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Paul McCartney wird 75 : Sorry Sir Paul!

Paul McCartney ist „der erfolgreichste Musiker der Welt“. Für diese Einsicht brauchte die Frankfurter Allgemeine Zeitung etwas länger. Bild: dpa

Paul McCartney wird 75. Wir gratulieren - und bitten hiermit für die Misstöne in unserer Berichterstattung um Entschuldigung. Auch wir können uns mal irren. Ein Brief.

          Sehr geehrter Paul McCartney, Dear Sir Paul!
          An diesem Sonntag, dem 18. Juni, feiern Sie Ihren Geburtstag, Sie werden 75. Im Namen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung möchte ich Ihnen dazu aufs Herzlichste gratulieren.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dafür, dass ich Ihnen schreibe, gibt es aber noch einen zweiten Grund: Ich möchte Sie um Entschuldigung bitten. Ebenfalls im Namen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Warum? Das muss ich ausführlicher erklären.

          Auch Qualitätszeitungen können irren

          Auch diese Zeitung hat Ihnen die Anerkennung zukommen lassen, die Ihnen gebührt. Da wir annehmen, dass nicht jeder Artikel, der bei uns über Sie erschienen ist, bis zu Ihnen vorgedrungen ist, dürfen wir Ihnen mitteilen: Auch wir haben geschrieben, dass Sie „der erfolgreichste Musiker der Welt“ sind, ja „der begnadetste, beste Popmusiker aller Zeiten“, kurz: „ein Genie“. Und dieses Genie haben wir erkannt. Es hat nur, ähm, ein wenig gedauert.

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          Sich zu irren, das kann auch einer Qualitätszeitung mal passieren, die ja auch immer Kind ihrer Zeit ist - und wenn die Zeiten sich ändern, zumal so bahnbrechend wie in den sechziger Jahren, dann kann das verwirrend sein. Was ich sagen will: Wir waren gewiss nicht die einzigen, die Sie verkannt haben. Verkannt freilich haben wir die Beatles und Sie persönlich in eindrucksvoller Weise.

          Lobende Worte für die Beatles

          Der erste Artikel über die Beatles, der in der Frankfurter Allgemeinen gedruckt wurde, war eine Meldung im Ressort Deutschland und die Welt, erschienen am 4. November 1963. Sie trug den treffenden Titel „,Käfermanie' in England“. Nicht ganz so treffend war die Meldung selbst, die darüber informierte, es seien „sechzig kreischende Teenager“ verletzt worden beim Versuch, „Eintrittskarten für ein Jazzkonzert der ,4 Beetles' (Käfer) zu ergattern“.

          Bei seinem zweiten Versuch am 3. Januar 1964 hatte der Autor, der Londoner Korrespondent Roland Hill, etwas genauer hingeschaut und hingehört, um das „Phänomen der ,Beatles'“ (diesmal korrekt geschrieben) zu beschreiben. Und er mühte sich auch, nunmehr im Feuilleton, unserer Leserschaft die ungewohnten Töne näherzubringen: „Beatmusik ist als eine von drei Kategorien von ,Pop' anzusehen (die beiden anderen sind reiner Jazz- und Balladengesang im Stil des amerikanischen Western).“ Ich darf Ihnen auch mitteilen, Sir Paul, dass der Kollege durchaus lobende Worte für Ihre Band fand: „Natürliche Direktheit der Sprache, Intelligenz, Charme und Bühnensinn haben gewiß zum Erfolg der ,Beatles' beigetragen.“

          Texte und Melodien minderwertig? Die ersten Kritiken der F.A.Z. konnten den Beatles noch nicht viel abgewinnen.
          Texte und Melodien minderwertig? Die ersten Kritiken der F.A.Z. konnten den Beatles noch nicht viel abgewinnen. : Bild: Picture-Alliance

          Keine Anerkennung für die Musik

          Ausgenommen vom Lob war leider Ihre Musik. „Selbst die fanatischsten Anhänger der Beatmusik bestreiten nicht, daß ihre Texte und Melodien ziemlich minderwertig sind.“

          Der Autor Roland Hill, dies zu seiner Ehrenrettung, war der damals schon 43 Jahre alte Sohn einer Opernsängerin und als solcher von einem Beatles-Konzert einigermaßen entsetzt: „Alle Anwesenden, Spieler, Zuhörende und die dienstbaren Geister an der Bar, sind wie von Todeszuckungen befallen. Mit ausgestreckten Armen und Hüften, mit geschlossenen Augen und offenen Mündern wird ein geschlechtsloser Veitstanz aufgeführt.“ Mit dem unfreundlichen Urteil des Kollegen von der „landesweiten Mistkäferplage“ wollen wir es hier bewenden lassen.

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