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Vegan essen : Ein gutes Gewissen hat seinen Preis

  • -Aktualisiert am

Voll von Aromastoffen und Geschmacksverstärkern

Mit seinem Hang zu veganen Fertigprodukten ist er in guter Gesellschaft: Der Umsatz mit Bratlingen, vegetarischen Grillschnecken, Seitan-Schnitzeln und Tofu-Würstchen hat sich zwischen 2008 und 2012 fast verdreifacht. Aus verständlichen Gründen: Sie sind schnell fertig, erfordern beim Kochen keine große Umstellung und liefern ausreichend Eiweiß - worauf vor allem Veganer achten müssen. Edith Gätjen, Ernährungswissenschaftlerin beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung und selbst Veganerin, ist von Convenience-Produkten trotzdem wenig begeistert, und das nicht nur wegen der Preise: „Fleischersatzprodukte aus Soja und Seitan sind meist hochverarbeitete Lebensmittel, deren Herstellung entsprechend große Mengen an Energie verbraucht. Zudem sind Zusatzstoffe Standard: Sojasahne zum Beispiel wird oft aromatisiert und auch noch zusätzlich gesüßt.“

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg sieht die Fleischalternativen eher kritisch: „Veganer sollten wissen, dass viele der Lebensmittel, die sie einkaufen, keine naturreinen Produkte sind.“ Die Hauptzutaten von veganen Fertigprodukten wie Tofu oder Seitan schmecken fad und müssen aufgepeppt werden. Oft sind Fleischalternativen deshalb vollgestopft mit Aromastoffen und Geschmacksverstärkern. Vor allem bei veganem Käse erinnern die Zutatenlisten mit all ihren Stabilisatoren, Aromen und Konservierungsmitteln eher an einen Chemiebaukasten als an ein Lebensmittel. Wer im Bioladen einkauft, ist im Vorteil: Von den mehr als 300 Zusatzstoffen, die EU-weit erlaubt sind, sind bei Bioprodukten rund 90 Prozent verboten - unter anderem Farbstoffe, Süßstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker.

Im Bioladen kauft auch Claudia Renner, 31, Sekretärin. Sie ernährt sich seit drei Jahren vegan und bloggt über ihre Erfahrungen unter dem Titel „Claudia Goes Vegan“. Statt auf teure Fleischimitate setzt sie auf frische Gemüseküche mit überwiegend regionalen und saisonalen Produkten. Zum Frühstück gibt es bei ihr meist einen Liter grünen Smoothie, mittags im Büro entweder Brot mit Pflanzenaufstrich und Rohkost oder einen großen Salat mit Hülsenfrüchten wie Kichererbsen, Bohnen oder Linsen als Eiweißspender. Abends kommen Hirse, Kartoffeln oder Quinoa mit Gemüse auf den Tisch.

Rezepte sind oft aufwendig

„Wer vegan lebt, kauft in der Regel auch bio“, erklärt Stephanie Stragies vom Vegetarierbund. Die Mehrheit der Veganer verzichte zwar in erster Linie aus Tierschutzgründen auf Fleisch, gleich an zweiter Stelle stünden jedoch ökologische Gründe, die auch für Bloggerin Claudia einen hohen Stellenwert haben. Der Gang in den Bioladen liegt also nahe, macht die vegane Ernährung aber auch wieder teurer. „Claudia Goes Vegan“-Bloggerin Renner gibt für Lebensmittel pro Monat etwa 240 Euro aus und damit fast so viel wie der Informatiker, der sich überwiegend mit Fertigprodukten ernährt.

Wer selbst kocht, gibt weniger Geld aus. Tatsächlich kochten diejenigen häufiger, die sich fleischfrei ernähren, weiß Food-Expertin Rützler. Einer, der vielen jungen Veganern das Kochen beigebracht hat, ist Attila Hildmann. Die Bücher des Vegan-Kochs finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Doch auch Hildmanns Rezepte enthalten häufig Zutaten, die ein knappes Haushaltsbudget ordentlich beuteln. Das hochwertige Cashewmus, das er zum Überbacken einsetzt, kostet mindestens sieben Euro pro Glas. Zudem ist die Zubereitung der Rezepte oft aufwendig. Die Kritik der Leser kam beim Verlag an: Im Dezember erscheint Hildmanns viertes großes Kochbuch - diesmal mit schnellen und preiswerten veganen Rezepten. Die Wartezeit überbrückt der kostenbewusste Veganer am besten mit selbstgemachten Grünkohl-Chips; Rezepte dafür gibt es im Internet.

Quelle: F.A.S.

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