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Veröffentlicht: 13.04.2017, 11:28 Uhr

Parfümdesigner Der Kosmos des Oliver Valverde

Erst war er DJ, dann entdeckte er Kerzen: Oliver Valverde ist einer der radikalsten Parfümeure. Woher nimmt er die Inspiration zu seinen so klaren wie komplexen Düften?

© Oliver & Co. Oliver Valverde mit einem Selfmade-T-Shirt, dass den Nebula-Flakon zeigt.
 
Erst DJ, jetzt Parfümdesigner: Oliver Valverde hat seinen Kosmos selbst für sich entdeckt. #FAZMagazin

Oliver Valverde, der in Andalusien geboren wurde und heute in Madrid an seinem Label Oliver & Co. arbeitet, geht es nicht nur darum, ein Parfüm zu erschaffen. Das Objekt soll ein Kunstwerk für sich sein. Er sieht sich als Duft-Künstler. Aber wie visualisiert man Duft? Wie visualisiert man zum Beispiel Ambergreen, ein Parfüm von einer Grasbombe?

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„Sobald ich den Duft habe, setze ich mich mit dem Illustrator Jose Manuel Hortelano-Pi zusammen“, sagt Valverde. „Er fasst meine Gedanken in seinen Illustrationen zusammen. Das sind wohl die experimentellsten Arbeiten, die er macht.“ Valverde muss bei dem Satz selbst lachen. Ausgerechnet für die Verpackung von Parfüm! Hier zu sehen die Illustrationen für La Colonia und Ambergreen.

45805209 © Oliver & Co Vergrößern Gincense: Illustration eines Parfüms, entstanden mit dem Künstler José Manuel Hortelano-Pi

45805205 © Oliver & Co. Vergrößern Ambergreen: Illustration eines Parfüms, entstanden mit dem Künstler José Manuel Hortelano-Pi

Oliver Valverde versteht es, das Statement-T-Shirt für seine Zwecke zu nutzen. Er trägt es nicht nur selbst, sondern macht damit auch seinen Geschäftsfreunden eine Freude – sofern das bei diesem Motiv möglich ist. „Mein Nebula-Parfum und die Arme und Hände eines Freundes. Ein anderer Freund hat alles zusammen in Photoshop zusammengesetzt.“ Nur das Tattoo auf dem linken Unterarm stammt nicht von einem Freund: „Ich war in Moskau. In einem Beauty-Laden bot man mir an, mir ein Tattoo zu stechen. Als Geschenk. In der Mitte ist das Logo meiner Marke, die geometrischen Quader gefielen mir, und die botanischen Illustrationen sind von dem Freidenker Ernst Haeckel.“ Auf dem rechten Zeigefinger sitzt ein Papierflugzeug-Motiv. „Ich habe meine Kindheit mit so gut wie nichts anderem verbracht als damit, Papierflugzeuge zu bauen.“

45805204 © Oliver & Co. Vergrößern Tattoo einer Illustration des Freidenkers Ernst Haeckel

Alles begann mit Kerzen. Oliver Valverde, heute 35 Jahre alt, arbeitete vor sieben Jahren noch als DJ, als er eines Tages anfing, botanische Essenzen und Aroma-Moleküle zusammenzumischen und daraus Duftkerzen zu entwickeln. „Ich bin sehr ungeduldig“, sagt er über sich. Also probierte er aus. Seine Duftkerzen sieht er heute auch als Design-Objekte. „Sie stehen ja überwiegend nur herum, ohne zu brennen.“

45805211 © Oliver & Co. Vergrößern Duftkerze Ambarina: Ein Designobjekt, wenn es nach Valverde geht.

Das Muster soll an die Ausstattung eines Raumschiffs erinnern. Es ist sein großes Thema. Den Sternennebel, Inspiration seiner Nebula-Serie, setzt er als runden Ausschnitt auch auf seinen Flakon. „Wenn die Forscher den Sternennebel absuchen, dann machen sie das ja auch mit dem Teleskop.“ Der kreisrunde Ausschnitt ist ähnlich.

45805210 © Oliver & Co. Vergrößern Der kreisrunde Ausschnitt auf dem Flakon soll an ein Teleskop erinnern.

Die Idee zu der Nebula-Serie kam Valverde, als er ein Kunstbuch zum Thema Sternennebel durchblätterte. „Das war nicht geplant, so wie nichts an meiner Arbeit jemals einem konkreten Konzept folgt.“ Daraufhin schaute er sich in der Datenbank der Universität Harvard um. Stichwort: Teleskope. „Dort haben sie Tausende Bilder. Nicht alle sind gut, oft sind sie zu dunkel, aber manche sind so wunderschön wie dieser Ausschnitt. Ich war sprachlos: Wie kann ich diese Schönheit, diese Textur und diese Farben in Duftnoten übersetzen?“ Nebula riecht vornehmlich nach Blutorange, die es dabei nie so ganz in den Vordergrund schafft. „Dafür ist der Nebel verantwortlich.“

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