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Bob-Haarschnitt : Short story

Auch sie trägt den Bob: IWF-Präsidentin Christine Lagarde in ihrem Büro in Washington Bild: action press

Der politische Bob ist mehr als ein Trend-Haarschnitt. Frauen wie Angela Merkel, Theresa May und Christine Lagarde tragen ihn seit Jahren. Wie wurde er zur Frisur unserer Zeit?

          Zum Weltfrauentag ließ sich Hillary Clinton die Haare abschneiden. Am Tag zuvor war sie noch mit dem gewohnt welligen Bob aufgetreten, die Stirn frei, die Stufen weich. Der Anlass war ein Mittagessen der Wohltätigkeitsorganisation Girls Inc. Die Botschaft via Snapchat am Tag darauf, dem 8. März, war natürlich nicht ihr neuer Haarschnitt. Es ging darum, dass Frauen weiter kämpfen, dass sie sich bemerkbar machen sollten, sich wehren, für ein Amt kandidieren, Gewinner sein. Aber Hillary Clintons Haare, die von einem Tag auf den anderen deutlich kürzer waren, gestufter, in der Stirn ein paar Strähnen, die einen Pony andeuteten - sie gaben der Nachricht, die natürlich wichtig, aber zugleich vorhersehbar war, einen Überraschungsmoment. Der Haarschnitt befeuerte die Botschaft.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hillary Clintons Haare sind seitdem wieder ein Stück gewachsen. Aber ob kürzer oder länger: Einen politischen Bob trägt sie in jedem Fall.

          Der Titel ist so griffig wie flexibel. Der political bob, wie der "Guardian" den Haarschnitt taufte, ist auch nicht am Ende, weil eine seiner berühmtesten Trägerinnen nicht zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Oder weil eine andere, Theresa May, nicht mehr allzu lange als Premierministerin im Amt bleiben könnte. Der politische Bob wäre selbst ohne Angela Merkel, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde und die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon noch aktuell, denn er ist zunächst einmal ein Bob, also ohnehin die Frisur unserer Zeit.

          Die britische Premierministerin Theresa May mit Bob-Frisur
          Die britische Premierministerin Theresa May mit Bob-Frisur : Bild: AP

          Beim Bob handelt es sich schließlich nicht um einen Trend, der sich von einem Tag auf den anderen ändert, der also mit dem Rücktritt einer Spitzenpolitikerin an sein Ende käme; so wie Frisuren ohnehin selten Trends folgen. Der Bob ist vielmehr eine Lebenshaltung, die gut in unsere Zeit zu passen scheint.

          Irgendwo zwischen sachlich und weiblich liegt der Bob

          Lange Haare wirken weiblich, kurze sachlich. Der Bob liegt irgendwo dazwischen, etwa so, wie festliche Jumpsuits mit Rüschen so sachlich sind wie Smokings und so weiblich wie bestickte Abendkleider - nicht umsonst ebenfalls ein Look unserer Zeit. Der Bob ist nie falsch, und dabei geht man nicht einmal auf Nummer sicher wie mit einer Uniform. Man sieht es an seinen Variationen. Mal ist er geradezu wild, ausgewachsen und asymmetrisch, so wie die Models Alexa Chung oder Karlie Kloss ihn tragen, mal streng mit Mittelscheitel, "Vogue"-Chefin Anna Wintour lässt grüßen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für ihre Bob-Frisur seit Jahren bekannt
          Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für ihre Bob-Frisur seit Jahren bekannt : Bild: dpa

          Der Bob ist somit auch keine Frage des Alters. Älteren Frauen - Spitzenpolitikerinnen sind ja selten Mitte 20 - steht er trotzdem gut, wenn die Haare mit der Zeit dünner, kraftloser und trockener werden. Ein Föhn, eine Rundbürste - und man kommt zurecht. Ebenfalls praktisch: Die Haare im Bob-Schnitt lassen sich bei jeder Gelegenheit hinter die Ohren stecken. Die Botschaft: Ich bin aufmerksam und höre zu. Das hilft nicht nur, wenn man vor einer Menge potentieller Wähler auftritt, sondern auch, wenn man von Angesicht zu Angesicht mit dem Chef spricht.

          Haare sind eine einzige Werbekampagne für ihre Träger. Dafür muss man nicht einmal so seidiges Haar haben wie die Models in der Werbung für Haarprodukte. Haare sind jedenfalls weit auffälliger und aussagekräftiger als Zähne, die so viel über einen Menschen aussagen sollen.

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