Zeit.

          Zudem wollen Wanderer einzigartige Landschaften erleben. „Gehen ist Mittel zum Zweck“, sagt Quack. „Die Landschaft als Ressource wurde bislang unterschätzt.“ Berglandschaften, Seen- und Flachlandschaften haben demnach gute Chancen auf dem Wandermarkt. Dank neuer Infrastruktur und frischem Marketing hätten diese Regionen sogar Vorteile. Die für das Wandern schon etablierten Destinationen müssten nachziehen, um nicht verdrängt zu werden.

          „Gute Wege reichen nicht aus“

          Das Durchschnittsalter der aktiven Wanderreisenden beträgt 52 Jahre. Aber immerhin 21 Prozent der 35 bis 49 Jahre alten Befragten haben im Untersuchungsjahr 2012 ebenfalls mindestens eine Wanderreise unternommen. Wanderer haben heute einen hohen Qualitätsanspruch, was Ziele, Dienstleistungen oder Produkte angeht. „Gute Wege reichen nicht aus“, sagt Quack. Infostellen, die Qualität der Unterkünfte und die genaue Zielgruppenansprache würden wichtiger.

          Eine weitere Studie gilt der Gesundheitswanderung, der Kombination kurzer Strecken zu Fuß mit physiotherapeutischen Übungen und Informationen zum Thema Gesundheit. Die neue Studie „Evaluation des Gesundheitswanderns“ wurde vom Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung (ILUG) an der Universität Halle-Wittenberg vorgelegt. Kuno Hottenrott und sein Team werteten 223 Fragebögen aus, die Wanderer im Alter zwischen 18 und 84 Jahren aus ganz Deutschland ausgefüllt hatten.

          Mehr als 80 Prozent fühlen sich durchs Wandern besser

          Ihr durchschnittliches Alter betrug 63 Jahre, 53 Prozent der Befragten waren Mitglieder in einem Wanderverein und 46 Prozent Mitglieder in einem Sportverein. Von den Befragten litten 42 Prozent an einer chronischen Erkrankung wie Bluthochdruck, Asthma oder Diabetes. „Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer sagten, dass sie sich besser fühlen, seitdem sie gesundheitswandern“, sagt Hottenrott. Nur 17 Prozent der Befragten äußerten, dass sich durch das Gesundheitswandern keine Veränderungen ergeben hätten.

          Mehr als 60 Prozent der Befragten fühlen sich weniger gestresst, und 73 Prozent empfinden ein positiveres Lebensgefühl. Ebenfalls jeweils über die Hälfte der Befragten fühlt sich leistungsfähiger im Beruf und im Alltag (52 Prozent), empfindet ein besseres Körper- und Selbstwertgefühl (58 Prozent) sowie größere Sicherheit beim Gehen (58 Prozent). Jeweils knapp die Hälfte berichtete über einen größeren Freundes- und Bekanntenkreis (46 Prozent), einen besseren Schlaf (45 Prozent) und weniger gesundheitliche Probleme (49 Prozent).

          78 Prozent der Befragten möchten mit dem Wandern mehr für ihre Gesundheit tun, 69 Prozent streben nach Fitness, und 52 Prozent wollen ihr Körpergewicht verringern. Außerdem gaben 48 Prozent der Befragten an, sie wanderten, um ausgeglichener zu werden und Stress abzubauen. Die meisten wollen sich einfach mehr in der Natur bewegen – und haben keine Lust, in ein Fitnessstudio zu gehen.

          Quelle: F.A.Z.

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