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Weihnachtsessen weltweit : Am Anfang war der Panettone

Weihnachten in Brasilien findet unter Palmen statt. Bild: Jan Bazing

Kein Glühwein, dafür Bier: Das Weihnachtsessen in Brasilien fällt auf dem amerikanischen Subkontinent in den Sommer. Hat der Christstollen trotzdem den Sprung geschafft?

          Wenn in Brasilien bei den Bäckern und in den Supermärkten der Panettone ankommt, hat die Vorweihnachtszeit begonnen. Das geschieht im Oktober, kurz nach Beginn des Frühlings. Bis zum Advent wird es dann im ganzen Land warm, und an Weihnachten brütet vor allem der Nordosten Brasiliens in tropischer Sommerhitze.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Wintergebäck Panettone, das italienische Einwanderer Ende des 19. Jahrhunderts mit nach Brasilien brachten, will nicht recht in den brasilianischen Sommer passen. Der schwere Christstollen, den Immigranten aus Deutschland in Brasilien einführten, noch viel weniger. Die Italiener wie die Deutschen siedelten sich im Süden Brasiliens an, wo das gemäßigte Klima jenem in ihrer europäischen Heimat ähnelt - nur dass eben die Abfolge der Jahreszeiten auf dem Kopf steht.

          Dem Panettone gelang vom Süden Brasiliens aus ein Siegeszug durch das gesamte Land: Überall gibt es in Brasilien von Oktober an Panettone. Der Christstollen hat dagegen den Sprung aus dem Süden nicht wirklich geschafft. In Santa Catarina gehört er zum Advent und zum Christfest. Wer aber zum Beispiel in Manaus in Amazonien zu Weihnachten Appetit auf einen Dresdner Stollen hat, wird dort kein Glück haben.

          Weihnachten unter Palmen

          Das traditionelle Weihnachtsmenü der Brasilianer zeugt von den vielen Einflüssen auf die Küche und damit zugleich von der ethnischen Vielfalt des Landes. Die Ceia de Natal (das Weihnachtsessen) gibt es an Heiligabend entweder vor oder nach der Mitternachtsmesse. In den Gebieten an der Atlantikküste und im Nordosten sind die frittierten Bolinhos de Bacalhau (Stockfisch-Bällchen) unentbehrlicher Bestandteil des Weihnachtsmahls. Den Bacalhau brachten die portugiesischen Kolonialherren Anfang des 16. Jahrhunderts nach Brasilien. Ebenso wie die Rabanada (Arme Ritter), die an Heiligabend als Nachtisch serviert wird: Das Weißbrot vom Vortag wird in Milch und Ei getaucht, in der Pfanne geröstet und sodann dick mit Zimt und vor allem Zucker bestreut.

          Der gebackene Truthahn gehört in allen Teilen Brasiliens zum Familienmahl an Heiligabend. Er wird mit tropischen Früchten wie Ananas, Carambola, Goiaba und Maracujá zubereitet, auch Paranüsse gehören dazu. Als Beilagen werden Reis, Kartoffelsalat mit Äpfeln und Rosinen sowie der mit viel Knoblauch schmackhaft gemachte brasilianische Grünkohl Couve Mineira gereicht. Die aus Maniokmehl zubereitete Farofa, für die es so viele Variationen wie Köche gibt, darf auch nicht fehlen. Statt der Pute - oder mitunter sogar zusätzlich zum Geflügel - kann es als Fleischgericht auch eine deftige Schweinshaxe oder einen gebackenen Schinken geben.

          Hatten wir schon erwähnt, dass es an Weihnachten in Brasilien Sommer ist? Die Feste mithin in die Sommerferien, also in die Strandferien fallen? Damit ist die Frage beantwortet, was die Brasilianer zu Weihnachten trinken. Nämlich das, was sie am Strand trinken: Bier, noch mehr Bier und Caipirinha. Glühwein und Punsch passen einfach nicht zur Feier des Christkinds unter Palmen.

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