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Veröffentlicht: 24.11.2016, 12:33 Uhr

Köche, Winzer, Weine Unsere Lieblinge des Jahres 2016

Unser Restaurantkritiker und unser Weinkolumnist ziehen Bilanz: Welche Köche, welche Winzer verdienen dieses Jahr besonderes Lob? Wer will, kann ihre Favoriten bei unserem „Lieblings“-Abend im Januar persönlich erleben.

von , Stuart Pigott
© Frank Röth Köchin des Jahres national: Douce Steiner vom Restaurant „Zum Hirschen“ in Sulzburg

Bevor wir zu unserem besonderen Jahresrückblick kommen, eine nicht schlechte Nachricht vorab: Unser „Lieblings“-Abend im Januar ist ausgebucht. Wer noch ein Ticket bekommen hat, kann die besondere Klasse unserer „Lieblinge des Jahres“  am 28. Januar 2017 im Grandhotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach bei Köln persönlich erleben. An diesem Abend kochen unsere fünf ausgezeichneten Köchinnen gemeinsam ein exklusives Fünf-Gänge-Menü; dazu werden Weine von den ebenfalls prämierten Gütern verkostet. Durch den besonderen Abend führen unsere Hauskritiker und Preisjuroren Jürgen Dollase und Stuart Pigott.

Köchin des Jahres national

Douce Steiner vom Restaurant „Zum Hirschen“ in Sulzburg

Douce Steiner (Bild oben) ist mit zwei Michelin-Sternen die am besten bewertete Köchin Deutschlands. Die Vollblutgastronomin erfreut in der prächtigen Wohnzimmeratmosphäre ihres Restaurants in Sulzburg (südlich von Freiburg) ihre Gäste mit einer meisterlich verfeinerten, französisch inspirierten Küche mit viel Kräutern und Gemüse. Die 45-Jährige ist Nachfolgerin ihres ebenfalls mit zwei Sternen dekorierten Vaters Hans-Paul Steiner, bei dem sie auch in die Lehre ging. Nach Aufenthalten bei Größen wie Georges Blanc in Vonnas/Frankreich oder Harald Wohlfahrt von der „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn kehrte sie 1998 mit ihrem Mann und heutigem Ko-Koch Udo Weiler nach Sulzburg zurück. Die beiden übernahmen peu à peu die Leitung der Küche, seit 2008 auch offiziell.

Nach einer kurzen Phase mit einem Stern hat sie seit 2012 deren zwei und glänzt zum Beispiel mit einer der besten Bouillabaisse-Fassungen weit und breit (Frankreich eingeschlossen), leichten und millimetergenau ausbalancierten Vorspeisen wie einem roh marinierten Lachs mit Kräutern und Gemüse oder auch Zubereitungen rund um klassische Hauptprodukte wie Steinbutt, Bresse-Huhn oder Hummer, die das ganze Wissen der Familie Steiner zu komprimieren scheinen. Mit Büchern wie etwa „Douce. Unsere verrückte Gemüsewelt“ gelingt ihr übrigens auch der Schritt in populäre Formate ganz ausgezeichnet.

Köchin des Jahres international

Tanja Grandits, Restaurant „Stucki“, Basel

43513659 © s. stäubli Vergrößern

Eigentlich stammt Tanja Grandits aus Albstadt auf der Schwäbischen Alb und ist also eine deutsche und keine Schweizer Köchin. Das werden allerdings selbst die Schweizer kaum noch erkennen, weil sich ihr Aufstieg zu zwei Michelin-Sternen und in die nationale und internationale Spitze ausschließlich in der Schweiz vollzog. 2001 gründete sie mit ihrem späteren Ehemann René Graf Grandits das Restaurant „Thurtal“ in Eschikofen und wurde dort für ihre kreative „Weltküche“ schon einmal zur „Köchin des Jahres“ im Gault-Millau-Führer gekürt. 2008 übernahmen die beiden eine der renommiertesten Adressen der Schweiz, das „Bruderholz“ in Basel, und benannten es nach seinem legendären Chefkoch Hans Stucki.

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Grandits ist eine der ganz wenigen Köchinnen, bei denen man das Gefühl hat, eine ausgesprochen weibliche Küche ohne demonstrative kulinarische Kraftübungen zu genießen. Und das angesichts einer immer einfallsreicher werdenden Küche. Nach der ersten Kreativphase in Eschikofen führte die Spezialisierung auf Gewürze und Kräuter zu vielbeachteten Büchern („Gewürze“ und „Kräuter“). Mittlerweile überrascht Grandits vor allem mit einer Palette von faszinierend aussehenden und noch besser schmeckenden, monochromen Gerichten wie etwa dem „Carabiniero mit Rosen-Tee, Ofen-Zwiebel und Sumac-Honig“ oder einem „Rinderfilet mit Ingwer-Lack, Brombeer-Taboulé und Blaukraut-Hummus“. Heute gehört Tanja Grandits zu den wenigen auch international bekannten Kreativköchinnen.

Newcomerin des Jahres

Sonja Baumann, Restaurant „Gut Lärchenhof“, Pulheim

43513667 © privat Vergrößern

Auf einmal tut sich eine Tür auf, und alle sind überrascht. Sonja Baumann vom „Gut Lärchenhof“ arbeitet in einer spektakulären Umgebung: im Klubhaus eines der besten Golfplätze des Landes in Pulheim bei Köln, das schon seit vielen Jahren für seine gute Küche bekannt ist. Dass sie es nach ihrer Ausbildung in „Halbedel’s Gasthaus“ in Bonn und einer Zeit in der „Alten Feuerwache“ in Würselen in „Gut Lärchenhof“ zur Stellvertreterin des Küchenchefs brachte und vier Jahre in dieser Position arbeitete, ist die eine Sache.

 
Unser Restaurantkritiker und unser Weinkolumnist ziehen Bilanz: Wer verdient dieses Jahr besonderes Lob?

Die andere ist die, dass man sie - zusammen mit Erik Scheffler - 2015 zur Küchenchefin gemacht und damit offensichtlich eine Explosion an Kreativität ausgelöst hat. Heute gehört „Gut Lärchenhof“ - auch schon wieder mit Stern - in die Spitze der Restaurants mit einer jungen, kreativen Küche, die sich durch Leichtigkeit, einen undogmatischen Einfallsreichtum und regionale Bezüge auszeichnet. Da gibt es „Blutwurst mit Karotte und Ingwer“, „Ziegenquark mit Rauchaal und ,Fallobst‘“ oder eine „Kalbsnuss mit Wirsing und einer Bearnaise aus Kalbsmark“ - alles so, dass man sich bei den Aromen wohl fühlt, weil sie nicht zu stark verändert werden, ansonsten aber ein originelles Spiel mit Texturen und Temperaturen ganz neue geschmackliche Informationen gibt.

Aufsteigerin des Jahres

Sarah Henke, Restaurant „Yoso“, Andernach

43513666 © Picture-Alliance Vergrößern

Es gibt immer ein wenig Verwirrung um Sarah Henke. Sie ist im Prinzip Koreanerin, weil sie in Südkorea geboren wurde, kam aber im Alter von anderthalb Jahren als Adoptivkind nach Niedersachsen. Bekannt wurde sie später durch ihr bestechend gutes Feeling für die asiatische Küche.

Prägend für die 1982 geborene Köchin wurden fünf Jahre an der Seite von 3-Sterne-Koch Sven Elverfeld im „Aqua“ in Wolfsburg. Von 2011 bis 2014 war sie dann Küchenchefin im „Spices“ im Hotel „Arosa“ auf Sylt und bekam dort einen Michelin-Stern. Heute ist sie als Chefin des „Yoso“ in Andernach am Rhein (bei Koblenz) mit „Sushi & Streetfood“ neu gestartet. Obwohl sie auch noch ein Gourmetrestaurant im gleichen Haus bekommt, überzeugt sie jetzt schon mit der großen Qualität ihrer Arbeit. Ihre Gerichte haben ein erhebliches Niveau, selbst da, wo man nicht unbedingt damit rechnet, wie beim „Entrecôte gebraten mit Limonenkartoffeln, Kopfsalatherzen, Chili-Limonensauce“. Man darf auf den Fortgang der Dinge gespannt sein.

Kulinarische Institution

Lea Linster, Restaurant „Lea Linster“ in Frisange, Luxemburg

43513648 © dpa Vergrößern

Ihre große Beliebtheit in Deutschland verdankt die Luxemburgerin Lea Linster nicht nur ihrer Küche, sondern auch ihrer Persönlichkeit. Mit ihrer Kombination aus ausgezeichneter Restaurantküche, der Fähigkeit, auch einfachere Gerichte für ein großes Publikum zu konzipieren (in ihren Fernsehsendungen, Büchern und Beiträgen für Zeitschriften), vor allem aber mit ihrer großen Lust am Genuss und an einem sinnlich-genussreichen Leben ist sie zu einer echten Institution geworden. Dabei hatte Linster ursprünglich Jura studiert und fand erst 1982 den Weg in die Küche, als sie nach dem Tod des Vaters das heimische Restaurant übernahm. Fünf Jahre später hatte sich ihr Talent durchgesetzt, und sie bekam einen Michelin-Stern.

Zwei weitere Jahre später kam sie zu internationalem Ruhm, als sie als erste und bisher einzige Frau den berühmten Nachwuchswettbewerb „Bocuse d’Or“ gewann - benannt nach der immer noch aktiven französischen Kochlegende Paul Bocuse. Dieser Ruhm ließ sie nicht mehr los, und bis heute ist eines der Hauptgerichte auf ihrer Karte das „Lamm Bocuse d’Or in der Kartoffelkruste“. Nach fast 35 Jahren in der Küche ihres hellen, sehr künstlerisch wirkenden Restaurants in Frisange (südlich von Luxemburg-Stadt) erfreut Frau Linster ihre zahlreichen, meist internationalen Gäste mit einer klaren, entspannten Küche mit klassischen Wurzeln und immer wieder individuellen Details, die ihre ganze Erfahrung zeigen - wie etwa einer exzellenten „Tarte mit jungem Gemüse und Parmesan“ mit einer beeindruckenden Kombination aus Frische, Finesse und Natürlichkeit.

Produzentin des Jahres

Christine Ferber, „Maison Ferber“, Niedermorschwihr, Elsass

43513644 © Christine Hart Vergrößern

Im Prinzip ist Christine Ferber ein kulinarischer Weltstar. Ihre Konfitüren und Gelees gibt es von Paris bis New York und Tokio überall dort auf der Welt, wo es die ganz guten Sachen gibt, und die berühmtesten Köche der Welt zählen zu ihren Bewunderern. Das ist die eine Ferber. Die zweite ist die extrem hart arbeitende Chefin einer Bäckerei in Niedermorschwihr, einem kleinen Dorf im Elsass, wo sie 35 Stunden im Schnitt in zweieinhalb Tagen schafft und trotz Ruhm und Ehre immer noch das Zentrum einer wahrlich klassischen Manufaktur ist. Vom Baguette bis zu den riesigen Mengen an Schokoladenhasen zu Ostern, den Pralinen („Chocolats“) oder dem breiten Angebot zu Weihnachten geht jedes Stück durch ihre Hand. Das hat zu so viel Nachfrage geführt, dass die Kunden sich vor den großen Feiertagen schon mal zwei Stunden in die Schlange stellen müssen.

Schließlich sind die Produkte des Hauses einfach sensationell, und das nicht nur wegen der handwerklichen Qualität, bei der nur allerbeste und reife Früchte verarbeitet werden, sondern auch wegen Ferbers Fähigkeit, Aromen in einer ebenso überzeugenden wie oft wundersamen Art zusammenzuführen. Da gibt es die Erdbeerkonfitüre mit frischer Minze, die Weinbergpfirsiche mit Pinot Noir und Zimt, Orange wird mit Mango und Passionsfrucht verwoben, die schwarzen Johannisbeeren mit Veilchen oder Sauerkirschen mit Rose (die „Confiture pour Madame“). Im Moment bezieht Ferber ihr neues, prächtig gelegenes Atelier am Rande des Dorfes. Es wird noch einen Moment dauern. Sie fremdelt etwas, weil sie ihre wuselige Backstube verlassen muss.

Sommelière des Jahres

Susanne Spies, Restaurant „Rosin“, Dorsten

43513652 © privat Vergrößern

Susanne Spies gehört zu den ganz großen Stützen ihres Faches. Während seit einiger Zeit viel Knowhow aus den Restaurants in den Handel abwandert, denkt sie gar nicht daran, das immer neue Spiel mit Essen und Weinbegleitung zu verlassen - unterstützt auch von ihrem Mann Alfred Voigt, der ebenfalls Sommelier in einem Spitzenrestaurant ist. Spies’ Mutter Christel war schon in den achtziger Jahren Sterneköchin (in einem Restaurant in Viersen). Ihre Karriere führte die Tochter etwa in die „Residence“ in Essen, ins „Schiffchen“ in Düsseldorf und zu Spitzenkoch Thomas Bühner ins „La Table“ in Dortmund und ins „La Vie“ in Osnabrück. Danach ging sie zu Frank Rosin nach Dorsten, der mittlerweile zu den populärsten deutschen Fernsehköchen gehört und sich zu zwei Michelin-Sternen hochgearbeitet hat. Spies arbeitet vor allem nach dem, was ihr schmeckt und was auch den Gast sofort überzeugt. Auf diese Weise gehört sie zu den ganz wenigen Sommeliers im Lande, denen immer wieder geniale Kombinationen von Wein und Speisen gelingen.

Winzer des Jahres

Karsten Peter (rechts im Bild), Gut Hermannsberg, Niederhausen/Nahe

www.gut-hermannsberg.de

43513640 © Kerstin Bänsch Photodesign Vergrößern

Die bewegende Vorgeschichte des Pfälzers Karsten Peter und der 1901 gegründeten ehemaligen preußischen Weinbaudomäne in Niederhausen an der Nahe lässt sich eigentlich nicht auf ein oder zwei Absätze reduzieren. Man kann sie in der Chronik des Gutes und diversen Weinbüchern nachlesen. Um aber zu verstehen, warum den beiden, Winzer und Gut, diese Auszeichnung hier gebührt, muss man zum Beispiel die großartigen Riesling-Weine des Hauses aus dem Jahrgang 2015 verkosten. Sicherlich werden sie manchen Lesern zu intensiv und/oder anstrengend erscheinen; das ist deren gutes Recht. Doch besteht das Ziel dieser Auszeichnung nicht darin, gefällige und standardisierte Gewächse zu bejubeln. Vielmehr geht es darum, Winzer herauszustellen, die eine bestimmte Art von Wein perfektionieren.

Seit er 2010 vom neuen Besitzer Jens Reidel zum Kellermeister und Verwalter des Gutes ernannt wurde, hat Peter unnachgiebig an einer zeitgemäßen Interpretation der großen Tradition der ehemaligen preußischen Domäne gearbeitet. Bereits der erste Jahrgang (beileibe kein einfacher) war sehr gelungen, aber in den folgenden Jahren wurden die Weine sprunghaft besser. Der 2015er „Vom Schiefer“ (aus Niederhäuser Weinbergslagen, die etwas sanftere Variante) und der 2015er „Vom Vulkan“ (aus Schlossböckelheimer Weinbergslagen, ausgesprochen markant; beide 14,50 Euro ab Hof) demonstrieren, was „rassig“ und „mineralisch“ bei trockenem Riesling bedeuten können. Sie bieten extrem viel Eigenart, vielleicht sogar etwas Genialität (zu freundlichen Preisen). Der Riesling „Steinterrassen“ (19,90 Euro ab Hof) und die „Großen Gewächse“ (ab 26 Euro) aus den letzten Jahrgängen steigern das noch. Sie verdienen und verlangen sehr viel Aufmerksamkeit.

Zu Recht würde Karsten Peter, der gerade 40 Jahre alt geworden ist, jetzt auf die herausragenden Weinbergslagen (vor allem die Monopollage Hermannsberg und die Kupfergrube, die mehrheitlich im Besitz des Hauses ist) als Quelle dieser Eigenart deuten. Er ist es jedoch, der den Lagen diesen Ausdruck entlockt und zum Strahlen bringt, und dafür wird er hier zum Winzer des Jahres ernannt.

Winzer-Entdeckung des Jahres

Walter Bibo, Bibo & Runge Wein, Hallgarten/Rheingau

www.bibo-runge-wein.de

43513642 © privat Vergrößern

Walter Bibo wurde erstmals Anfang der neunziger Jahre als Kellermeister des berühmten Weinguts Dr. Heger im Kaiserstuhl/Baden bekannt. Später lockte ihn das ebenfalls bekannte Weingut Schloss Reinhartshausen ins Rheingau. Das heißt: Er ist alles andere als ein Jungwinzer! 2013 gründete er zusammen mit seinem Geschäftspartner Kai Runge einen eigenen Betrieb in Hallgarten/Rheingau und zeigte mit den sehr gelungenen trockenen und feinherben Riesling-Weinen aus den Jahrgängen 2014 und 2015 sein Können als Winzer.

Bibo & Runge hat das Potential, sich einen Platz in der ersten Liga der Rheingau-Weingüter zu erarbeiten. Hier gibt es keine Modeweine und keine gemachten Weine, sondern wahre Rheingau-Klassiker, die durch ihre feinwürzige Art und ein elegantes Frucht-Säure-Spiel bestechen. Obwohl bereits die einfachsten Weine des Hauses wirklich gut sind, bringt der trockene und feinherbe „Hargardun“ (16 Euro ab Hof) aus beiden Jahrgängen das so richtig auf den Punkt.

Aufsteiger-Winzer des Jahres

Uwe Lützkendorf, Weingut Lützkendorf, Bad Kösen/Saale-Unstrut

www.weingut-luetzkendorf.de

43513687 © Alive-Film Vergrößern

Die Weine des Ostens tun sich nach wie vor schwer im Westen. Nähmen die hartnäckigen Skeptiker die trockene Weißweine aus dem Jahrgang 2015 von Uwe Lützkendorf in Bad Kösen/Saale-Unstrut (Bild oben) richtig zur Kenntnis, wäre das Image des ostdeutschen Weins ein ganz anderes. Die trockenen Rieslinge und Weißburgunder „GGs“ aus der Lage Hohe Gräte (25 Euro) sind sehr konzentrierte, spannende Weine mit enormem Entwicklungspotential, aber auch die günstigeren Gewächse des Hauses aus 2015 (10 Euro für Riesling, Weißburgunder und Silvaner) sind sehr lebendig: wahre Charakterköpfe mit ausgeprägten Kräuternoten. Das ist vorbildhaft - und ließe sich genau so auch von sehr vielen Lützkendorf-Weinen der Vorjahrgänge behaupten. Hinter dieser Leistung steckt ein extrem zielstrebiger und auch feinfühliger Mensch, der trotz aller Rückschläge immer weiter an der Verbesserung des Weins gearbeitet hat. Inzwischen ist er damit wirklich sehr weit gekommen.

Rotwein des Jahres

2014er Schlossberg Spätburgunder „Großes Gewächs“, Weingut Bernhard Huber, Malterdingen/Baden

59 Euro ab Hof, limitiert

www.weingut-huber.com

43513633 © Weingut Huber Vergrößern

Als sein Vater Bernhard Huber am 11. Juni 2014 verstarb, wurde Julian Huber, damals ganze 24 Jahre jung, zum vorzeitigen Einstieg ins Familienweingut gezwungen. Die Herausforderung war enorm, weil sein Vater mit seinen Weinen so gut wie jede mögliche Auszeichnung gewonnen hatte, die es für einen deutschen Rotweinweinerzeuger gibt (inklusive dem „Rotwein des Jahres“ bei unseren „Lieblingen“ mit dem 2009er Schlossberg Spätburgunder „GG“). Das war auch deshalb eine Besonderheit, weil Bernhard Huber erst 1987 aus der Gebietswinzergenossenschaft ausgetreten war und das Familienweingut gegründet hatte.

Dazu kam, dass der Ruf von Malterdingen und der Spitzenlage Hecklinger Schloßberg vollkommen in Vergessenheit geraten war. Es ist ein kleines Wunder, wie Julian Huber mit seinem ersten Solojahrgang der stärkste Rotwein des Jahrgangs in Deutschland gelungen ist. Allgemein sind die Rotweine des Jahrgangs 2014 in Deutschland eher charmant und elegant als ausdrucksstark und tiefgründig. In diesem Kontext zeigt der 2014er Schlossberg Spätburgunder „GG“ eine erstaunlich intensive Würze (Kardamom!), und die Gerbstoffe verleihen ihm eine ungewöhnliche herbe Kraft. Er ist noch ein wenig verschlossen, aber das ist ein Zeichen dafür, dass er sich nächstes Jahr und in vielen folgenden Jahren noch besser präsentieren wird.

Weißwein des Jahres

2015 Berg Schlossberg Riesling, Weingut Georg Breuer, Rüdesheim/Rheingau

48 Euro ab Hof, limitiert (Auslieferung erst im Frühling 2017, Reservierung möglich)

www.georg-breuer.com

Der Jahrgang 2015 ist in Deutschland als „groß“ zu bezeichnen, weil er eine Fülle an beeindruckenden trockenen Weißweinen hervorgebracht hat, die in ihrer Gesamtheit die ebenfalls sehr einheitlichen und herausragenden Jahrgänge 2009 und 2012 sowie die beachtliche Spitzenweine aus nicht so homogenen anderen Jahrgängen des letzten Jahrzehnts noch übertreffen. Theresa Breuers 2015er Berg Schlossberg Riesling ist ein trockener Riesling, der kaum zu übertreffen ist - vorausgesetzt natürlich, man mag trockene Weine aus dieser urdeutschen Traubensorte.

Manche Kritiker behaupten, die Weine des Jahrgangs 2015 seien zwar sehr gut, zur wahren Größe fehle es ihnen aber an etwas Säurefrische, und sie seien etwas zu breit im Körper. Dieser Wein jedoch verfügt über eine ziemlich betonte Säure und einen schlanken Körper, alles perfekt verbunden mit exotischen Fruchtaromen, feinem Schmelz und einer ausgeprägten (salzigen) mineralischen Note.

In punkto Harmonie und Feinheit ist dieser Wein nicht zu übertreffen, und das ist eine beachtliche Leistung. Zu Recht bleibt Breuer bei der Tradition der späten Auslieferung dieses Weins, die ihr 2004 verstorbener Vater Bernhard eingeführt hat.

Der 2015er Berg Schlossberg Riesling, dessen Etikett in diesen Tagen noch entworfen wird, hat ein Leben vor sich, das sicherlich in Jahrzehnten zu messen ist. Ob wir so lange durchhalten werden, ist allerdings eine ganz andere Frage.

Schaumwein des Jahres

2008er „Cuvée Mo“ Brut Natur, Schlossgut Diel, Burg Layen/Nahe

48 Euro ab Hof, limitiert

www.diel.eu

43513638 © privat Vergrößern

Das Schlossgut Diel in Burg Layen/Nahe ist seit langem für seine charaktervollen trockenen und brillanten fruchtig-süßen Riesling-Weine bekannt. Auch der Spätburgunder-Rotwein des Hauses genießt Kultstatus. Jetzt kommt zu alledem eine Reihe beeindruckender und sehr eigenständiger Schaumweine, allen voran die 2008er „Cuvée Mo“. Dabei handelt es sich keinesfalls um einen leichten, erfrischenden Sekt zum Aperitif, sondern um einen ungewöhnlich körperreichen Schaumwein, der mit den kräftigsten Champagnern (wie etwa Krug und die Vintage-Abfüllungen von Bollinger) mithalten kann. Sie waren das Vorbild für diesen Ausnahme-Sekt, der erstmals im Jahrgang 2005 erzeugt wurde, und wie diese Vorbilder ist der Duft von Brioche-und Trockenfruchtnoten geprägt. Caroline Diels Schaumwein-Meisterwerk hat außerdem das Potential, einige Jahre zu lagern, und ist auch deshalb außergewöhnlich.

Preis-Leistung des Jahres

2015er Röttinger Feuerstein Riesling „Sankt Martin“, Weingut Hofmann, Röttingen/Franken

11,50 Euro ab Hof

www.weinguthofmann.com

43513639 © Helmut Fricke Vergrößern

Das Taubertal und seine Spitzenweine wären weitaus bekannter, wenn die Weinberge des Tals sich nicht auf drei Weinbaugebiete aufteilten: Baden, Württemberg und Franken. Im fränkischen Teil gilt es einen höchst unterschätzten deutschen Winzer zu entdecken, Jürgen Hofmann. Aufgrund des hohen natürlichen Säuregehalts der Rieslinge aus der Lage Feuerstein belässt er den Weinen einen Hauch natürlicher Traubensüße, so dass sie zwar ziemlich herb schmecken, aber die Bedingungen für die Bezeichnung trocken nicht ganz erfüllen; „feinherb“ träfe exakt zu. Hofmanns strahlender 2015er Riesling „Sankt Martin“ ist ein herausragendes Beispiel: eine vielschichtige Fruchtaromatik (vor allem weißer Pfirsich und Zitrone), Blütennoten, eine mineralische Frische. Einer der besten feinherben Rieslinge des Jahrgangs in Deutschland, der deutlich weniger als seine wichtigsten Konkurrenten kostet.

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