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Veröffentlicht: 14.04.2017, 13:38 Uhr

Glamping Walter, das Zelt hat eine Küche

Wer behauptet, Camping sei nicht glamourös, hat es noch nie mit Glamping probiert. Doch passen diese beiden Welten überhaupt zusammen? Ein Selbstversuch an der kroatischen Adria.

von Katharina Wilhelm
© Camping Adriatic by Valamar Nie wieder Schlafsack: Nach dem Luxus auf den Campingplätzen Lanterna und Krk gibt es kein Zurück mehr.

Ein wenig irritiert räume ich zu Hause das Campinggeschirr zurück in den Schrank. Ich werde es wohl nicht brauchen, denn auf der Internetseite des kroatischen Campingplatzes steht, seine Glamping-Zelte hätten eine vollausgestattete Küche. Auch den Schlafsack kann ich dann wohl daheimlassen, Betten gebe es nämlich auch, außerdem ein Badezimmer mit Dusche, Satellitenfernsehen, Kaffeemaschine und „alle anderen Annehmlichkeiten“. Das muss ein sehr großes Zelt sein, denke ich mir und habe unweigerlich die Modelle vor Augen, die Harry Potter und seine Freunde für gewöhnlich benutzen: Von außen sind sie mit ihrer normalen Größe unscheinbar, aber im Innern befindet sich eine komplett möblierte Wohnung.

Das Wort Glamping ist etymologisch leicht herzuleiten. Es ist eine Verschmelzung der Worte „glamourous“ und „camping“, bezeichnet also die luxuriöse Variante des Campings. Der Trend stammt aus den Vereinigten Staaten, fasste danach in Großbritannien Fuß und setzt sich nun auch in Kontinentaleuropa durch. In Deutschland gibt es mittlerweile ein Magazin namens „Glamping“ und verschiedene Websites wie www.glamping.info, www.selectcamp.de oder www.glamping-urlaub.de, die sich mit dem Thema beschäftigen.

45830872 Statt Schlafsack gibt es im Luxuszelt gemütliche Doppelbetten, Etagenbetten für die Kinder und sogar ein Maisonettebett. © Camping Adriatic by Valamar Bilderstrecke 

Die Entscheidung, ohne Schlafsack nach Kroatien zu fahren, erweist sich als richtig. Das Zelt im Glamping-Dorf des Campingplatzes Lanterna an der Westküste der istrischen Halbinsel, sechs Kilometer von der Stadt Poreč entfernt, verdient seinen Namen eigentlich nur aufgrund seiner Form und des Stoffs, aus dem die ockerfarbenen Wände gemacht sind. Wäre der nicht, wähnte man sich in einem Hotelzimmer oder einer Ferienwohnung. Das Zelt steht auf einem Holzpodest und hat eine überdachte Veranda mit Loungemöbeln und Dielenfußboden. Im Innern befindet sich alles, was im Internet versprochen wurde, und noch mehr: das Badezimmer mit Toilette, Dusche und Waschbecken, die Küche mit hochwertigem Geschirr, Mikrowelle, Kaffeemaschine, großer Arbeitsfläche, Cerankochfeld und Gasherd, der einem in dieser Umgebung fast schon steinzeitlich vorkommt. In einem weiteren Raum gibt es zwei Etagenbetten, das große, bequeme Doppelbett steht in einer Nische im Hauptraum, die mit einem Vorhang abgetrennt werden kann. Ein Fernseher hängt an der Wand, all das auf neun mal vier Metern. Damit könnte man sich auf dem Zeltplatz jeder Quidditch-Weltmeisterschaft sehen lassen.

Die Schnittstelle zwischen Wohnwägen und gewöhnlichen Zelten

Die Glamping-Anlage wurde nach einer Testphase 2014 zunächst mit sieben Zelten gebaut, im vergangenen Jahr wurde die Zahl verdoppelt. Mit den dreizehn Nachbarparteien im Glamping-Dorf teile ich mir einen dreieckigen Pool und einen eigenen, kleinen Strandabschnitt mit Liegestühlen und Sonnenschirmen an der Tarska-Vala-Bucht. Abends beim Sonnenuntergang trifft sich die Glamping-Gemeinde am Pool, um Selfies zu schießen. Eine Nachbarin kommt aus Friaul, hat im Internet von den Glamping-Zelten in Kroatien gelesen und wollte das Ganze einmal ausprobieren. „Bei uns in Italien gibt es das auch auf einigen Campingplätzen an der Adria oder am Gardasee, aber hier ist es günstiger“, sagt sie. Und wie findet sie das Luxus-Camping? „Bellissimo. Ich würde wieder kommen.“ Andere Nachbarn kommen aus Gießen. Auch sie sind hellauf begeistert, nur die Preise zur Hauptsaison im Juli und August finden sie zu hoch. „Für dreitausendzweihundert Kuna, umgerechnet knapp vierhundertdreißig Euro, bekommen wir auch eine Ferienwohnung mit meinem eigenen Pool“, sagen sie.

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