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Interview mit Aesop-Chemikerin : „Wir haben es heute mit anderem Stress zu tun“

  • -Aktualisiert am

Virginia-Woolf-Zitat statt Türschild und Klingelknopf: Aesops Hauptzentrale in Melbourne. Dass die Marke seltsam bleibt, sieht man auf einen Blick. Bild: Aesop

Menschen, für die entscheidend ist, wie ein Beauty-Produkt riecht und wo es im Badezimmer steht, spricht Aesop aus der Seele. Von Australien aus erobert die Marke die Welt. Ein seltenes Treffen mit der Chemikerin des Hauses.

          Die Smith Street ist die Vergnügungsmeile der australischen Millionenmetropole Melbourne. In zweigeschossigen Gebäuden aus viktorianischer Zeit wechseln sich Tapasrestaurants, Bio-Weinsalons und Schwulenbars ab. Abends torkeln Betrunkene über den Bürgersteig, und tagsüber laufen Schönheiten in Vintage-Pants herum. Man will gar nicht mehr weg hier.

          Fast übersehen könnte man am unteren Ende der Straße die wichtigste Zeitgeistmarke des Kontinents – der Schönheitshelfer Aesop. Mit sonderbaren Zutaten wie Petersiliensamen, ausgefallener Apothekenverpackung und konsequenter Absage an Werbung prägen die Australier die Kosmetikindustrie seit 30 Jahren. Gegründet wurde das Unternehmen in Melbourne; heutzutage gibt es mehr als 100 Geschäfte in 43 Ländern, 11 davon in Deutschland. Einziger Makel der selbsternannten Hautheiler: die prätentiösen Philosophenzitate auf den Produkten.

          Aus Starrsinn wurde eine erfolgreiche Marke

          Weil Aesop seltsam bleiben will, sieht das grau gestrichene Lagerhaus im Stadtteil Fitzroy wie leerstehend aus. Keine Schilder, keine Schriftzüge, nur ein namenloser Klingelknopf weist darauf hin, dass hinter den Backsteinmauern vermutlich jemand arbeitet. Es ist, als würde man die NSA besuchen. Hinter der stählernen Eingangstür sieht die Lage zum Glück anders aus: Die Luft riecht nach Zitrusfrüchten, die Rezeptionisten sind niedlich uniform in Schwarz und Weiß gekleidet, und die Kaffeeküche sieht wie eine penibel aufgeräumte Apotheke aus.

          Chemikerin und Produktentwicklerin von Aesop: Kate Forbes.
          Chemikerin und Produktentwicklerin von Aesop: Kate Forbes. : Bild: Aesop

          Aesop ist die Marke für alle Ordnungsfetischisten mit genauen Vorstellungen, wie man zu duften und wo ein Tiegel zu stehen hat. Aus diesem Starrsinn ist eine erfolgreiche Marke geworden. Auch dank Kate Forbes, einer promovierten Chemikerin, die seit 15 Jahren die Produkte von Aesop federführend entwickelt. Sie trägt ein schlichtes, dunkles Kleid, das über den Oberschenkeln endet, wie jede Australierin lächelt sie freundlich. Ihre Haut glänzt matt, kein sichtbares Make-up – eine gesunde Gesichtsfarbe, würde man sagen.

          Kate Forbes, wie waschen Sie Ihr Gesicht: unter der Dusche oder am Waschbecken?

          Früher habe ich es nur unter der Dusche gewaschen, inzwischen habe ich mich zum Waschbecken weiterentwickelt.

          Warum soll das ein Fortschritt sein?

          Weil ich nicht zwei Mal am Tag dusche, mir jedoch die Haut morgens und abends gründlich reinigen muss, um den Tag mitsamt seinem Schmutz wegzuwaschen. Sie glauben gar nicht, wie wichtig das für die Haut ist.

          Auch zu beachten: Waschen Sie Ihr Gesicht mit heißem oder kaltem Wasser? Das hat Auswirkungen auf die Poren. Wenn das Wasser zu heiß ist, verfällt die Haut in einen kurzen Schockzustand und trocknet aus.

          Solche Fragen stellen Verkäufer in Aesop-Geschäften ihren Kunden. In Ihren Läden fühlt man sich eher wie in einer Arztpraxis als in einem Kosmetikgeschäft.

          Noch vor 15 Jahren fanden viele unsere Cremes und Lotionen komisch. Wir haben Shampoos ohne Silikon und Farbstoffe hergestellt. Viele Menschen guckten uns an: Das soll funktionieren? Weil sie an etwas anderes gewöhnt waren. Diese Einstellung hat sich nun geändert. Der Nischenmarkt, in dem auch wir uns bewegen, wächst rapide. Menschen suchen nicht nach Celebritydüften, die sie einnebeln. Sie wollen mit ihrer Kosmetik einzigartig sein.

          Wie haben sich dabei in den vergangenen Jahren die Angewohnheiten verändert: Was wird mehr benutzt?

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