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Dosenravioli : Die Fasson der zarten Teigtasche

  • -Aktualisiert am

Bild: Andreas Pein

Sie sind die Rettung manches armen Studenten – und für viele Kinder das Essen der Wahl: Dosenravioli. Doch was taugen sie? Ein Test.

          Jahr für Jahr erreicht der Absatz von Dosenravioli hierzulande gigantische Ausmaße; allein Maggi bringt 28 Millionen Dosen unters Volk. Seit 1958 stehen die Dosen im Vorratsschrank, jederzeit bereit, nach kurzer Aufwärmphase einen Engpass zu überwinden. Wie „Miracoli“ und „Nutella“ verkörpern sie einen spezifisch deutschen Zugang zu Italien, der sich den meisten bereits in der Kindheit öffnet.

          Frühe Nahrungserinnerungen stellen sich ein, solange man auf das Etikett schaut. Sobald der Dosenöffner sein Werk getan hat, sagt einem schon die Nase, dass der Geschmack von damals wohl nicht wiederkehren wird. Gewissheit kommt dann gleich mit dem ersten jener Ravioli, die man nach langer Abstinenz zu sich nimmt. Alles, was diese Ravioli oder besser Nudelkissen italienischer Art einmal ausgemacht haben, ist wie weggeblasen: der feste Teig, seine pralle Füllung, die satte Tomatensauce, deren Rezeptur noch aus einer Epoche stammt, in der sie nicht alltäglich war. Stattdessen eine rundherum fade Sache mit wenig Struktur. Vielleicht idealisiert das Gedächtnis, damit sich wichtige Dinge nicht in den Ereignissen des Tages verlieren.

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          Was einem nicht so leicht aus dem Sinn kommt, sind die zahlreichen Anlässe, die einen zur Dose greifen lassen. Konservierte Ravioli gehören zur Grundausrüstung von Campern und Lagerfeuer-Romantikern, sind vertraute Begleiter auf ersten Reisen in die Ferne und die Rettung manches armen Auszubildenden, manches Studenten und Rentners. Womöglich aber imponiert auch das Vermögen einer im Grunde überlebten Idee, mitten in einer gewaltigen Landschaft aus Nahrungsmittel von allen Kontinenten zu überleben. Zudem bleibt es für den Laien ein Wunder, dass zarte Teigtaschen in wässriger Tunke über Jahre hinweg ihre Fasson behalten können.

          Emiliano Settimi und Guido Vinci kam unser Ansinnen, mit ihnen Dosenravioli zu testen, zunächst befremdlich vor. Settimi ist Betreiber des Berliner „Prometeo“, dessen Pizzen denen der berühmten „L’Antica Pizzeria Da Michele“ in Neapel erfreulich nahe kommen; Vinci Chefkoch des hoch geschätzten „Il Pane e le Rose“ am Volkspark Friedrichshain. Dass der Testverlauf die beiden in ihrer eigenen gastronomischen Sendung bestärkte, dürfte keine große Überraschung sein. Vorauszusehen war jedoch nicht, dass die Experten nun etwas milder über die kulinarischen Sitten der Deutschen urteilen. (Den Test finden Sie in der Bilderstrecke.)

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