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„Everything Doughnut“ : Von Zucchininudeln und Tiramuffins

  • -Aktualisiert am

Foodkarrieren sind, wenn Pasta aus Zucchinis entsteht. Bild: StockFood

Wer weiß, was der nächste Food-Hype im Internet werden wird? Sicher ist: Die Trends kommen als Extreme daher.

          Der Donut ist frisch frittiert, die Frischkäseglasur glänzt. Darauf kleben Mohn, Sesam, Kürbiskerne, Salz und Knoblauch. Ja, Knoblauch. Der „Everything Doughnut“ ist ein süß-salziger Hybrid voller Kohlenhydrate, Fett und Zucker. Er stammt aus einem kleinen Laden, dem „The Doughnut Project“ im New Yorker West Village. Und er hat die besten Chancen, zum nächsten Essenstrend zu werden, irgendwann womöglich auch auf unserer Seite des Atlantiks. Wer den Kringel ergattert, teilt ein Foto davon auf Instagram oder Twitter. Die Kalorien sollen hübsch aussehen, also fotografieren ihn die New Yorker im Pappkarton oder vor der Skyline. Ihre Follower belohnen sie dafür mit Herzen und Likes.

          Das Internet bestimmt, was zu einem Trend werden kann. Essen, das möglichst viele ungesunde Dinge vereint, hat gute Chancen, viral zu gehen, denn im Internet spaltet sich die Welt der Nahrungsmoden in zwei Hemisphären. Einerseits werden Rezepte gehypt, die nach dem Kalorienrekord jagen. Fotos und Videos von Kohlenhydratbomben werden von Essern und Nutzern auf Youtube, Facebook und Instagram tausendfach geliked und geteilt. Auf der anderen Seite hat im Netz das genaue Gegenteil Erfolg: alles, was möglichst leicht und gesund ist, schön und schlank macht. Dazwischen gibt es nichts.

          Als schickes, gesundes Knabbergebäck entdeckt

          So etwas wie die neuen Vitaminpillen sind die „Superfoods“; das Netz feiert fast jede Woche neue Wunderbeeren, Zauberkräuter und Supersamen, auch wir haben hier darüber schon berichtet. Wer auf Instagram nach dem Hashtag #superfood sucht, sieht sie alle aufgereiht. Dem Grünkohl bespielsweise, englisch „kale“, verhalf das Internet zu einer erstaunlichen zweiten Karriere. Hierzulande kannte man das Kreuzblütengewächs früher vor allem als deftige Beilage zu Pinkel, der Grützwurst, die besonders in Nordwestdeutschland beliebt ist. Aber da gab es auch Instagram noch nicht. Nun wird er als schickes, gesundes Knabbergebäck und heilsbringende Smoothie-Zutat entdeckt. Michelle Obama verteilte in der „Tonight Show“ Grünkohl-Chips, wie man sie inzwischen fast in jedem deutschen Supermarkt findet.

          Die Superfood-Charts sind in ständiger Bewegung: Auf Chiasamen (Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren!), Quinoa (Kalzium, Omega-3-Fettsäuren!) und Goji-Beeren (Aminosäuren, Vitamin A, B, C, E und Eisen!) folgten Spirulina-Algen (cholesterinstoffwechselverbessernd, krebsrisikosenkend!) und Acai-Beeren (Anti-Aging, Antioxidantien!). Nicht nur dem kanadischen Journalisten David Sax ist „Superfood“ ein mächtiges Marketing-Schlagwort. In seinem Buch „The Tastemakers“ beschreibt er, wie Essens-Trends entstehen – zum Beispiel, indem der Nutzen eines Lebensmittels durch die Wissenschaft tatsächlich oder scheinbar bestätigt wird. Selbst wenn sich die Wunderwirkung der Superfoods häufig nicht belegen lässt, wie Verbraucherschützer mahnen: Wer kurz vor Ladenschluss in den Supermarkt huscht oder ein schreiendes Kind im Einkaufswagen sitzen hat, ist froh über die Orientierungshilfe, was er in den Korb werfen soll, wenn er gesund leben möchte. „Superfood“ klingt nach dem Allheilmittel gegen alles; zumindest falsch machen kann man damit nicht viel.

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