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Muslimische Schönheitsideale : Kardashian statt Kopftuch

  • -Aktualisiert am
Botox und Fett-Absaugen: Hat der Schönheitswahn bereits einen Punkt erreicht, der gefährlich ist?

In deutschen Medien herrscht eine verzerrte Darstellung von Frauen mit Wurzeln in der Türkei, in Marokko oder Bosnien, die als Musliminnen vor allem mit dem Kopftuch und der Verdeckung ihrer weiblichen Reize in Verbindung gebracht werden. Die meisten deutschen Frauen mit orientalischem Hintergrund streben stärker den Idealen der Kardashians nach als denen ihrer Religion.

Türkische Fernsehsender zeigen in ihrer Werbung, die sich speziell an die türkische Diaspora in Europa richtet, neben Supermarkt-Eröffnungen in Offenbach oder Duisburg in Endlosschleife Schönheitskliniken in Istanbul oder Izmir: ein Wochenende Sightseeing und dazu einmal Fettabsaugen. Nach der Werbung werden dann türkische Serien ausgestrahlt, in denen die Protagonistinnen über den Bildschirm flimmern, mit kleinen Nasen, vollen Lippen und zierlichen Körpern. Die wenigsten von ihnen dürften einen Beautydoc vermieden haben. Auch unzählige meiner Freundinnen, Verwandten und Bekannten haben ihre Nasen oder Brüste im Türkei-Urlaub verkleinern und vergrößern lassen, haben sich Botox spritzen lassen, Botoks, wie es auf Türkisch heißt. Dafür werden Sparbücher angelegt, Eltern oder Ehemänner um Geldsummen gebeten – alles für den Traumkörper.

Wir wachsen mit einem starken Bewusstsein für unser Aussehen auf. Nicht nur von der Schönheitsoperation meiner Tante erfuhr ich schon mit sieben Jahren. Schon als Kinder wurden wir oft auf unsere Körper und Gesichter angesprochen. Tanten und Onkel bewerteten die Größe unserer Augen oder die Länge unserer Haare. Unfreiwillig mussten wir uns an die Komplimente auf Hochzeiten und beim wöchentlichen Einkauf in türkischen Supermärkten gewöhnen. Plötzlich wurden wir in die Wange gekniffen, und schon schossen die Sätze in alle Richtungen. „Bist du hübsch!“ – „Ist das Ihre Tochter?“ – „Wunderschön!“

Unsere Schönheit wurde vielseitig definiert

Komplimente bekamen wir genug. Ein starres Ideal gab es dabei nicht. Unsere Schönheit wurde vielseitig definiert. Jedes Mädchen galt irgendwie als schön – egal, ob sie pummelig war, eine große Nase hatte oder buschige Augenbrauen. Man suchte ständig nach etwas Schönem in uns, das man erwähnen muss.

Es sind inflationäre Komplimente. Sie verlieren und gewinnen gleichzeitig an Bedeutung. Die täglichen Bemerkungen über unseren Körper rücken das Thema Schönheit in den Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde es zu einem selbstverständlichen Teil unseres Lebens, und wir konnten locker mit unserem Körper umgehen. Klar wollen wir auch später schön sein, wenn wir es als Kinder stets gesagt bekamen. Der Natürlichkeitsdrang der deutsch-deutschen Frauen war uns dagegen lange fremd. Unrasierte Achseln? Kein Make-up? Das irritierte uns.

Wir hingegen kämpfen noch heute für ein perfektes Aussehen. Die meisten zupfen die Augenbrauen wöchentlich in Form. Sie waxen und epilieren störende Härchen weg. Brechen monatlich neue Diäten ab. Lassen sich bei stummen Asiatinnen Gel-Fingernägel in Neongelb oder mit Strasssteinchen anbringen. Als es uns noch an Glätteisen mangelte, wurden die Haare von unseren Müttern oder Freundinnen auf dem Bügelbrett in Form gebracht. Ein Besuch bei Douglas gehörte zu den Highlights der Woche.

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