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Tränengetränkt: Paul Gascoignes Trikot erzielte fast 35.000 Euro. Bild: action press

Fußball-Auktionen : Der Schweiß ist heiß

In England erzielen Fußballtrikots bei Auktionen gewaltige Summen. Hierzulande hält man sich lieber an Kuriosa – wie zum Beispiel Jens Lehmanns Torwartzettel.

          Besonders begehrt bei Fußballfans sind Trikots von Spielern aus weltbewegenden Matches, in die ihre Helden Historie geschwitzt oder geheult haben. Wie im Fall des Trikots, das sich Paul Gascoigne schniefend vor die Nase zog, nachdem England im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1990 in Turin im Elfmeterschießen (4:3) gegen Deutschland verloren hatte. Gascoignes Leibchen mit der Nummer 19 kam in Großbritannien, dem Mutterland der Fußball-Leidenschaft, im Herbst 2004 unter den Hammer, für 24.000 Pfund, damals knapp 35.000 Euro.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Ihre Hochphase hatten Versteigerungen von Fußball-Memorabilia seit den neunziger Jahren, vor allem in England. Damals waren auch die führenden Auktionsfirmen in das Geschäft eingestiegen - harte Konkurrenz für die kleineren Spezialunternehmen für sportliche Erinnerungsstücke. Wahrscheinlich ewiger Spitzenreiter der Trikot-Liga ist das gelbe Hemd mit der Nummer 10, das Pelé 1970 in Mexiko-Stadt trug, als Brasilien im WM-Endspiel 4:1 gegen Italien gewann. Der Zuschlag dafür lautete im Frühjahr 2002, wieder in London, auf 140.000 Pfund. Der Italiener Roberto Rosato hatte das Trikot nach dem Spiel mit dem brasilianischen Heros getauscht; ob Rosato der Einlieferer zur Auktion war, ist nicht bekannt. Und auch nicht, was Pelé mit Rosatos Hemd gemacht hat. Vielleicht hat er es ordentlich gewaschen und gebügelt und in den Schrank gehängt, als kleine Sentimentalität.

          Ein Traum in Gelb: Für Pelés Trikot aus dem WM-Finale 1970 in Mexiko-Stadt wurden 140.000 Pfund bezahlt.

          Kaum anzunehmen ist dem Augenschein nach, dass Pelés Trikot gewissermaßen wie bespielt so getauscht in die Auktion ging - das heißt dann „unwashed“; auch das soll es gegeben haben. Ungewaschen war wohl auch nicht jenes Hemd, das Geoffrey Hurst - 1998 hat ihn Königin Elisabeth II. zu Sir Geoffrey geadelt - bei der WM 1966 trug, als er im Finale das 3:2 gegen Deutschland schoss, jenes Phantomtor, das als „Wembley-Tor“ in die Annalen einging. Hursts Trikot kam im Jahr 2000, natürlich in London, auf 91.750 Pfund. Denn die alles entscheidende Hemden-Formel lautet „matchworn“, getragen in der Schlacht; der Rest ist guter Glaube, dass das so stimmt.

          Erinnerungen an einzigartige Momente

          Deutsche Leibchen haben da keine vergleichbare Performance vorzuweisen. Immerhin ging 2005 das Trikot, das Karl-Heinz Rummenigge am 13. Oktober 1982 im Testspiel gegen England trug, wieder im Wembley-Stadion, für 700 Pfund weg, sogar in einer Londoner Auktion. Deutschland gewann damals 2:1, Rummenigge schoss beide Tore. Getauscht hatte er das Trikot mit Kenny Sansom, der es später zur Versteigerung gab. Was Rummenigge angeht, verdient er beim FC Bayern München nicht erst seit gestern bestimmt genug, um nicht eigene oder anderer Kollegen Leibchen verhökern zu müssen.

          So geht es auch: Der ägyptische Liverpool-Fußballspieler Mo Salah, der den „Goldenen Schuh“ für die meisten Tore der Saison gewann, überließ dem British Museum seine Schuhe. Dort werden sie neben ägyptischen Antiken ausgestellt.

          Überhaupt gibt es hierzulande noch andere hübsche Souvenirs vom Fußball, feinste Memorabilia, Erinnerungen an einzigartige Momente. Da ist der Zettel, den der Torhüter Jens Lehmann bei sich hatte, als es ins Elfmeterschießen im Viertelfinale der WM 2006 in Berlin gegen Argentinien ging. Torwarttrainer Andreas Köpke hatte darauf Namen und Schuss-Gewohnheiten argentinischer Spieler notiert und ihn Lehmann zugesteckt. Der hielt ausreichend, um das Viertelfinale zu gewinnen. Das „Fußballmärchen“ ging weiter - und hielt sich, auch wenn Italien (ebenfalls im Elfmeterschießen) am Ende siegte.

          Echte Handarbeit: Die Torwarthandschuhe von Manuel Neuer aus dem WM-Finale 2014 wurden zugunsten seiner „Kids Foundation“ auktioniert.

          Der „Elfmeter-Zettel“ wurde im Dezember 2006 für eine Million Euro von einem deutschen Energieunternehmen ersteigert, zugunsten der Aktion „Ein Herz für Kinder“. Er ist jetzt im Haus der Geschichte in Bonn aufbewahrt. Ebenso gingen die roten Handschuhe, in denen Manuel Neuer im WM-Finale gegen Argentinien 2014 in Brasilien das deutsche Tor erfolgreich beschützte, zur Versteigerung an seine „Kids Foundation“. Im Namen der Hilfe für benachteiligte Kinder war vor vier Jahren auch ein Paar der neongrünen Schuhe unterwegs, wie sie Mario Götze bei seinem Siegtreffer in der Verlängerung trug.

          Quietschgrüne Fußballschuhe

          Der letzte Schrei in Sachen Fußball-Memorabilia kommt aber wieder von der Insel: Die quietschgrünen Fußballschuhe, die derzeit im British Museum - in einem Saal mit ägyptischen Antiquitäten - ausgestellt werden, riefen ziemliche Verwirrung hervor. Sie gehören dem ägyptischen Fußballspieler Mo Salah, der beim FC Liverpool unter Vertrag ist und vor kurzem als bester Torschütze der Saison mit dem „Golden Boot“ ausgezeichnet wurde. Seine Schlappen stehen neben einem Paar antiker ägyptischer Sandalen. Versteigert wurden sie nicht, und getragen sind sie auch nicht, sie sind eine milde Gabe der Ausstatterfirma an das Museum. Ob sich die Probleme um postkoloniales Erbe in Großbritannien auf diese Weise glattziehen lassen, muss dahingestellt bleiben. Der Vorschlag, die orangefarbenen Schuhe des Kroaten Ante Rebic, der gerade im deutschen Pokalfinale gegen Bayern München zwei phänomenale Tore für Eintracht Frankfurt erzielte, ins Historische Museum in Frankfurt zu stellen, ist bislang noch nicht laut geworden. Kann ja noch kommen.

          Heutzutage werden Fußball-Souvenirs nicht mehr zu so enormen Preisen versteigert. Außer zu wohltätigen Zwecken, wie der blaue Pullover, den Bundestrainer Joachim Löw 2010 bei der WM in Südafrika trug. Ihn erwarb in einer Auktion zugunsten von „Ein Herz für Kinder“ ein Kaufhauskonzern für eine Million Euro. Es war das erste Mal, dass ein Erinnerungsstück an einen Trainer derart kostbar wurde; Löws Sweater ist nun im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu bestaunen.

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          Die großen Auktionshäuser haben sich bei den Fußball-Spezialveranstaltungen inzwischen wieder ausgeklinkt. Vielleicht ist das Geschäft auch deshalb weniger lukrativ geworden, weil von den Profis im Fußball so viel Geld verdient wird. Da wäre es ziemlich peinlich, zur eigenen Bereicherung für ein altes Hemd eine fünf- oder sechsstellige Summe aufzurufen.

          Sieben Richtige: Der Zettel für Torüter Jens Lehmann im WM-Elfmeterschießen 2006 gegen Argentinien wurde für eine Million Euro versteigert.

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