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Feinfühlige Kranke : Der Wetterfrosch in meinem Kopf

  • -Aktualisiert am

Da braut sich ein Migräne-Anfall zusammen: Jeder zweite Deutsche ist davon überzeugt, dass das Wetter einen Effekt auf seine Gesundheit hat Bild: AFP

Wetterfühligkeit ist weitverbreitet. Bei der Suche nach der Ursache tappt die Medizin im Dunkeln und stellt sogar langsam die Forschung ein. Zurück bleibt eine große Menge Betroffener.

          Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Wo eben noch Sonnenstrahlen das Laub bunt leuchten ließen, ist nun alles grau in grau. Der Wind frischt auf, und die Temperaturen fallen. Kurz gesagt, ein Wetterumschwung kündigt sich an. Bei vielen Menschen haben das Knie oder der Kopf es schon lange vorausgesagt. Das wechselhafte Wetter drückt nicht nur auf die Stimmung, viele bekommen den Herbst auch körperlich zu spüren: Die Schläfen pochen, die alte OP- Narbe am rechten Knie juckt, Antriebslosigkeit macht sich breit.

          Als wetterempfindlich gelten Menschen, wenn sie durch eine Vorerkrankung sensibel auf das Wetter reagieren. Meistens betrifft es Patienten mit Rheuma oder Asthma. Schlägt das Wetter um, spüren diese Betroffenen es durch Luftnot, Gelenk- oder Narbenschmerzen.

          Wetterfühlige hingegen haben keine Vorerkrankung, spüren das Wetter aber trotzdem. Sie fühlen sich matt, sind antriebslos, haben Konzentrationsstörungen. Vor allem ältere Menschen leiden unter den Folgen des Klimas: Ihr Körper kann sich nicht schnell genug an die wechselnden Witterungsverhältnisse anpassen.

          Wetterfühligkeit – alles Einbildung?

          Laut einer bisher noch nicht veröffentlichten Umfrage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und des Umweltbundesamtes ist jeder zweite Deutsche davon überzeugt, dass das Wetter einen Effekt auf seine Gesundheit hat. Die Wissenschaft hingegen sieht das Phänomen kritisch. Zwar wird die Wetterfühligkeit seit Jahrzehnten erforscht, zu einem einheitlichen Ergebnis sind die Studien bisher allerdings nicht gekommen. Einige Mediziner halten deswegen wetterbedingte Symptome für reine Einbildung. Medizinische Erklärungen fehlen zumeist.

          Das wissenschaftliche Tappen im Dunkeln hat dazu geführt, dass trotz offener Fragen immer weniger Forscher sich noch in Studien damit beschäftigen. „In den fünfziger und sechziger Jahren arbeiteten unheimlich viele Mediziner und Meteorologen auf diesem Gebiet. Insgesamt 14 Forschungseinrichtungen gab es damals in ganz Deutschland dazu“, erinnert sich Walter Sönning. Der 76 Jahre alte Medizinmeteorologe gehört zu den Urgesteinen des Forschungsbereichs und bezeichnet sich selbst scherzhaft als den „Großvater des heutigen Biowetters“.

          Heute existiert von den ursprünglich 14 Forschungsstätten nur noch eine: das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des DWD in Freiburg. Dass das Thema bei Wissenschaftlern nach dem großen Hype eingeschlafen ist, bestätigt auch Angelika Grätz. Die Medizinmeteorologin des Freiburger Instituts hat ihre eigene Erklärung dafür: „Der Mensch ist ein kompliziertes System, ebenso das Wetter. Beides in Zusammenhang zu bringen ist sehr komplex und schwer zu erforschen.“

          Tiefdruckgebiete machen die meisten Probleme

          Dennoch, zumindest für einzelne Symptome haben die Wissenschaftler in den vergangenen Jahren Erklärungsmodelle entwickelt. Dazu zählen die wetterbedingten Herz-Kreislauf-Beschwerden: Bei plötzlicher Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, der Blutdruck erhöht sich, und das Risiko für Herzinfarkte steigt signifikant an.

          Ähnliches Spiel, wenn es wärmer wird: Adern weiten sich, das Blut fließt mehr an der Oberfläche, man wird leichter schlaff und müde. „Auch für Rheumatiker gibt es Ansätze, zum Beispiel, dass durch kalte Temperaturen die Schmerzschwelle in den Rezeptoren sinkt“, ergänzt Grätz.

          Um Betroffenen einen Anhaltspunkt für ihre Leiden zu geben, erstellt der Deutsche Wetterdienst zweimal täglich das Biowetter. Vier Farben geben dabei den regionalen Einfluss des Wetters auf die Gesundheit an. Blau steht für einen positiven Einfluss, während Rot die höchste Stufe der Gefährdung anzeigt. Die Erfahrung der Experten zeigt: Ein heranziehendes Tiefdruckgebiet macht am häufigsten körperliche Probleme. „Es ist meist mit viel Wetteränderung, dem Wechsel zwischen Kalt- und Warmfronten und Sturm verbunden“, erklärt Grätz.

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