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Zum Tode von Helmut Thieltges : Er machte sich selbst groß

Helmut Thieltges: Für massenwirksames Spektakel war er sich zu schade, er perfektionierte lieber seine Gerichte. Bild: Kai Nedden

Helmut Thieltges hat achtzehn Mal nacheinander drei Sterne vom Guide Michelin bekommen. Sein Restaurant „Sonnora“ liegt in der Provinz, am Rand der Eifel – das Publikum kochte er sich herbei. Nun ist der Koch-Großmeister gestorben.

          In diesem Jahr wurde Helmut Thieltges als Koch-Großmeister volljährig: Zum achtzehnten Mal in Folge bekam er vom Guide Michelin drei Sterne. Niemand sonst in Deutschland außer Harald Wohlfahrt hat das geschafft. Und Thieltges kochte in der Provinz, sein Restaurant „Sonnora“ liegt in der Ortschaft Dreis, am Rand der Eifel, als nächstgrößere Stadt ist Trier schon 35 Kilometer entfernt – eine andere Situation als im Schwarzwald-Kurort Baiersbronn, wo Wohlfahrt auf etablierte Gästekultur setzen konnte.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Thieltges kochte sich sein Publikum erst herbei: mit einer Küche, die sich ihre Höchstnoten nicht durch Originalität, sondern durch Qualität verdiente. Wer ins „Sonnora“ ging, der wusste, dass er vor allem Produkte zu erwarten hatte, die aus der näheren Umgebung kamen – lange, bevor der Begriff „Nova-Regio“ in Mode kam. Lieblingsmetier des 1955 in Dreis geborenen Thieltges – den Heimatort verließ er nur für die Lehrjahre – bleib die französisch geprägte Klassik. Als er mit 23 Jahren das familieneigene Hotel „Sonnora“ übernahm, dauerte es nur vier Jahre bis zum ersten, dann aber sieben und acht Jahre bis zum zweiten und dritten – viel länger, als heute meist üblich. Denn er, der nie selbst unter einem Dreisterne-Chef gearbeitet hatte, erkochte sich seine Weltreputation im Alleingang.

          Diese Sonderrolle kultivierte Thieltges. Für massenwirksames Spektakel war er sich zu schade, er perfektionierte lieber seine Gerichte. Seine Wildzubereitungen etwa waren Wunder an Raffinement, gerade weil er es verstand, den spezifischen Geschmack in den Mittelpunkt einer eben nicht überbordenden Aromenvielfalt zu stellen. Das er zuvor bei den Vorspeisen diesbezüglich alle Register gezogen hatte und in den Tiefen des deutschen Waldes auch mal eine Meeresspinne kulinarisch heimisch machte, ließ derartigen Purismus umso besser zur Geltung kommen.

          Wann immer man bei ihm aß, war man im besten Sinne daheim, auch des lockeren Services wegen. Doch nun ist der Hausvater gestorben, nach kurzer schwerer Krankheit mit nur 61 Jahren. Deutschland hat trotzdem einen Altmeister verloren.

          Quelle: F.A.Z.

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