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Weißweine : Ja, es ist Saar!

Bäumchen der Erkenntnis: Die Trauben in der Lage „Saarburger Rausch“ stehen kurz vor der Ernte. Bild: Röth, Frank

Der Riesling aus dem äußersten Westen Deutschlands muss keinen Vergleich scheuen – obwohl es in dieser Gegend oft rau zugeht.

          Wie gemalt ruht das Gutshaus aus hellem Stein über dem Grün des denkmalgeschützten Parks, der von einem naturbelassenen Arm der Saar gesäumt ist. Hinter dem klassizistischen Bau, nur durch die Bahnstrecke Trier-Saarbrücken getrennt, erhebt sich einer der imposantesten Weinberge weit und breit. Wie auf den Lithographien aus dem 18. Jahrhundert, die in den Fluren des Gutshauses hängen, ragt die Südflanke des Berges noch immer als rebpfahlgespickte Wand in schwindelerregende Höhen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          „Altenberg“ ist auf dem puristisch anmutenden Etikett der Flaschen zu lesen, aus denen sich an diesem kühlen Spätsommer-Wochenende in Hunderte, wenn nicht Tausende Gläser der Riesling des neuen Jahrgangs 2012 ergießt. Und, in unübersehbarem Rot, ein O, das von etwas gekrönt ist, das wie ein tschechischer Hácek aussieht. Nein, das ist nicht das Kult-Weingut des als „Rebenflüsterer“ apostrophierten Bitburger-Erben Roman „Niewo“ Niewodniczanski; das verbirgt sich hinter dem schönen niederrheinischen Namen van Volxem und liegt im Nachbarort Wiltingen. Das O mit kleinem v soll eine andere Geschichte symbolisieren. Es steht für das Weingut von Othegraven in Kanzem, das seit drei Jahren dem aus Funk und Fernsehen bekannten Günter Jauch und seiner Frau Thea Sihler gehört.

          Der „Scharzhofberger“ war nur mit Gold aufzuwiegen

          Ist es also so weit gekommen mit dem Weinbau an der Saar, dass sich Promis und Biererben traditionsreiche Weingüter wie Trophäen an ihr schillerndes Revers heften? Dem Anschein nach schon. In Frankreich, Italien und Amerika gehört es längst zum guten Ton, dass sich Schauspieler wie Gérard Dépardieu, Musiker wie Bob Dylan oder Aussteiger aus der Investment-Branche mit eigenen Weinen brüsten.

          Doch was sollte der Hype in Deutschland, wo Riesling vorzugsweise in Literflaschen zu 2,49 Euro über die Scannerkassen von Aldi, Lidl und Co. gezogen wird und Namen wie Silvaner oder Müller-Thurgau allenfalls ein pinotgridschiohaftes Mitleids lächeln hervorrufen? Und dann noch im äußersten Westen Deutschlands, am Unterlauf der Saar, wo es eher so rauh zugeht wie in den Ardennen als so romantisch wie am Rhein oder so bukolisch wie in der Pfalz. Die Antwort auf diese Fragen sind die Weine selbst. Und Menschen, die auf so unspektakuläre Namen hören wie Egon Müller und Christian Ebert oder Hanno Zilliken mit Frau Ruth und Tochter Dorothea.

          Egon Müller, der vierte dieses Namens, baut auf seinem Weingut zartherbe Frucht und schieferige Mineralität aus.

          Egon Müller also, der vierte dieses Namens (der fünfte ist schon geboren): Vor gut 200 Jahren hat sich das Mysterium des blauschimmernden Schiefers in die Gene seiner Vorfahren eingeschrieben. Ein Benediktiner, der das zu Füßen des Scharzberges gelegene Weingut seines Trierer Klosters bewirtschaftete, ehelichte eine Nonne und machte als Vater vieler Kinder dort weiter, wo er als Mönch aufgehört hatte. Rund 100 Jahre später, auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1900, machte die Nachricht die Runde, dass Müllers „Scharzhofberger“ nicht nur fast, sondern wirklich mit Gold aufgewogen wurde. Ein Fuder, ein Holzfass mit rund 960 Litern Inhalt und in den nicht unbedingt neuerungssüchtigen Tälern der Mosel und ihrer Nebenflüsse noch heute die Maßeinheit für Wein schlechthin, wechselte für 10.000 Goldmark den Besitzer.

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