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Im Flugzeug des Kuweiter Emirs : Fliegen fast wie ein Falke

  • -Aktualisiert am

Bustransfer zum herrschaftlichen Privatflugzeug: Die Boeing 747-400M des Emirs von Kuweit wartet in Genf auf die Passagiere. Bild: Florian Siebeck

Von Frankfurt nach Genf kann man auch in einem seltenen Vogel fliegen: Mit dem Flugzeug des Emirs von Kuweit. Für 150 Euro mit einer ordentlichen Portion Luxus – nur nicht für die Passagiere.

          Mehr als einen energischen Fingerzeig gibt es heute nicht zu holen, denn das Oberdeck ist tabu. „No, no, no, no“, wirft die Flugbegleiterin der deutschen Männergruppe mit strengem Blick entgegen, noch bevor einer von ihnen die Treppe nach oben erklimmen kann. Die Mittvierziger, die diesen Flug von Frankfurt nach Genf gebucht haben und hier vor ihr stehen - die Spiegelreflexkameras gezückt - wollen eigentlich nur das: mal nach oben gehen.

          Abheben werden sie allemal. Keiner dieser Männer hat in Genf etwas vor, die meisten von ihnen werden schon morgen früh mit dem selben Flugzeug wieder zurückfliegen. Sie müssen das tun, und sie reden sehr viel vom Haben und Müssen: „Die 707 in Iran, die habe ich schon. Die Il-62, die muss ich noch. Aber die kriege ich nur in Nordkorea.“ Es sind Menschen, deren Ziel es ist, auf möglichst vielen Flugzeugtypen zu fliegen. Dafür fahren sie nach Moldau, Russland, in die Ukraine, nach Iran, und wenn es sein muss bis in den Kongo und nach Nordkorea.

          Und manchmal bleiben sie hier. Und suchen die Exoten im Flugplan. Die ungewöhnlichen Muster, das fremde Gerät, das auf kurzer Strecke über Europa fliegt. Wie den chilenischen Dreamliner von LAN auf der Strecke von Frankfurt nach Madrid, oder die Triple Seven von Singapore auf der Strecke von München nach Manchester. Oder das gleiche Muster von Garuda Indonesia auf der Strecke von Amsterdam nach London. Oder den Airbus 330 der Air China von Wien nach Barcelona. Die Gründe für diese Anschlussflüge können vielfältig sein: Manchmal lohnt es sich für die Airline nicht, beide Ziele einzeln anzufliegen - oder die Flugzeuge reichen einfach nicht aus.

          Die Strecke Kuweit-Frankfurt-Genf wird von Kuwait Airways meist mit dem Großraumflugzeug Airbus 330 bedient. Ausnahmsweise fliegt im August an jedem Freitag eine Boeing 747-400M auf der Route. Das Flugzeug gehört nicht der Fluglinie, sondern Sabah al Ahmad al Jaber Al Sabah, dem Emir von Kuweit, dem wüsten- und ölreichen Kleinstaat mit drei Millionen Einwohnern, dessen Außenminister er vorher 40 Jahre lang war.

          Unvorhersehbarer Flugplan

          Im Oberdeck ist das Schlafgemach und Arbeitszimmer des Herrschers, der sein Salär von 23 Millionen auf 145 Millionen Euro erhöht hat, was wir hier unbeschadet schreiben dürfen, weil er gleichzeitig die Pressefreiheit stärkte.

          Das Flugzeug ist eine Rarität für die Flug-Enthusiasten, nicht nur, weil es eine überschaubare Strecke fliegt, nicht nur, weil es eine 747-400M ist, also ein kombiniertes Fracht- und Passagierflugzeug, die von immer mehr Fluglinien rausgeschmissen wird, sondern weil das Flugzeug dem Emir gehört und der Flugplan unvorhersehbar ist. Oft wird sie nur kurzfristig eingeplant, um entsprechenden Bedarf zu decken. Dann leiht der Emir sie an die staatliche Airline aus. Sie fliegt also manchmal von Kuweit nach Dubai, nach Dschidda, nach Kairo. Und manchmal nach London. Aber erst nach London und dann bis nach Kuweit zu fliegen, das ist vielen doch zu viel, weil es in Kuweit noch langweiliger sein soll als in Dubai, weil es keine gescheite Lounge gibt und brauchbare Meilen auch nicht - außer für den „Oasis Club“, das Meilenprogramm der Kuweiter.

          Über den Wolken: Von der Business Class aus lassen sich die alten Turbinen bei der Arbeit betrachten. Bilderstrecke

          „Das wird nichts“, sagt einer der Männer, der hier schon flog, als noch ein Airbus 300 im Dienst war, beim Blick auf die Uhr. „Die schafft es nie pünktlich.“ Von den 302 Sitzen sind nur 40 belegt, und im Unterdeck stehen sie gefühlt noch enger als bei Ryanair. Aber irgendwie müssen die ganzen Sitze ja reinpassen, wenn in der Mitte des Flugzeugs ein OP-Saal verbaut ist, der locker 50 Plätze verschluckt, und einige der Sitze umgeklappt sind, um Platz für Tragen zu machen. Viele Kuweiter nutzen den Flug nach Genf, um sich in der Schweiz behandeln zu lassen.

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