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Neues Trend-Training : Die Faszien-Zeit

  • -Aktualisiert am

So wird es gemacht: In einem Bremer Bewegungszentrum werden Kursteilnehmer im Faszientraining angeleitet. Bild: dpa

Gesundheits- und Fitnessbranche schwören seit neuestem auf Bindegewebe. Wer dieses pflegt und trainiert, werde gesünder und beweglicher, heißt es. Wissenschaftlich belegt sind diese Versprechen nicht. Wer profitiert davon?

          Wenn ihre Rückenschmerzen wieder unerträglich wurden, stand Jenny Meck nachts um drei auf und ließ sich ein Bad ein. Die Schmerzen ließen Meck, die eigentlich anders heißt, nicht schlafen, auch in der Wohnung umherzugehen half nicht. Erst, wenn sie im warmen Wasser lag, spürte sie, dass sich ihr Körper langsam entspannte.

          Rückenprobleme hatte Meck schon als Teenager. Doch über die Jahre wurde es schlimmer, ein Bürojob als Kulturmanagerin tat ein Übriges. Meck hatte oft Gelenkblockaden, beim Atmen stach es ihr in den Rücken. Wenn sie morgens aufwachte, rang sie um Luft. Die 36 Jahre alte Münchnerin hat viel ausprobiert, sich von Ärzten und Physiotherapeuten behandeln lassen. Die Schmerzen kamen immer wieder. Einen Weg, mit ihren Problemen umzugehen, fand sie schließlich durch einen Körpertherapeuten, der gezielt das Bindegewebe, die sogenannten Faszien, bearbeitete. „Ich spürte schnell: Da tut sich was“, sagt Meck über die Behandlung.

          Geschäftsmodell Faszien-Training

          Das Thema Faszien hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Sie wollte wissen, was es damit auf sich hat. Selbst ein dickes medizinisches Lehrbuch über das Bindegewebe hat sie durchgearbeitet.

          Mit ihrem Interesse für die Faszien liegt Meck im Trend. Seit Forscher herausgefunden haben, dass diese mehr als nur eine Hülle um Muskeln und Organe sind und dass das Bindegewebe möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Verspannungen und Schmerzen spielt, ist um die Faszien ein wahrer Hype entstanden. Ärzte nehmen das Gewebe bei der Suche nach Schmerzursachen mit in den Blick, Physiotherapeuten setzen gezielt Faszien-Massagen ein.

          Auch die Sportbranche ist auf das Thema angesprungen und hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Ein Fitness-Studio, das kein Faszien-Training anbietet, kommt inzwischen angestaubt daher. Und selbst der Beauty- und Anti-Aging-Bereich hat das Bindegewebe für sich entdeckt. In Body-Shaping-Kursen wird mit Faszien-Training der Cellulite der Kampf angesagt. Unter dem Motto „Wir sind so alt wie unsere Faszien“ wird das Training als Verjüngungskur verkauft.

          Angeblich hilft Rolfing

          Von dem Wirbel um die Faszien-Fitness bekommt der Neurophysiologe Werner Klingler im Bezirksklinikum Günzburg, das zur Universität Ulm gehört, nicht viel mit. Die Patienten, die er und sein Team betreuen, haben keine Lifestyle-Probleme, sondern echte Sorgen. Rücken- oder Schulterschmerzen plagen sie, manche haben wegen der Beschwerden Depressionen. „Die Patienten, die zu uns kommen, haben schon alles Mögliche versucht“, sagt Klingler. Im Günzburger Schmerzzentrum hoffen sie einen Ansatz zu finden, der ihr Leiden lindert. Die Faszien-Forschung liefert hierbei neue Erklärungsmuster, vor allem für chronische Schmerzen.

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          Jenny Meck ging ihre Probleme mit Marcus Roßmann an, einem Rolfer. Rolfing ist eine Form der manuellen Therapie, bei der Verklebungen im Bindegewebe gelöst werden sollen. Meck wunderte sich anfangs über die Methoden ihres Therapeuten: „Er hat den ganzen Körper behandelt und auch meinen Kiefer massiert.“ Dabei war sie eigentlich wegen ihrer Rückenprobleme zu ihm gekommen, außerdem hatte sich zu der Zeit ihre Plantarfaszie am Fuß entzündet. Doch weder dem Rücken noch dem Fuß schenkte Roßmann besondere Aufmerksamkeit. „Das Problem liegt nicht unbedingt da, wo wir den Schmerz spüren“, sagt Roßmann. Da die Faszien unseren ganzen Körper wie ein Netz durchzögen, hänge alles mit allem zusammen. Roßmann erklärt das mit einem Bild: „Es ist so, als wenn zehn Feuerwehrmänner ein Sprungtuch halten, und einer zieht einfach zu viel. Dann verlieren die anderen etwas ihre Balance, und das Sprungtuch ist nicht mehr optimal gespannt.“

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