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Interview mit einem Cyborg : „Ich wurde gehackt und es war gut“

Cyborg Neil Harbisson kann rote Ampeln hören. Bild: Philip Gerhardt

Neil Harbisson ist farbenblind und hat sich eine Antenne in den Schädel verpflanzen lassen, mit der er Farben hören kann. Warum er die Putzmittelabteilung in Supermärkten liebt und auch anderen Menschen empfiehlt, Cyborgs zu werden.

          Herr Harbisson, Sie können Farben hören. Wie klingt eine rote Ampel für Sie?

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das hängt ein bisschen von der Ampel ab. Es gibt verschiedene Rottöne bei Ampeln. Nicht alle haben ein pures Rot. Es sind verschiedene Abstufungen der Note F: F und Fis. Eine tiefe Note.

          Können Sie das mal vorsingen?

          Nein, ich bin kein guter Sänger. Ich kann die Farben nicht wirklich singen. Wenn wir jetzt ein Instrument hätten, wäre das was anderes. Nein, eine rote Ampel singen, das krieg ich nicht hin.

          Mögen Sie lieber eine grüne Ampel versuchen?

          Ich bin wirklich kein guter Sänger. Ich habe schon mal versucht, Farben zu singen, aber ich habe es immer bereut, weil es nicht klingt, wie es soll.

          Schade! Sonst hätten Sie uns einen Regenbogen vorsingen können...

          Ok, also Rot ist sehr tief, so hmmmmm, und dann kommt Orange, Grün und so weiter – es klingt wie eine einfache Tonleiter von F bis F. Rot ist das tiefste, danach kommt Orange, Gelb, Grün, Türkis, Blau und zum Schluss Violett. Eigentlich ist das tiefste Infrarot und das höchste Ultraviolett, die kann ich auch über die Antenne wahrnehmen. Es gibt Tausende Infrarot- und Ultravioletttöne, für den Menschen sind sie aber alle eigentlich unsichbar.

          Können Sie bitte kurz erklären, wie Ihr Gerät technisch funktioniert?

          Es ist kein Gerät, es ist ein Organ! Es ist nicht etwas, das ich trage, sondern ein neues Sinnesorgan. Und in diesem Fall ist es eine Antenne, die mir erlaubt die Farben wahrzunehmen, sogar jenseits des visuellen Spektrums. Die Antenne nimmt Lichtwellen auf und sendet diese in meinen Schädel. Jede Farbe löst dann verschiedene Vibrationen aus. Ich kann die Farben also im Schädelknochen spüren. Von Infrarot bis Ultraviolett. Ich habe noch ein weiteres Implantat mit einer Internetverbindung, über das ich Farben empfangen kann, die mir Menschen zuschicken, zum Beispiel über ein Mobiltelefon. Damit kann ich mich sogar mit der Internationalen Raumstation verbinden. Dann kann ich Farben des Weltraums fühlen.

          Und wenn Sie das in unser Farbspektrum zurückübersetzen - welche Farben hat der Weltraum?

          Vor allem unsichtbare! Aber der Weltraum ist nicht schwarz, er ist extrem farbenfroh. Und für mich ist das sehr überwältigend. Ich kann mich nicht länger als zwei Stunden mit dem Weltraum verbinden, das sind einfach zu viele Farben, das ist zu viel Energie! Ungefähr wie abertausende Supermärkte. Denn die ähnlichste Erfahrung für mich auf der Erde ist ein Supermarkt. Da gibt es wahnsinnig viele Farben.

          Ist es für Sie eine gewisse Belastung, einen Supermarkt zu betreten?

          Nein, es ist aufregend! Ich würde nicht unbedingt in einem Supermarkt wohnen wollen - das ist zu viel Musik. Aber in der gleichen Weise, in der Menschen gern in Nachtclubs gehen, gehe ich gerne in Supermärkte. Dort gibt es eine Ladung spannender Klanglandschaften.

          Und welches Lebensmittel hat die interessanteste Klangfarbe?

          Salate, Gemüse, Früchte, die haben alle ganz spannende Noten. Aber im Supermarkt ist der aufregendste Bereich der mit den Putzmitteln. Da findet man ganz unerwartete Noten. Und eine sehr laute Musik. Die Produkte haben zum Teil ganz ungewöhnliche Farben. Verrückte Orange- und Türkistöne, Blau, Grün; es gibt sogar Violett, das ist ungewöhnlich.

          War es kompliziert einen Chirurgen zu finden, der Ihnen die Antenne implantiert?

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