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Sommerdrinks : Die Bowlenkiller

  • -Aktualisiert am

Bild: Anna Jockisch

Schluss mit der Getränke-Einfalt auf der Gartenparty: Fünf von Deutschlands besten Barkeepern haben uns ihre liebsten Sommerdrinks verraten. Bier, Wein und Schorle können einpacken.

          Der Tag war heiß, nun senkt sich langsam die Sonne, die flirrende Hitze wandelt sich in angenehme Wärme, die Apathie löst sich, das Leben kehrt zurück. Und mit den Lebensgeistern erwacht auch wieder der Appetit - und das Verlangen, etwas anderes zu trinken als Wasser oder Saftschorle. Was gibt es da Schöneres als ein Gartenfest?

          Was die dabei dargebotenen Speisen angeht, so liegt es in der Natur der Sache, dass sich gewisse Konventionen ausgebildet haben. Diese genügen vielleicht nicht immer höchsten kulinarischen Ansprüchen, aber auf eine Gartenparty geht man schließlich auch nicht in der Erwartung, ein sterneverdächtiges Menü serviert zu bekommen. Und so stehen in der Regel auf dem Büfett neben dem Grill die üblichen Klassiker aus einschlägigen Salaten, Buletten und kalter Suppe bereit. Seit sich jedoch herumgesprochen hat, dass Nudeln oder Kartoffeln zwecks Herstellung eines Salates nicht in Litern von Mayonnaise ersäuft werden müssen, können sogar diese kulinarischen Evergreens recht apart daherkommen.

          Etwas anders sieht es bei den Getränken aus. Auch hier hat das Primat des Praktischen ein festes Repertoire aus Bier, Wein und diversen Bowlen hervorgebracht. Das war im 19. Jahrhundert schon so, dito bei den flotten Feten der Nachkriegsjahrzehnte, und hat sich bis heute nicht geändert. Immerhin: Der Wein ist in den letzten Jahrzehnten deutlich trockener geworden, und in die Bowle kippt der polyglotte Bundesrepublikaner unserer Tage Prosecco statt „Söhnlein Brillant“. Von diesen kleinen Änderungen abgesehen, herrscht aber konservative Beharrlichkeit, die auch vor moderaten Veränderungen zurückschreckt: die gute Molle als Signum kulinarischer Glückseligkeit.

          Hochprozentige Aperitifcocktails sind fehl am Platz

          Das ist überaus bedauerlich und schreit nach Veränderung. Nichts gegen ein kühles Bier, einen guten Wein oder eine vernünftige Bowle, doch gerade Gartenfeste verlangen nach Getränken, die den Alltag vergessen lassen, die sich in die entspannte Atmosphäre unter freiem Himmel einfügen und die Stimmung einer lauen Sommernacht. Diese Atmosphäre verlangt nach Drinks, die überraschen, die Phantasie beflügeln und Sehnsüchte wecken. Doch nicht nur das. Der ideale Drink für eine Gartenparty verbindet deren Poesie mit der Bodenständigkeit der zumeist dargebrachten Speisen. Das ist keine geringere Herausforderung. Hinzu kommt, dass Cocktails, die man nach einem heißen Sommertag und dem Verzehr salziger oder scharfer Gerichte genießt, immer auch Durst löschen sollten. Kleine, hochprozentige Aperitifcocktails sind hier fehl am Platz und bergen die Gefahr, morgens etwas derangiert zwischen den Rosenstöcken der Gastgeber aufzuwachen.

          Wir haben deshalb fünf der führenden Bartender Deutschlands nach ihren Cocktailrezepten für eine Gartenparty gefragt.

          Klaus St. Rainer von der „Goldenen Bar“ in München und Volker Seibert aus der Kölner „Capri Lounge“ haben die beiden anspruchsvollsten Drinks zu unserer Rezeptsammlung beigesteuert. Rainer wurde zuletzt mit Preisen überhäuft; in der „Goldenen Bar“, zur „Bar des Jahres 2013“ gekürt, kennt die Innovationsfreude keine Grenzen, ohne ins Manierierte abzugleiten. Seibert ist einer der kreativsten Bartender Deutschlands; in seiner „Capri Lounge“ experimentiert er etwa mit Infusionen aus Tee oder mit Espumas, aromatisierten, mit dem Sahnesiphon hergestellten Schäumen, wie sie in der Molekularküche verwendet werden.

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