http://www.faz.net/-hrx-8wqca
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 19.04.2017, 11:56 Uhr

Narzissen Die Frühlingsbotin

Schon die alten Griechen wussten: Frühlingszeit und Narzissenblüten gehören einfach zusammen. Am Niederrhein haben nun zwei Gärtner ein Paradies in Gelb geschaffen.

von Christa Hasselhorst
© Marion Nickig Eine Narzisse kommt selten allein: Dicht an dicht gepflanzt wirken die Blumen besonders imposant.

Dieser Anblick ist atemberaubend: Ein wogendes Meer von Narzissen überwältigt den Besucher, Hunderte, dicht an dicht gepflanzt, und doch wirken die hellgelb leuchtenden Frühlingsboten federleicht wie eine Wolke. Sie spiegeln sich anmutig in einem ovalen, leicht tiefer liegenden Teich. So verdoppelt die Wasserfläche die zarten Kelche der Blumen, zeigt den Himmel und die fast noch kahlen Kronen umliegender Bäume. Der Namensgeber aus der griechischen Mythologie, der krankhaft selbstverliebte Jüngling Narkissos, wäre entzückt. Schöner kann Frühling kaum sein als zur Narzissenblüte im Garten von Manfred Lucenz und Klaus Bender. „Erst Narzissen verkünden den Frühling“, sind sich die zwei passionierten Gärtner einig.

Mehr zum Thema

Sie wurden in über 30 Jahren von leidenschaftlichen Amateuren zu grünen Profis. Ihr 4000 Quadratmeter großes Paradies liegt am Niederrhein nahe Kleve, Holland ist gleich um die Ecke. Verschiedene Bereiche gliedern ihren Garten rund um das Haus, im Frühling ist der „Wiesenteich“ samt Narzissenblüte der absolute Höhepunkt. Der blühende Rahmen um die Wasserfläche besteht aus nur zwei Sorten. Debütantin ist ’Ice Follies‘, mit gelblich-weißer, großer Krone und cremefarbenem Rand. Ihre Nachfolgerin ist ’Carlton‘ in leuchtend zartem Gelb mit gekräuselter Trompete. „Wir haben 1988 rund um den Teich 1000 Knollen in die Erde gebracht und mussten noch nie nachpflanzen.“ Im Gegenteil, die Narzissen vermehrten sich fröhlich. Denn welch‘ ein Segen: Wühlmäuse meiden Narzissen-Knollen, da sie leicht giftig sind.

Die Gelbe Narzisse ist ein Klassiker

Daher verstreute das in Narzissen vernarrte Duo seine Frühlings-Favoritin auch an anderen Stellen. Besonders verschwenderisch auf der Obstwiese: „Hier wächst unter den Obstbäumen raues Gras mit wenigen Wiesenblumen. Wir pflanzten nur ’February Gold‘, eine frühe Sorte, die ab März blüht und Anfang April verblüht ist“, erzählen die beiden Gärtner. Oberhalb der flachen Böschung erhebt sich darüber in üppigen Wolken ein goldgelb schimmernder Streifen von Narcissus pseudonarcissus. Die Gelbe Narzisse ist ein Klassiker, besser bekannt als Osterglocke. Ende Mai wird die Wiese einmal per Motorsense gemäht und bis zum Herbst mit dem Rasenmäher kurz gehalten.

Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

So schön einfach ist es mit dem Narzissen-Rausch um den Teich nicht. Narzissen haben – wie Tulpen – bei allem Reiz einen Nachteil: das welkende Laub nach der Blüte. „Es muss auswachsen und verwelken dürfen. Wird es zu früh abgeschnitten, beeinträchtigt das die Blüte für das nächste Jahr erheblich, macht sie vielleicht gar unmöglich.“ Also bedarf es gestalterischer Kunst: „Man muss schon ein Konzept haben, wie man dieses Laub sechs Wochen lang erträgt“, sagt Manfred Lucenz und lacht. Lange hat er mit seinem Partner experimentiert, heute kaschiert und integriert eine Abfolge folgender Pflanzen das welke Narzissenlaub: zunächst Prärielilien (Camassia) mit anmutig hohen Blütenstielen, passende Gefährten auch in Blau sind Berg-Flockenblumen (Centaurea Montana). Dann betört eine Liaison von Sibirischen Schwertlilien (Iris sibirica), Silberblatt (Lunaria), Nachtviole (Hesperis) und Akelei (Aquilegia). „Schon zehn Tage nach der Narzissenblüte ergibt sich so ein völlig anderes Bild.“

 
Die Frühlingsbotin: Am Niederrhein haben nun zwei Gärtner ein Paradies in Gelb geschaffen.

Das Gärtner-Paar hat zwar geschätzt 10.000 Narzissen in seinem Garten, beschränkt sich jedoch wohlweislich auf nur rund ein Dutzend Sorten. Narzissen müssen in Massen gepflanzt werden, damit dieser Wow-Effekt entsteht. „Wenn man Platz hat, sollte man eine einzige Sorte großflächig pflanzen. Mindestens 150 Quadratmeter Fläche pro Sorte“, raten die Narzissenliebhaber. „Zu viele Sorten zusammen wirken sehr unruhig und mindern die Wirkung.“ Ob kleine oder große Flächen, eine oder mehrere Sorten – soll die Pracht wiederkommen, muss man Hand anlegen: „Nach der Blüte müssen die Samenkapseln abgeschnitten werden, damit die Kraft in die Knolle geht.“ Und nicht zu vergessen: „Gegen Ende der Blütezeit brauchen Narzissen Dünger, wir empfehlen stickstoffreduzierten Volldünger in geringer Dosis.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite