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Erkältungssaison : Wann lohnt sich eine Grippeimpfung?

Lindert das Leid, wenn es zu spät ist: Tee, Taschentücher, Hustensaft - das übliche Gedeck eines Schnupfen-Husten-Halsweh-Patienten. Bild: Picture-Alliance

Sechs Prozent der Deutschen waren zuletzt erkältet oder hatten eine Grippe. Völlig normal, sagt das Robert-Koch-Institut. Aber wann wird es bedenklich und wer sollte sich impfen lassen? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Wie viele Grippefälle gibt es zurzeit in Deutschland?

          Seit Anfang Oktober sind in den Laboren 325 Mal Influenzaviren als solche identifiziert worden, zwei Menschen sind an den Folgen der Krankheit gestorben. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt außerdem, wie viele Menschen insgesamt erkältet sind. Demnach war die vergangene Woche eine normale Novemberwoche: Gut sechs Prozent der Bevölkerung haben eine Erkältung oder Grippe bekommen.

          Grippe oder Erkältung?

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine echte Grippe beginnt meist plötzlich, sie ist verbunden mit hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl und Kopf- sowie Gliederschmerzen. Meist dauert eine Grippe länger als eine Erkältung.

          Gibt es eine Prognose für die Grippewelle in diesem Jahr?

          Dem RKI zufolge lässt sich weder genau voraussagen, welche Viren in welcher Häufigkeit auftreten, noch, wie viele Menschen sich infizieren – und schon gar nicht, wie viele der Infizierten krank werden. In den vergangenen Wintern ist das Schätzungen zufolge je zwei bis zehn Millionen Menschen passiert.

          Warum unterscheiden sich Grippeimpfungen von Jahr zu Jahr?

          Die Viren, die für die Grippe beim Menschen verantwortlich sind, heißen Influenzaviren. Aus diesem Grund wird die Grippe in Fachkreisen auch als Influenza bezeichnet. Es gibt drei unterschiedliche Influenzatypen: A, B und C. Die Influenza A gilt als die gefährlichste. Der Vogelgrippeerreger zählt dazu. Typ C verläuft meist mild. Influenza-Viren sind sehr wandlungsfähig. Praktisch in jedem Vermehrungszyklus verändern sich kleine Bausteine in ihrem Erbgut. Das Phänomen bezeichnen Forscher als Antigendrift.

          Bild: F.A.Z.

          Die Folge: Der menschliche Körper erkennt das veränderte Virus nicht mehr als „Feind“, das Immunsystem beginnt nicht zu arbeiten - und schon sind wir krank. Diese ausgesprochene Wandlungsfähigkeit der Influenzaviren zwingt die Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr, den Grippeimpfstoff neu zusammenzusetzen. Sie orientiert sich dabei an den Virustypen, die im Vorjahr am häufigsten aufgetreten sind. Eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die nicht immer aufgeht. Manchmal hat sich das Virus so verändert, dass die Virustypen im Impfstoff nicht mehr dazu passen. Vergangenes Jahr etwa passte die Impfung nicht besonders gut zu den dann tatsächlich zirkulierenden Viren; einige Geimpfte sind deshalb erkrankt.

          Wer sollte sich impfen lassen?

          Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen von 60 Jahren an, für Schwangere, die die 13. Schwangerschaftswoche hinter sich haben, für chronisch Kranke, medizinisches Personal und Menschen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko, also etwa Erzieher oder Busfahrer. Wenn man sich prinzipiell für den Schutz durch eine Impfung entscheidet, dann muss man sie jährlich wiederholen. Denn wie oben erklärt, ändern die Grippe-Viren ständig ihre Struktur und tricksen das menschliche Immunsystem aus.

          Zahlt die Krankenkasse die Impfung?

          Krankenkassen zahlen die Impfung in jedem Fall für Personen, die unter die Empfehlungen der STIKO fallen. In den meisten Fällen zahlt die Krankenkasse aber auch für alle anderen den Pieks in den Arm. Wer aber sichergehen will und nicht zu einer Risikogruppe zählt, sollte bei seiner Kasse nachfragen.

          Wie viele Impfdosen wurden diesen Herbst schon eingesetzt?

          Das Paul-Ehrlich-Institut gibt die Impfdosen frei – bislang rund 16 Millionen. Wie viele die Ärzte davon schon eingesetzt haben, weiß keiner.

          Wie gut verträglich ist die Grippeimpfung dieses Mal?

          Laut RKI recht gut. Bis auf übliche Nebenwirkungen wie leichte Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle ist bisher nichts bekannt.

          Gibt es unterschiedliche Impfstoffe?

          Ja, aber alle enthalten die von der WHO festgelegten Antigene. Bei fast allen in Deutschland zugelassenen Produkten sind die Viren tot. Bei nur einer Impfung leben sie; die ist für Kinder zwischen zwei und 17 Jahren gedacht.

          Welche Regeln gelten für Kinder?

          Wenn sie an einer Immunschwäche oder schwerem Asthma leiden oder mit Salicylat behandelt werden, dürfen sie nicht mit dem Lebendimpfstoff geimpft werden. Aber auch für alle anderen Kinder empfiehlt die STIKO den Lebendimpfstoff in diesem Jahr ausdrücklich nicht.

          Sie begründet das mit neuen Studien, wonach der Stoff für Kinder keine Vorteile hat; bislang war man davon ausgegangen, dass er sie besser schützt. Grundsätzlich sollten chronisch kranke Kinder ab einem Alter von sechs Monaten aber mit einem Totimpfstoff geimpft werden.

          Bis wann ist eine Impfung sinnvoll?

          Die Influenzawelle hat in den vergangenen Jahren meist nach dem Jahreswechsel begonnen (siehe Grafik). Nach der Impfung dauert es zehn bis 14 Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist. Das RKI empfiehlt daher, sich möglichst bald noch impfen zu lassen. Aber auch zu Beginn und während der Grippewelle kann das noch sinnvoll sein.

          Was gilt für Allergiker dieses Jahr?

          In allen Impfstoffen ist Hühnereiweiß. Bislang hatte es stets wenigstens einen Ersatz für Allergiker gegeben. Wer auf Eiweiß stark reagiert, sollte sich, wenn überhaupt, nur unter klinischer Aufsicht impfen lassen. Wer leicht betroffen ist, kann sich dem RKI zufolge bedenkenlos impfen lassen.

          Hilft die Impfung gegen Vogelgrippe?

          Nein. Wer beruflich mit Geflügel zu tun hat, dem wird eine Impfung dennoch empfohlen, um Doppelinfektionen zu vermeiden. Die aktuelle Vogelgrippe ist bisher weltweit nicht bei Menschen vorgekommen.

          Quelle: F.A.S.

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