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Singles in der Großstadt : Nie mehr: „Stehst du auf Füße?“

  • Aktualisiert am

Verkuppelten schon immer gern: Jule Müller und Anni Kralisch-Pehlke Bild: Jule Müller

Zwei Berliner Freundinnen lieben das Verkuppeln. Daraus ist ein Online-Magazin entstanden, das Singles mal anders vorstellt: Schmerzfrei, ohne Schamgefühl und weniger anonym als die anderen Seiten.

          Angefangen hat es als Schnapsidee in einer Bar in Berlin-Neukölln. Anni Kralisch-Pehlke und Jule Müller wollten zusammen ein Projekt machen. Anni ist 30 und  verheiratet, Jule ist 31 Jahre alt und Single. Die Freundinnen sinnierten über das leidige Single-Leben und wie man der Liebe auf die Sprünge helfen kann. Das Ergebnis: Seit vergangener Woche erscheint ihr Online-Magazin „Im Gegenteil“. Dafür besuchen die beiden jungen Berlinerinnen Männer und Frauen in ihren Wohnungen, machen einen Spaziergang im Viertel und schreiben persönliche Geschichten.

          Ehrliche Kontaktanzeigen, witzig kommentiert

          Die Porträts erinnern an die ehrlichen Kontaktanzeigen im Magazin „Neon“. Über die Kreuzbergerin Luisa steht dort, dass sie gerade ihr zweites Studium abschließt: „Irgendwas mit Medien.“ Und dass ihr Kühlschrank ihre Top-3-Grundnahrungsmittel enthält: „Wodka, Oliven und Quark.“ Das kommentiert der Kurztext mit dem Nachsatz: „Völlig nachvollziehbar, diese Frau.“

          Auch die Männer preisen die Website-Betreiberinnen ähnlich an. Über Vollbartträger Max erfährt man, dass er sich beim Skateboardfahren die Hand gebrochen hat: „Offener Bruch mit Knochensplittern. Sexier als jedes Tattoo.“ Jan erzählt, dass er die Farbe Rot hasst, besonders an sich selbst. Er steht auf Männer, liest viel, guckt die gängigen Ami-Serien, kocht hervorragend, liebt Fotografie und hat in seiner Lebensplanung auch Kinder vorgesehen:„Ein Mann mit vielen Facetten, dieser Jan. Toll!“

          Schmerzfrei und ohne Schamgefühl

          Die Hausbesuche von „Im Gegenteil“ dauern zwei bis drei Stunden. „Das Ganze wird garantiert schmerzfrei und ohne Schamgefühl ablaufen“, verspricht das Magazin. Künstlermanagerin Anni Kralisch-Pehlke führt die Interviews und Jule Müller, sonst auch Autorin, fotografiert. „Wir haben schon immer gerne Leute verkuppelt“, sagt Anni Kralisch-Pehlke beim Interview in einem Neuköllner Café. „Viele haben schon Dates ausgemacht“, erzählt Jule Müller. Aber ob es wirklich klappt mit der Liebe, wissen die beiden nicht.

          Die ersten Singles kamen aus dem Bekanntenkreis. Nach wenigen Tagen waren es 100 neue Zuschriften von Leuten, die mitmachen wollen, erzählen die beiden Freundinnen. Kein Wunder: Allein in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen zählt die deutsche Statistik 2,7 Millionen Menschen, die allein leben.

          Stehst du auf Füße?

          Die Angst vor dem Satz „Ich mag dich“ und die Leistungsgesellschaft machen die Partnersuche schwer, sagt Anni Kralisch-Pehlke. „Wenn man zehn Stunden am Tag arbeitet - wie viel Zeit hat man dann noch?“ Die Auswahl bei der Partnersuche im Internet, die oft Geld kostet, ist groß - wobei „Stiftung Warentest“ 2011 nur einen Anbieter „gut“ fand. Auch Jule Müller hat sich im Netz umgesehen und es bald gelassen. Es war ihr unangenehm und zu stressig. Einer wollte wissen: „Stehst du auf Füße?“

          „Im Gegenteil“ will es anders machen, weniger anonym, keine Massenware. Angaben zu Gewicht und Größe braucht es nicht. Die Kontaktaufnahme zwischen den Singles ist kostenlos und soll es bleiben. Geldverdienen wollen die Gründerinnen mit dem Magazin trotzdem. Derzeit überlegen sie sich Strategien. „Wir würden es gerne Vollzeit machen“, sagt Anni Kralisch-Pehlke. Demnächst sollen Hamburger Singles porträtiert werden. „Es ist anscheinend riesiger Bedarf.“ Wer noch fehlt in der Galerie, ist Jule Müller selbst. Sie sagt: „Es ist in Planung.“

          Quelle: FAZ.NET / dpa

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