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Veröffentlicht: 21.02.2017, 13:35 Uhr

Interview mit Ramin Djawadi „Ins Epizentrum der Filmmusik kam ich über Umwege“

Der Duisburger Ramin Djawadi hat den Soundtrack zur Serie „Game of Thrones“ geschrieben. Im Interview spricht er über seinen Weg und die „irre Macht“ der Filmmusik.

von Florian Siebeck
© Invision Ramin Djawadi wurde als Sohn eines Iraners und einer Deutschen in Duisburg geboren. Ausschlaggebend für die Berufswahl waren „Die glorreichen Sieben“.

Herr Djawadi, ich bin kein Serienjunkie. Seltsamerweise haben Sie die Musik komponiert für die wenigen Serien, die ich tatsächlich gesehen habe: „Prison Break“, „Game of Thrones“ und „Westworld“. Das kann kein Zufall sein.

Auf jeden Fall ist es ein gutes Omen. Zugegeben: Ich gucke auch keine Serien.

Das überrascht mich nun doch.

Obwohl, vergangenes Jahr habe ich mit „Breaking Bad„ angefangen. Ich bin wohl der Letzte, der das guckt. Ich würde gern mehr Filme und Serien sehen, aber bei zwei Kindern und dem Job bleibt dafür kaum Zeit.

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Sie wurden 1974 in Duisburg geboren. Heute leben Sie in Los Angeles und komponieren die Musik für die besten Serien der Welt. Wie haben Sie das geschafft?

Meine Eltern haben mein musikalisches Talent früh entdeckt. Mit vier Jahren habe ich am Klavier meiner Großeltern Melodien nachgespielt. Meine Eltern hielten es für eine gute Idee, mir Unterricht zu geben - im Orgelspiel. Richtig ernst wurde es erst, als ich mit 13 Jahren anfing, Gitarre in einer Band zu spielen. Ausschlaggebend für meine Berufswahl war der Film „Die glorreichen Sieben“. Als ich die Musik von Elmer Bernstein hörte, war mir klar: Ich möchte Filmkomponist werden. Nicht zuletzt, weil ich kein Händchen für Songtexte habe. Nach dem Gymnasium habe ich Musik am Berklee College in Boston studiert.

Lena Heady © Picture-Alliance Vergrößern Mit Musik sieht das noch besser aus: Lena Heady in einer Szene aus „Game of Thrones“.

Und wie sind Sie nach Hollywood gekommen?

Mein Plan war immer, in Los Angeles Fuß zu fassen. Aber ins Epizentrum der Filmmusik kam ich nur über Umwege. In Köln gibt es den tollen Musikladen „Ulis Musik„. Da habe ich schon als Kind meine Gitarren gekauft. Wenn ich es Weihnachten nach Deutschland schaffe, dann treffe ich den Besitzer. Als ich ihm 1999 von meinen Plänen erzählte, sagte er, er kenne über drei Ecken den Filmkomponisten Hans Zimmer. Ich habe dann meine Sachen in Boston gepackt und bei Zimmers Produktionsfirma „Remote Control“ als Assistent angeheuert. Die Studios sind ja mittlerweile so komplex, da braucht man jemanden, der sich nur um die Technik kümmert. Besser hätte es nicht laufen können, weil die Arbeit des Filmkomponisten eigentlich unmöglich zu erlernen ist. Man erwartet, dass man fürs Bild schreiben kann, aber wie soll man das ohne ein Projekt lernen? In dieser Zeit wurde auch mein Durchhaltevermögen auf die Probe gestellt. Die Deadlines sind so hart, dass ich am Ende nachts im Studio geschlafen habe. Ich durfte aber auch mitschreiben, zum Beispiel an „Fluch der Karibik“, „Was das Herz begehrt“ und „Thunderbirds“.

Hans Zimmer hat dieser Zeitung mal gesagt, durch sein Lebenswerk ziehe sich Verunsicherung. Bei Ihnen auch?

Die Verunsicherung ist immer da. Im Laufe der Jahre habe ich meinen eigenen Stil entwickelt und mich selbständig gemacht. Aber ich miete noch heute mein Studio bei Hans im Gebäude, weil ich die Atmosphäre so mag. Manchmal laufe ich durch den Gang und grüble, und dann treffe ich Hans, dem es genauso geht.

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Wir unterstützen uns gegenseitig. Unsicherheit ist ganz normal. Bis zum Ende feile ich an Kleinigkeiten. Wenn Zeit ist, versuche ich, noch einmal eine Nacht drüber zu schlafen. Oder ich frage meine Frau, die früher Musikchefin bei Dreamworks war und ein gutes Korrektiv ist. Sie ist jetzt meine Managerin.

Mehr als für Filme schreiben Sie heute für Videospiele und Fernsehserien. Wie viel Zeit haben Sie, zum Beispiel, für eine Staffel „Game of Thrones“?

Meistens fange ich erst an, wenn die Staffel schon fast fertig gedreht ist, außer bei „Westworld“, da durfte ich als einer der ersten das Skript lesen, weil ich mit Jonathan Nolan befreundet bin. Bei „Prison Break“ gab man mir pro Folge eine Woche. Bei „Game of Thrones“ gibt es mehrere Folgen im Pack, und ich habe jeweils drei bis vier Wochen Zeit. Ich bin damals direkt eingestiegen, weil wir nur noch fünf Wochen bis zur Premiere hatten; weder Bücher noch Drehbücher hatte ich gelesen. Mittlerweile reicht es mir, wenn mir die Macher vorher sagen, was in der nächsten Staffel ganz grob passiert.

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