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Das Glück der Erde : Über die beeindruckende Bindung zwischen Mensch und Pferd

Wenn so ein schönes, mächtiges Wesen einem folgt, verleiht einem das Gefühl der Stärke: Schauspielerin Hanna Binke als Mika mit Wildpferden in Andalusien. Bild: obs

Warum lieben (fast) alle Mädchen Pferde? Ein Besuch am Filmset gibt die Antwort: Die Filmtrilogie „Ostwind“ feiert das innige Verständnis zwischen Mensch und Tier.

          Klappe 27-1, die erste. „Und bitte!“ Die siebzehnjährige Hanna Binke hat sich aus ihrer Daunenjacke geschält und läuft in zerrissenen Jeans und Kapuzensweatshirt die Stallgasse entlang. Neben ihr klappern die Hufe eines schwarzen Hengstes, dem die Pferdemaskenbildnerin mit Theaterschminke einen weißen Fleck auf die Stirn gemalt hat: Ostwind, Titelheld des Kinderfilms, dessen dritter Teil an diesem Novembertag auf Gut Waitzrodt im nordhessischen Immenhausen gedreht wird.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Mädchen greift nach einer Decke, legt dem Pferd einen Sattel auf den Rücken und hängt sich einen Stoffbeutel mit Proviant über die Schulter. 27-1, die zweite: Hanna Binke streichelt über den Pferdehals, bevor sie Ostwind belädt. 27-1, die dritte: Auf Wunsch der Regisseurin beschleunigt die Schauspielerin ihre Schritte. Wo genau steht idealerweise das Pferd? Ist es die ganze Zeit im Bild? Ein paar Boxen weiter wiehert es. Ostwind, der in Wirklichkeit James heißt, klappert zum x-ten Mal die Stallgasse entlang, bleibt stehen, tut nichts – und trottet zu seiner Ausgangsposition zurück: „Bitte wieder auf Anfang.“

          Die Zielgruppe ist eindeutig

          Draußen auf dem matschigen Hof, der im Film Gestüt Kaltenbach heißt und in echt ein gut besuchter Reitstall ist, schaut sich eine Mutter mit ihrer elf Jahre alten Tochter und deren Freundin um. „Eigentlich bin ich nicht so ein großer Pferdefan“, sagt die Schülerin, deren lange Haare unter einer Mütze herausragen, „aber durch ,Ostwind‘ mag ich Pferde schon ein bisschen mehr.“ Die Protagonistin Mika alias Hanna Binke sei „von ihrem Charakter ganz cool“, und weil sie es aufregend findet, dass so ein Film ausgerechnet in ihrer Heimat gedreht wird, hat sie die Mutter überredet, direkt nach Unterrichtsschluss hierher zu fahren. Die Freundin hat sogar Erfahrung mit Pferden. Das Beste sei, sagt sie, „wenn man so schön Galopp reiten kann, dass man sich so frei fühlt“.

          Es geht früh los mit dieser besonderen Leidenschaft zwischen Mädchen und Pferden, die längst von kommerziellen Interessen befeuert wird, aber auch eine Art universales Bedürfnis bedient. Radiergummis und Armbanduhren, Stoppersocken, Trinkflaschen, Schulranzen und Kissenbezüge – es gibt nichts fürs Kinderzimmer, worauf sich nicht auch eine wehende Mähne finden ließe. Spätestens vom ersten Lesealter an existieren regalmeterweise monothematische Bücher. Die Kinoerfolge „Bibi & Tina“ spielen auf dem Reiterhof; Anfang des Jahres wurden die Comics um das Pferdemädchen „Wendy“ verfilmt. Die Zielgruppe ist eindeutig: Drei von vier Mitgliedern der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind Frauen.

          Freiheit und Verantwortung. Autonomie und Zugehörigkeit

          „Wenn man das so hört, Mädchen und Pferde, dann denkt man Ponyhof und trallala und belächelt das so“, sagt Produzentin Ewa Karlström. „Ostwind“ hingegen versuche diesem Phänomen auf den Grund zu gehen; Regisseurin Katja von Garnier sei ein richtiger Pferdefreak: „Wir nehmen das Thema sehr, sehr ernst.“ Es gehe um große Gefühle, von denen der Film erzählen wolle, ohne Kitsch daraus zu machen: um eine tiefe Verbundenheit mit einem so stattlichen, schönen Tier. „Bei jungen Mädchen ist es ja so“, sagt Karlström: „Bevor es mit Jungs losgeht, ist es das Pferd. Ich glaube, man projiziert da ganz viel drauf, was man sich noch nicht trauen würde mit einem Jungen. Pferdeliebe ist eine ganz reine Liebe.“ Mehr als 850.000 Kinobesucher haben den ersten Teil der Trilogie gesehen, „Ostwind 2“ kam auf gut 1,2 Millionen Zuschauer. Für „Ostwind – Aufbruch nach Ora“, der über weite Strecken in Andalusien spielt, ist das Budget noch einmal angehoben worden auf 5,5 Millionen Euro. Für einen Kinderfilm – Kernzielgruppe 5 bis elf Jahre – sind das beachtliche Zahlen.

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