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Weine aus Amerika : Gruß aus der neuen Welt

  • -Aktualisiert am

Überzeugte unseren Experten im Geschmack: eine neue Wein-Generation aus Amerika Bild: FAS

Auch Amerika hat gute Weine, weiß unser Kolumnist und Kritiker Stuart Pigott. Vor allem der Riesling hat qualitativ einen großen Sprung gemacht. Hier eine Auswahl.

          Dass Amerika der sechstgrößte Weinerzeuger der Welt ist, hat sich unter deutschen Weinfreunden längst herumgesprochen. Wer aber hätte gedacht, dass die Vereinigten Staaten inzwischen auch Weinkonsumland Nummer eins sind? Diese neue Welt des Weins hat 2013 in puncto Verbrauch selbst Frankreich hinter sich gelassen. Diese immense Entwicklung Amerikas ist noch wenig bemerkt worden.

          Trotzdem werden amerikanische Weine immer noch von vielen deutschen Konsumenten belächelt. Nach wie vor hält man sie für ein süßlich breites Gesöff, erzeugt mit einem Übermaß an Technik. Hinter diesem Bild lauert oft ein gewisser Antiamerikanismus, nicht selten in Verbindung mit der Vorstellung, die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten bestehe ausnahmslos aus geschmacklosen Kulturbanausen. Aber es gibt daneben einen anderen Trend: So mancher in der deutschen Weinszene blickt neidvoll auf den Erfolg einzelner amerikanischer Winzer. Seit Mitte der neunziger Jahre gilt Screaming Eagle, ein Kult-Wein aus Napa Valley, Kalifornien, als einer der teuersten Weine der Welt. Beim Preisvergleichsportal Wine-Searcher.com ist er durchschnittlich mit sagenhaften 2877 Dollar pro Flasche vermerkt.

          Worüber so gut wie gar nicht diskutiert wird, ist die radikale Weise, wie manche Winzer in den Vereinigten Staaten gegenwärtig den amerikanischen Wein komplett neu erfinden. Seit einigen Jahren wendet man sich dabei ganz bewusst von üppigen Weinen mit wenig Säure und übermäßigen Alkoholwerten ab. Jetzt sind Frische in Duft und Geschmack sowie moderater Alkohol angesagt.

          Unmöglich angesichts des heißen Klimas? Das behaupten einige Experten, und doch klappt es – auch zum Entsetzen einiger älterer Mitglieder der amerikanischen Weinbranche. An ihrer Spitze steht Kritiker-Legende Robert Parker. Kenner wie er halten die neuen Weine für Unsinn und beschreiben sie ausnahmslos als dünn und unreif. Die jungen Revoluzzer spornt das nur an, und ihre Haltung lässt sich durchaus mit einem Spruch aus Clint Eastwoods Film „Dirty Harry“ beschreiben: „Go ahead, make my day!“

          Qualitativ hochwertige Riesling-Weine aus Amerika

          Diese neue Winzerbewegung ist besonders stark in Kalifornien, wo der alte fettleibige Weinstil am heftigsten übertrieben wurde. Ganz vorne steht dabei Rajat Parr, Gastronom in San Francisco, der unter dem Etikett Domaine de la Côte in Lompoc, Santa Barbara County, auch beachtliche Weine im neuen Stil erzeugt. Zusammen mit Jasmine Hirsch, der jungen Chefin von Hirsch Vineyards an der Küste von Sonoma County, hat er die Vereinigung „In Pursuit of Balance“ (IPOB) gegründet: auf der Suche nach einer stimmigen Balance. In Jon Bonné hat IPOB einen begabten Ideologen gefunden; dessen Buch „The New Californian Wine“ aus dem Jahr 2013 ist zu ihrem Manifest geworden.

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          Zugegeben, IPOB umweht einerseits ein Hauch von Sektentum. Andererseits schmecken manche dieser Weine, wie die Pinot-Noir-Rotweine von Jamie Kutch, einem New Yorker, der von der Wall Street nach Sonoma County geflohen ist, nicht nur anders, sondern wirklich genial. Leider sind seine schlanken, duftigen Rotweine noch nicht in Deutschland erhältlich, aber zumindest über den englischen Online-Weinhändler www.robersonwine.com zu erwerben. Andere der neuen amerikanischen Weine haben es aber bereits zu uns geschafft.

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