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Weinprobe mit Riccardo Ricci Curbastro : „Weinstöcke müssen leiden“

  • Aktualisiert am

„Wein ist in erster Linie Emotion, es ist wie mit einem Gemälde“: Winzer Riccardo Ricci Curbastro bei der Verkostung im Rheingau. Bild: Frank Röth

Der italienische Winzer Riccardo Ricci Curbastro ist einer der Pioniere des Schaumwein-Gebietes Franciacorta in der Lombardei; seine Spumantes gehören zu den bekanntesten Italiens. Wir trinken mit ihm Schaumweine aus aller Welt – und natürlich Champagner.

          Herr Curbastro, vielleicht sollte ich Sie das nicht fragen, aber mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal Champagner getrunken?

          Letzte Woche. Ich habe nichts gegen Champagner.

          Umso besser, dann können wir ja auch gleich mit einem Gläschen von der Konkurrenz beginnen.

          Von mir aus gern (lacht). Wissen Sie, als Weinmacher muss man neugierig sein und bleiben. Das ist die Grundlage des Erfolgs. Und darum probiere ich alles - sogar Champagner.

          Wie finden Sie diesen?

          Ein Blanc de Blanc, wenn ich mich nicht irre.

          Ja, von Jacquart. Ein typischer Champagner?

          Schwer zu sagen, was ist schon ein typischer Champagner? Auf jeden Fall ist er leicht als ein Jacquart zu erkennen. Denn dieses Haus hat einen ganz eigenen, charakteristischen Stil.

          Ist das ein Vorteil für einen Wein oder Schaumwein?

          Wein ist in erster Linie eine Emotion. Es ist wie mit einem Gemälde: Wenn Sie beim Betrachten nichts empfinden, werden Sie das Bild auch nicht in Erinnerung behalten. Und genauso ist es mit Wein. Was zählt, sind nicht nur die Trauben und der Weinberg und der Jahrgang, sondern auch Ihre eigene Interpretation des Weins, während Sie ihn trinken. Zwei Künstler malen möglicherweise mit den gleichen Farben, ihre Bilder werden aber immer unterschiedlich sein. Beim Wein ist es nicht anders, und darum ist ein persönlicher Stil so wichtig. Der Kunde muss meine Weine wiedererkennen können, sonst kauft er sie nicht wieder.

          Und wie würden Sie den Charakter dieses Champagners beschreiben?

          Er hat eine sehr gute Balance und Finesse. Kein leichter Tropfen, aber auch kein Muskelprotz wie so viele andere. Ein sehr eleganter Champagner.

          Warum gilt allgemein Champagner noch immer als die Verkörperung von Eleganz und Luxus?

          Reines Marketing. Die Champagner-Produzenten haben dieses Image bewusst geschaffen. Schauen Sie: Die Deutschen bauen gute Autos, wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß. Aber die Art und Weise, wie die Franzosen ihre mitunter schlimmen Wagen vermarkten, ist schon erstaunlich. Niemand macht das so clever wie die Franzosen. Und so ist es auch beim Champagner, der schon immer als das Getränk der Kaiser, Könige und Zaren vermarktet wurde. Kein Mensch spricht darüber, dass es im Grunde die Engländer waren, die den Champagner groß gemacht haben, weil vor allem sie ihn gekauft, verkauft und getrunken haben - genau wie später bis zur Oktoberrevolution die Russen. Aber was bis heute zählt, ist das Image der Tradition und der Exklusivität.

          Exklusiv sind Ihre Schaumweine aus der Franciacorta auch. Aber wie sieht es mit der Tradition aus?

          Die Geschichte reicht tatsächlich bis in die Renaissance zurück, als überall in Europa der Schaumwein wiederentdeckt wurde. Ich sage „wiederentdeckt“, weil schon die Römer perlende Weine getrunken haben. Auf jeden Fall kamen Schaumweine in der Renaissance schwer in Mode, obwohl die Menschen gar nicht verstanden, wie diese Tropfen überhaupt entstanden, denn Hefe und Kohlensäure waren noch unbekannt. Deshalb umgab die Schaumweine eine Aura des Rätselhaften, des Wunderbaren. Es gibt zwei Bücher von 1570 und 1620, in denen von Schaumwein aus der Franciacorta die Rede ist. Aber der wurde von den Winzern nicht an Kaiser und Könige geliefert, sondern stets in der Familie getrunken. Auch in meiner Familie, die dort seit dem 12. Jahrhundert ansässig ist.

          Und darum kannte außerhalb der Region niemand diese Tropfen.

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