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Nur auf den ersten Blick eklig: zwei Frauen beim jährlichen Tomatenfest „Tomatina“ im spanischen Buñol Bild: Picture-Alliance

Alternativen zu Tampons : Menstruieren für Fortgeschrittene

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Endlich haben Frauen auch bei Hygieneartikeln die große Auswahl. Sind Tampons tatsächlich das Nonplusultra? Zwei Redakteurinnen haben den Selbstversuch gewagt.

          Soft-Tampons

          Warum genau es Soft-Tampons gibt? Schwer zu sagen. Sie sind aus weichem Schaumstoff statt aus Watte, selbstverständlich rosa, und noch viel teurer als normale Tampons. Sie werden damit beworben, dass man sie erstens garantiert nicht spürt (kein gutes Verkaufsargument; die meisten Frauen spüren normale Tampons auch nicht) und man sie zweitens vor dem Sex nicht entfernen muss. „Hygienisch“, nennt die Packung den Beischlaf mit Soft-Tampons, als wäre Menstruationsblut unhygienisch, ein bakterienverseuchter See, und als wäre Hygiene wirklich ein entscheidender Faktor beim Geschlechtsverkehr, aber gut, wir wollen nicht so sein. Also: hygienischer Sex.

          Selbstverständlich rosa: Soft-Tampon

          Die gute Nachricht zuerst: Ja, man kann den Soft-Tampon dabei drin lassen, keiner der Beteiligten spürt ihn. Die schlechte Nachricht: Er wird nach oben verschoben. Der Soft-Tampon führte mich an Orte meines Körpers, an denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Ist Ihnen schon mal aus der überfüllten Sockenschublade eine Socke ganz hinten runtergefallen, und haben Sie dann versucht, sie mit dem ausgestreckten Arm zwischen den Schubladen und der Rückwand der Kommode heraus zu angeln? Genau so. Natürlich hat das Ding keinen Rückholfaden. Natürlich reißt einem auch einfach mal ein Stückchen ab, das man gerade erst mühevoll zwischen zwei Fingern einklemmen konnte. So eine Vagina hat wirklich ganz erstaunliche Ausmaße, man glaubt es kaum. Endlich weiß ich, wo weibliche Drogenkuriere das ganze Zeug unterbringen. Für mich ist das allerdings nichts. Nach mehrmaliger Schnitzeljagd in meinen Innereien verschenke ich die restlichen Soft-Tampons.

          Menstruationstasse

          Nie wollte ich so etwas besitzen. Alleine das Wort schon! „Moon Cup“ nennen sie es auf Englisch, das mag angehen, aber Menstruationstasse, auch noch aus medizinischem Silikon – mein Körper ist ein Tempel, kein Labor. Außerdem kann man das Ding nicht einfach wegwerfen, wenn es voll ist, man muss es ausspülen und wieder einsetzen, was in einer Bürotoilette schlicht nicht geht. Nach Ende der Menstruation desinfiziert man es dann in kochendem Wasser, das ist okay. Aber wie praktikabel ist die Tasse im Alltag?

          Hören Sie auf mich und tun Sie sich selbst einen Gefallen: Kaufen Sie direkt Gleitgel dazu. Ihr Körper wird nicht begeistert sein, dass Sie ihm etwas einführen wollen, das sich etwa so handlich und anschmiegsam anfühlt wie ein Konzertflügel. Man drückt die Tasse zwar zusammen, aber sie ist trotzdem weit von der Stromlinienförmigkeit eines Tampons entfernt. Außerdem ruckelt sie sich mit dem Gel ganz von selbst an die richtige Stelle und sitzt dort zuverlässig bombenfest. Nach ein paar Tagen geht es auch ohne Gel, aber die ersten Versuche ohne waren äußerst unerfreulich.

          Dafür fasst die Tasse viel mehr Blut als ein Tampon – so viel, dass es bei mittelstarker Menstruation vollkommen genügt, sie morgens und abends zu Hause auszuleeren. Wenn mal wirklich gar kein Waschbecken in Reichweite ist, kann man sie auch mit Klopapier abwischen. Außerdem fällt das entsetzliche Gefühl aus, einen nicht ganz feuchten Tampon zu entfernen: Die Tasse lässt sich genau so leicht herausnehmen, wenn wenig Blut drin ist. Nach etwa zwei Jahren hat sich die Investition der zwanzig Euro für das Ding gegenüber Tampons übrigens amortisiert. Anderthalb Monate nach dem ersten Versuch mit ihr fahre ich in Urlaub – ohne einen einzigen Tampon, nur mit der Tasse im Gepäck. Seitdem bin ich restlos überzeugt von dem Ding. Mir ist nur noch kein deutsches Wort dafür eingefallen, das ich ertragen könnte.

          Menstruationstassen gibt es mittlerweile in jeder Drogerie.

          Menstruationsunterwäsche

          So richtig dankbar war ich meinen Thinx-Höschen in Marokko. Wir fuhren gerade auf irgendwelchen kurvigen Straßen den Atlas hinauf und ich merkte: Jetzt geht’s los. Normalerweise wäre der Tag nun gelaufen – jede Frau, die schon einmal an einer Gebirgsstraße versucht hat, einen guten Ort zum Tamponwechseln zu finden, weiß, wovon ich spreche. Die Thinx-Höschen überstanden diesen 16-Stunden-Gebirgsfahrt-Belastungstest erstaunlich problemlos.

          Fühlt sich an wie „normale Unterwäsche“: die Höschen von Thinx

          Die Idee zu diesen Höschen hatten zwei junge Amerikanerinnen, die den Tampon-Müll leid waren. So schwer konnte es doch nicht sein, Unterwäsche zu gestalten, die gut sitzt, schön aussieht und gleichzeitig Binden und Tampons ersetzt. Also entwickelten sie „Thinx“. Das Prinzip der Menstruationshöschen ist einfach: Vier dünne Lagen unterschiedlicher Materialien nehmen die Flüssigkeit auf, absorbieren Gerüche und sorgen dafür, dass der Slip sich sowohl angenehm trocken anfühlt und nichts „ausläuft“ – obendrein ist das alles bei 40 Grad waschbar. Die Höschen gibt es mittlerweile in unterschiedlichsten Farben und Formen. Die größeren Panty-Varianten können bis zu zwei Tampons ersetzen, die dünneren Slips einen.

          Nun gibt es natürlich Frauen, die sowieso wenig menstruieren. Ich gehöre nicht dazu. Im Gespräch mit Freundinnen verweise ich freundlich mit dem Wort „Tsunami“ auf die ersten starken Tage meiner Periode. Zwei Tampons sind da eine lächerlich kleine Einheit und weil wir alle mit der Angst leben, dass während der Periode irgendwelche Flecken auf Hosen, Röcken oder Kleidern zu sehen sind, habe ich bisher für diese Tage eine Doppelstrategie mit Tampons und Binden gefahren. Seit den Thinx-Höschen ist das vorbei. Die werden einfach mit Tampon oder Menstruationstasse kombiniert – und an den schwächeren Tagen ersetzen sie Tampons oder Binden komplett. Obendrein fühlt es sich tatsächlich an, als hätte man „nur“ seine Lieblingsunterhose an. Soll heißen, sie geben einem nicht wie etwa einige Binden das Gefühl, auf einem dicken Polster zu sitzen.

          Sie haben nur einen Haken – und der ist eigentlich ein Feature: Sie werden aus Amerika versandt. Unter Umständen muss man sie also vom Zollamt abholen. Allein, um einem steifen Zollbeamten auf die Frage, was man denn da nun bestellt habe, genüsslich das Wort „Menstruationsunterwäsche“ zu entgegnen, lohnt sich das.

          Wo gibt es das zu kaufen?

          Soft-Tampons: Gibt es im Drogeriemarkt, 10 Stück kosten etwa 10 Euro.

          Menstruationstasse: Die meisten Drogeriemärkte führen hier die Firmen Selena Cup und Me Luna. Die Tassen gibt es in unterschiedlichen Farben und vier Größen von S bis XL mit jeweils unterschiedlichem Volumen, Durchmesser und Längen. Sie kosten zwischen 14 und 20 Euro. 

          Menstruationsunterwäsche: Die Firma Thinx bietet die Unterwäsche in verschiedenen Farben (grau, schwarz, nude, grün, rot) und sechs verschiedenen Modellen - vom Tanga bis zur Shorts - an. Größen sind von XXS bis 3XL erhältlich. Die Unterwäsche kostet zwischen 20 und 35 Euro, je nach Modell.

           

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