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Gesunde Ernährung Laktosefrei, bitte!?

Immer mehr Verbraucher greifen zu Lebensmitteln, die ohne Milchzucker hergestellt sind. Gedacht sind sie für Menschen, die ihn nicht vertragen. Doch auch gesundheitsbewusste Käufer kaufen die Produkte gerne – ohne dass es nötig wäre.

© Lew Robertson / StockFood 2007 kostete ein Kilo laktosefreier Milchprodukte 41 Cent mehr als die herkömmlichen Pendants. Im vergangenen Jahr betrug der Unterschied zehn Cent.

Es steht schlecht um den Ruf der Laktose. Jahrzehntelang führte der Milchzucker ein unscheinbares Dasein als natürlicher Bestandteil der Kuhmilch. Doch nun, so scheint es, muss er weg. In der Eisdiele gibt es plötzlich Vanilleeis ohne Laktose, der Bäcker backt laktosefreie Törtchen und erste Restaurants verzichten komplett auf den Milchzucker. Ursprünglich sind laktosefreie Produkte für Menschen gedacht, die unter einer Milchzuckerintoleranz leiden. In Deutschland sind das nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rund 15 Prozent der Bevölkerung. Laktoseintoleranz ist weder eine Krankheit noch eine Allergie, sondern eine Unverträglichkeit, die meist genetisch bedingt ist.

Die Betroffenen können Laktose nicht verarbeiten, weil es ihnen an dem Enzym Laktase mangelt, das den Milchzucker im Dünndarm in Glukose und Galaktose spaltet. Die Laktose gelangt so unverdaut in den Dickdarm, wo Bakterien sie unter Bildung von Gasen und organischen Säuren abbauen. Das führt zu den typischen Beschwerden: Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfälle und Übelkeit. Bei vielen treten diese Symptome erst als Erwachsene auf. Gesunde Säuglinge verfügen über viel Laktase. Doch geht, so die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin, die Laktaseproduktion nach dem Abstillen bei bis zu 90 Prozent der Weltbevölkerung zurück. Deshalb sind ältere Menschen häufiger von der Unverträglichkeit betroffen. Nur selten kommen Babys mit einem kompletten Laktasemangel zur Welt.

Das Gefühl zu platzen

Petra Hofmann aus Menden merkte vor drei Jahren, dass etwas nicht stimmt. Die Fünfzigjährige litt ständig unter Übelkeit und Blähungen. „Ich hatte das Gefühl zu platzen, wie wenn man vergiftet wäre.“ Monatelang wusste sie nicht, dass die Laktose schuld ist. Klarheit brachte ihr ein Atemtest beim Arzt. Bei dieser Standarddiagnostik trinken die Patienten auf nüchternen Magen ein Glas Wasser mit Milchpulver, in dem so viel Laktose ist wie in einem Liter Frischmilch. Über einige Stunden wird der Wasserstoffgehalt in ihrer Atemluft kontrolliert - die Betroffenen pusten dazu wie beim Alkoholtest immer wieder in ein Röhrchen. Steigt der Wasserstoffgehalt stark, deutet das auf eine Unverträglichkeit hin, weil bei der bakteriellen Zersetzung von Laktose im Dickdarm Wasserstoff freigesetzt wird. Zusätzlich kann per Pieks in den Finger die Entwicklung des Blutzuckers verfolgt werden. Oft bekommen die Patienten auch während des Tests Beschwerden.

Im Supermarkt können Laktoseintolerante zwischen immer mehr Spezialprodukten auswählen: Neben Käse und Joghurt gibt es Schokohasen und Tiefkühlpizza. „Anfangs war ich total überrascht, wo überall Laktose drin ist“, berichtet Hofmann: „Selbst in Soßenbinder oder Kroketten.“ Weil sich Laktose leicht mit Wasser verbindet, wird sie gerne als Bindemittel eingesetzt. Reagiert sie mit Eiweißen, kommt es zu Bräunungseffekten, die Bäcker nutzen.

Laktosefrei beim Discounter

„Vor ein paar Jahren gab es im Supermarkt nur die laktosefreie Milch, und die war oft 50 Cent teurer“, erinnert sich Martina Ganzbuhl aus München. Die Studentin erfuhr vor sieben Jahren von ihrer Laktoseintoleranz: „Am Anfang konnte ich mir die Spezialprodukte nicht immer leisten.“ Nun bekommt sie laktosefreie Milch beim Discounter. Die Preise haben sich angenähert: 2007 kostete ein Kilo laktosefreier Milchprodukte 41 Cent mehr als die herkömmlichen Pendants, berechnete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im vergangenen Jahr betrug der Unterschied zehn Cent.

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