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Veröffentlicht: 10.06.2017, 10:46 Uhr

Stil-Fragebogen „Wer Hunger hat, mag alles“

Einkaufsrausch, Lesefutter und tägliche Modesünden: Inès de la Fressange, ehemalige Chanel-Muse, im Interview über Stil und Lebensgewohnheiten.

von
© Helmut Fricke Mode, Essen und Literatur: Inès de la Fressange verrät, was sie im Alltag beschäftigt.

Am 11. August wird sie, kaum zu glauben, 60 Jahre alt. Inès de la Fressange, die Französin schlechthin, wuchs als Tochter eines Wertpapierhändlers und einer argentinischen Mutter in der Nähe von Paris auf. In den Achtzigern war sie die Muse von Karl Lagerfeld bei Chanel. „Inès“, wie sie in Frankreich nur genannt wird, hat eine eigene Modelinie, arbeitet als Markenbotschafterin für Roger Vivier und schreibt Bücher über Mode. Ihr neuer Ratgeber ist gerade im Knesebeck-Verlag erschienen: „Was ziehe ich heute an?“ Fragezeichen sind eigentlich nicht so ihr Ding. Der verwitweten Mutter zweier Töchter sind Ausrufezeichen lieber.

Alfons  Kaiser Folgen:

Was essen Sie zum Frühstück?

Nichts. Ich trinke einen Tee mit Zitrone, danach einen frisch gepressten Orangen- oder Karottensaft. Zuallererst bekommt ohnehin der Hund etwas zu fressen.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

Ich mag zum Beispiel die Teenager-Marke Soeur, gehe gern in den Vintage-Laden Kiliwatch und kaufe auch viel bei Uniqlo. Außerdem gehe ich zu Isabel Marant oder Prada. Aber ich mag große Marken nicht so gern: Im „total look“ sehe ich sofort zehn Jahre älter aus.

Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?

Ich bin eine Frau! Wir haben da ein bestimmtes Chromosom! Wir glauben noch daran, dass sich mit einer neuen Handtasche das ganze Leben ändert.

Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

Ich bewahre nicht viel auf. Aber ich habe eine Samtjacke, gut geschnitten, alle Knöpfe unterschiedlich, vielleicht zehn Jahre alt, die liebe ich. Alte Sachen gebe ich Freundinnen. Und meine Töchter gehen an meinen Schrank, ohne zu fragen. Gerade erst hatte ich einen schönen neuen Kaschmirpullover - und zack, weg war er.

Was war Ihre größte Modesünde?

Die begehe ich jeden Tag. Schauen Sie mich an! Und meine Haare! Aber wer konventionell ist, ist langweilig. Was ich nie tragen würde: alles mit Plastik, also Croqs oder Kleider mit durchsichtigen Plastikträgern.

Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?

Ja, aber sie müssen gut geschnitten sein.

Haben Sie Stil-Vorbilder?

Viele! Françoise Sagan, Françoise Hardy. Also offenbar alle, die mit Vornamen Françoise heißen.

Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Möbelstück selbst gemacht?

Ich habe mal einen riesigen Pullover gestrickt, untragbar. Oder eine Samtjacke mit langen Ärmeln, die zugleich Handschuhe waren - ich war in den Achtzigern schon so weit wie japanische Designer. Und einen Tisch in meinem Landhaus habe ich zumindest selbst entworfen.

Besitzen Sie ein komplettes Service?

Wie bourgeois! Nein. Alle meine Teller sind unterschiedlich, meist vom Flohmarkt. Ich habe sogar Campingteller aus Metall. Das Porzellan, das ich geerbt habe, habe ich verkauft. Dann fühlt man sich viel besser.

Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?

Ich esse gern - aber Kochen ist ja so langweilig! Früher habe ich meine Kinder ganz lange warten lassen, habe dann alles zusammengemischt, was noch da war, und sie sagten: „Mami ist eine tolle Köchin.“ Das ist eben der Trick: Wer richtig Hunger hat, mag alles.

Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?

Mein Freund bringt „L'Express“, „Le Point“, „Nouvel Obs“, „Le Monde“, „Psychologies“ mit nach Hause. Kaum Modemagazine: Ich bin kein fashion victim.

Welche Websites und Blogs lesen Sie?

Viele. Und ich bin selbst auf Instagram und Twitter.

Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

Jeden Tag. Ich bekomme viele Geschenke und schicke zum Dank kleine Karten zurück.

Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

Als Steve Jobs starb, hatte er schon seine Trauerfeier organisiert. Alle Gäste bekamen die "Autobiography of a Yogi" von Paramahansa Yogananda geschenkt. Das ist ein gutes Buch. Und die Bücher des Dalai Lama.

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Ihre Lieblingsvornamen?

Was für eine schöne Frage! Nine, so heißt meine Tochter. Nino war eine Heilige, die Georgien missionierte. 1994 gab es noch keine Nine in Frankreich. Heute gibt es viele. Den Trend habe ich also angeschoben.

Ihr Lieblingsfilm?

Früher habe ich immer "Die Duellisten" gesagt, von Ridley Scott, aber den habe ich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen, deshalb sollte ich es auch nicht mehr sagen.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

Mit. Heute sind den Jugendlichen Autos oft egal. In meiner Generation war es klar, dass man mit 18 Jahren ein Auto brauchte, erst recht als Frau.

Tragen Sie eine Uhr?

 Ja, immer, eine Männeruhr von Jaeger-LeCoultre.

Tragen Sie Schmuck?

Ja, aber wie bei der Uhr: schlicht und einfach.

Haben Sie einen Lieblingsduft?

Mitsouko von Guerlain. Ich mag die neuen Parfums nicht, weil sie so stark sind. Wollen Männer wirklich eine Frau mit viel Lippenstift und viel Parfum küssen?

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Was ist Ihr größtes Talent?

Ideen zu haben. Und mich für Dinge zu begeistern.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Ich rede zu viel. Merken Sie das nicht?

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Da rede ich jetzt mal lieber nicht über Sex - sonst denken die Leser noch, ich wäre eine Französin. Nein, ich freue mich immer sehr, wenn Termine abgesagt werden.

Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

Darin bin ich schlecht. Ich wusste zum Beispiel als eine der Ersten, dass Carla Bruni und Nicolas Sarkozy zusammen sind. Aber ich vergaß, es weiterzuerzählen. Viele denken, ich sei diskret - und erzählen mir alles.

Sind Sie abergläubisch?

Ich klopfe drei Mal auf Holz, dass ich es nicht bin.

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