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Streicheleinheiten : Die Magie der Berührung

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Angenehm oder schmerzhaft: Immer löst Körperkontakt etwas in uns aus Bild: plainpicture/Image Source

Ein fester Händedruck, ein zärtliches Streicheln, die aufgelegte Hand eines Freundes oder Geistlichen können viel in uns auslösen. Hautkontakt ist für den Menschen lebenswichtig. Eine kleine Reise durch eine unterschätzte Sinneswahrnehmung.

          Wir werden angerührt von einem Film, von einem Lied, ergriffen von einer Rede. Etwas Bewegendes fasst uns ganz merkwürdig an oder packt uns und lässt uns nicht mehr los. Als Verliebte begehren wir einander mit Haut und Haaren, können die Hände nicht mehr voneinander lassen. Gestreichelt zu werden kann wohlige wie auch erotische Schauer über den Körper schicken, vermag weinende Kinder zu trösten und ängstliche Erwachsene zu beruhigen.

          Wer einen weltbekannten Künstler oder mächtigen Menschen anfassen darf, womöglich von ihm die Hand geschüttelt oder die Hand auf die Schulter gelegt bekommt, fühlt sich manchmal kräftiger als zuvor, aufgewertet oder tief berührt. Vor allem Männer hängen in ihren Büros gerne Fotos davon auf, wie Berühmtheiten ihnen die Hände schütteln - hoffend darauf, Besucher damit zu beeindrucken.

          Solche Beispiele zeigen, welche Bedeutung und Macht die Berührung in unserem Leben hat. Dabei kann sie nicht nur als angenehm empfunden werden, sie kann ebenso schmerzen oder verletzend sein. Aber fast immer löst Körperkontakt etwas in Menschen aus. Er spielt an unterschiedlichsten Stellen eine Rolle: in der Kindheit, in der Liebe, der Medizin, der Partnerschaft und der Kirche.

          Seit je ist speziell das Handauflegen, die segnende Berührung durch einen Geistlichen, ein im Wortsinn berührendes Ritual. Schon Jesus hat nach den Berichten des Neuen Testaments häufig Menschen die Hand aufgelegt, um sie zu segnen oder zu heilen. Das darf man symbolisch verstehen: Die Berührung durch einen charismatischen Menschen kann sehr anrühren, gerade wenn man krank, geschwächt oder ohne Hoffnung ist. Taucht heute irgendwo der Papst auf, drücken sich seine Anhänger nach Möglichkeit in seine Nähe, in der Hoffnung, ihn berühren zu können und im Glauben dann gesegnet zu werden. In der christlichen Tradition hat die Berührung eines Priesters oder Pfarrers große Bedeutung. Das Gefühl, so Gottes Hand zu spüren, kann für Gläubige enorm bewegend sein.

          Streicheln für das Immunsystem

          Stephan Kreutz, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde „Unser Lieben Frauen“ in Bremen, hat beim Segnen mit Handauflegen oftmals Tränen fließen sehen. Wo jemand angerührt wird, können Gefühle aufwallen. Das sei „ein sehr bewegender Moment“, sagt Kreutz. Für ihn macht das Handauflegen „die Nähe und Unmittelbarkeit Gottes besonders spürbar“.

          Segen spenden muss aber gar nicht unbedingt der Geistliche. Auch im weltlichen Alltag lässt sich das Zeichen „Es steht jemand hinter dir, es steht dir jemand bei“ immer wieder beobachten - auch wenn es dann manchmal ganz ohne christlichen Hintergrund geschieht. So streicheln Eltern ihren kleinen Kindern zum Abschied über den Kopf oder legen ihnen in schwierigen Situationen die Hand auf die Schulter. Hat jemand eine heikle Aufgabe zu erledigen, klopft man ihm auf den Rücken, um Mut zu machen.

          Das Heilsame an der Berührung ist offenkundig: Wer uns einfühlsam umarmt, stärkt uns den Rücken, richtet uns auf; wenn das Gefühl sich ändert, folgt auch der Körper. Wer uns die Hand reicht, fest drückt oder gar streichelt, nimmt uns an. Berührung kann den Puls beruhigen, Ängste besänftigen und das Immunsystem stärken.

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