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Muscle Beach in L.A. : Arnies Welt

Muscle Beach ist der Sehnsuchtsort für Muskelfrauen wie -männer. Bild: AFP

In Los Angeles steht die berühmteste Muckibude der Welt - am Muscle Beach in Venice. Einst trainierte hier ein berühmter Österreicher: Zu Besuch an einem zeitlosen Ort.

          Es gibt viele Orte auf der Welt, die schon bessere Tage erlebt haben. Ein Kennzeichen ihrer Vergänglichkeit ist häufig die veraltete Technik, die den Niedergang symbolhaft darstellt. Autos aus den fünfziger Jahren auf Kuba, veraltete Skilifte in Cortina d'Ampezzo oder verrostete Jahrmarktattraktionen im Berliner Kulturpark Plänterwald verweisen auf die guten alten Zeiten. Haben Orte ihren Zenit überschritten, lockt immerhin noch ihr morbider Charme. Die Gäste fasziniert dann die Vorstellung, wie es damals wohl gewesen sein könnte.

          Mit dieser Haltung nähern sich Touristen auch dem Muscle Beach in Venice, dem bunten Stadtteil im Westen von Los Angeles. Die glänzenden Zeiten, als Arnold Schwarzenegger genüsslich seine Übermuskeln trainierte, um Mister Olympia zu bleiben, sind vorbei. Was bleibt da außer der Dauersonne Kaliforniens noch übrig?

          Viel. Denn es hat sich wenig verändert, wie ein Vergleich mit fast 50 Jahre alten Bildern zeigt. Mensch und Maschinen sahen schon damals so aus wie heute. Je länger man am Zaun der berühmtesten Muckibude der Welt steht und die Bodybuilder beobachtet, desto deutlicher wird, dass dieser Ort zeitlos ist. Gerade weil er keine neue Technik braucht. Zähe Muskelpflege ist zeitloser Minimalismus und benötigt keine Innovation.

          Denn was hätten die Betreiber besser machen sollen? Die Protagonisten des Körperkults brauchen nur unbändigen Willen und stabile Gerätschaften. Die Technik ist im Prinzip so alt wie der Körperkult selbst. Im Gymnasion des antiken Griechenlands gab es keine Geräte und Hanteln aus Stahl - das physikalische Prinzip der Arbeit, das eingesetzt wird, um Muskeln wachsen und fester werden zu lassen, war jedoch das gleiche.

          Die Muskelmänner und -frauen sind kaum zu übersehen

          Wer Los Angeles besucht, sollte unbedingt am Muscle Beach vorbeischauen. Selbst ohne Straßenkarte und Google Maps ist der Weg leicht zu finden. Von Hollywood kommend Richtung Santa Monica, am Strand an der Promenade entlang nach links. Von Downtown geht es noch schneller: Auf dem Interstate Highway 10 Richtung Santa Monica und vorher links abbiegen auf den Venice Boulevard. Die Muskelmänner und -frauen zu übersehen ist kaum möglich. Auch wenn am Strand durchtrainierte Jogger und Skater unter der gleißenden Sonne schwitzen, nimmt der Body-Muscle-Index im Venice Gym noch einmal andere Maße an.

          Die Referenz für maximale Muskelmassen in dieser Open-Air-Arena ist historisch und physiologisch nach wie vor Arnold Schwarzenegger. Als Mister Universum kam der Österreicher aus der Steiermark nach Kalifornien, um den Amerikanern zu zeigen, wo die Hantel hängt. Dabei vergessen die meisten Arnold-Fans, dass an diesem Ort des gepflegten Bizeps mit Blick auf die pazifischen Wellen schon seit den dreißiger Jahren hart unter freiem Himmel trainiert wurde - allerdings etwa zwei Kilometer weiter nördlich des heutigen Gym.

          Mann oh Mann: Am Muscle Beach bringen sich Fitnessfreunde auf bemerkenswerte Weise in Form - und das mit althergebrachten Mitteln. Bilderstrecke
          Mann oh Mann: Am Muscle Beach bringen sich Fitnessfreunde auf bemerkenswerte Weise in Form - und das mit althergebrachten Mitteln. :

          Doch die Bilder von Venice Beach, die sich bei vielen im Kopf festgesetzt haben, sind hier aufgenommen. Die Faszination dieses Ortes liegt weniger in der Frage, wie es sein kann, dass ein menschlicher Körper solche Proportionen annimmt - die meisten Beobachter möchten wohl gar nicht so aussehen. Spannender ist die Frage, mit welchen Mitteln dieser Körper geschaffen wurde.

          Mit Trackingarmband und Funktionskleidung

          Viele Sportler nutzen die neueste Technik, um ihre Leistung zu steigern. Selbst Sportmuffel gehen nicht mehr ohne Trackingarmband aus dem Haus. Der innere Schweinehund bellt im Jahr 2017 nicht mehr, sondern piepst und weist nett, aber eindringlich darauf hin, dass für das Tagespensum noch 100 Schritte fehlen. Skifahrer haben oft Bretter aus hochwertigen Materialien unter den Füßen, an Fußbällen wird von Europameisterschaft zu Weltmeisterschaft so lange gefeilt, bis sie hundertprozentig rund sind und optimale Flugeigenschaften haben.

          Selbst Läufer profitieren von schweißtransportierender Funktionskleidung, intelligenten Pulsmessern und schrittabsorbierenden Schuhen. Und auch im Fitnessstudio ist es fast zur Pflicht geworden, seine Gewichtseinheiten, Frequenzen und Satzwiederholungen auf dem Computer zu speichern, um Diagramme zu erstellen, die den Trainingseffekt erhöhen.

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          Nicht so die Bodybuilder am Muscle Beach. Sie brauchen nur ein paar Gewichte, gewöhnliche Stangen und Bänke, die frische Meeresluft und hormonbildende Sonne sowie staunende Zuschauer, um so zu werden, wie sie sind. Und vermutlich noch einige Nahrungsergänzungsmittel. Aber die gab es in den siebziger Jahren auch schon.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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