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Schönheitsmedizin : „Keiner möchte alt sein“

„Das Klientel ist überall“: Deshalb gibt es die Linie „Dr. Barbara Sturm“ nicht nur in der Praxis zu kaufen, sondern zum Beispiel auch im Online-Shop. Bild: Daniel Pilar

Barbara Sturm führt mehr als eine Arztpraxis in Düsseldorf. Die Schönheitsmedizinerin rührt für Kunden aus aller Welt maßgeschneiderte Cremes an – mit Eigenblut. Ein Gespräch über das Maximum der Luxuspflege.

          Frau Sturm, Sie sind Schönheitsmedizinerin. In Ihren Ampullen steckt pures Hyaluron, Ihre Cremes kosten mehrere hundert Euro. Inwiefern bemerken Sie, dass der Markt für Luxuspflege wächst?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Leute wollen präventiv etwas für sich tun, keiner möchte mehr alt sein. Auf Social Media sieht man Leute, die immer gut aussehen. Klar, es gibt Filter, aber man möchte sich präsentieren und im besten Licht stehen. Ich glaube, dass dieser Trend immer wichtiger wird. Als ich vor 13 Jahren mit dem Unterspritzen anfing, da saßen hier Frauen, die waren 60, 70 Jahre alt. Das war meine Zielgruppe. Dann kamen zunehmend Jüngere dazu. Mittlerweile sind es Fünfunddreißigjährige. Es ist ein ganz anderes Empfinden, diese Frauen sind sehr körperbewusst, an sich selbst interessiert und belesen. Und keiner möchte mehr den Alterungsprozess durchwandern.

          Und die Älteren kommen nicht mehr?

          Doch, aber es sind nicht mehr so viele. Ich glaube, diese Generation akzeptiert es mittlerweile. Die Mütter der ganz jungen Frauen pflegen sich natürlich weiter in der Form, und so schauen sich das auch deren Töchter ab, viele sind 19, 20 Jahre alt. Meine Tochter ist jetzt 19, und selbst ihre Freundinnen verwenden schon meine Hyaluron-Ampullen. Ich weiß gar nicht, ob ich mit 19 Jahren überhaupt schon eine Creme besessen habe. Gerade die jungen Patienten kommen und fragen, wie sie ihre Haut am besten pflegen, wann sie anfangen sollen, etwas zu tun, damit weniger Falten entstehen …

          … und es ans Spritzen gehen muss. Wann sollte man denn mit Cremes anfangen?

          Was Produkte angeht, finde ich, schon im Teenager-Alter.

          Mit Anti-Aging-Produkten?

          Natürlich sollen Jugendliche nicht zehn verschiedene Tiegel im Badezimmer stehen haben. Aber Anti-Aging-Wirkstoffe schützen die Haut präventiv.

          Oft hört man von Kosmetikerinnen, man solle nicht zu früh damit beginnen, weil man die Haut sonst überpflegt.

          Ja, aber was überpflegt die Haut denn? Aggressive Inhaltstoffe, Duftstoffe, Mineralöle machen ein Produkt schön und geschmeidig, damit es ein Anreiz für Frauen ist, das zu kaufen. Aber eigentlich sind diese Inhaltsstoffe ganz schlecht für die Haut. Ich beschränke mich auf das Wenigste und Allerbeste. Eine Creme muss pflegen und durchfeuchten und darf die Haut nicht reizen. Es ist wichtig, dass man schon früh damit anfängt, seine Haut richtig zu pflegen. Es schadet nicht, Hyaluronsäure zu verwenden oder Peptide.

          Serum und Augencreme sucht man bei Ihnen vergeblich. Sollte man also auf eine hochwertige Creme setzen und sich das ganze Drumherum sparen?

          Mir geht es darum, dass die Haut strahlt und schön ist. Natürlich habe ich auch ein Regime, dazu gehört mein eigener Cleanser, ein milder Schaum, der sehr leicht ist, ein Peeling für zweimal die Woche, um alte Hautschüppchen abzutragen, dann habe ich in der Serie die Hyaluronsäure-Ampullen. Das Regime ist also klein. Wir lancieren im November bei Harrods in London ein Serum, das wir zusammen mit Kim Basinger entwickelt haben. Dazu kommt noch eine leichte Augencreme, nicht weil ich persönlich eine für das Regime bräuchte, sondern weil viele Patienten danach fragen.

          Sie konzentrieren sich in verschiedenen Cremes auf verschiedene Wirkstoffe. Wie findet man eigentlich heraus, welcher Wirkstoff zu einem passt? Ist das abhängig vom Hauttyp?

          Das ist auch so eine Sache. Viele Firmen sagen, welche Creme zu welchem Hauttyp passt, aber ich glaube, das braucht es nicht. Ich habe 2002 die Creme mit den körpereigenen Wirkstoffen entwickelt. Die verschiedenen Basiscremes habe ich zusammen mit einem Apotheker angerührt, die werden hier immer noch jeden Tag frisch in der Apotheke hergestellt.

          Und die funktionieren unabhängig vom Hauttyp?

          Ja, da gibt es zum Beispiel die USA-Creme, so nennen wir unsere MC 1, die ist dort sehr beliebt. Dann gibt es die Einstiegscreme, die verwende ich im Sommer. Dann gibt es die Wintercreme, eine reichhaltige und eine doppelt reichhaltige. Wenn ich dann das Blut abnehme, wird das Plasma bei uns im Tiefkühler aufbewahrt und frisch in die jeweilige Creme gerührt. Wenn eine Patientin aus den Vereinigten Staaten hierher geflogen kommt, behandelt wird und Blut abgenommen bekommt, fliegt sie mit ihrer Creme zurück und bekommt jede weitere per FedEx zugeschickt.

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