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„Social Cooking“ : Fünf Fremde in meiner Küche

  • -Aktualisiert am

Besser als der zehnte Besuch beim Italiener: Tischgesellschaft mit Koch Ran (T-Shirt) Bild: Nanine Rennninger

Eine Großstadt. Man trifft sich, man kocht, man isst, man sieht weiter. Vermittelt über die Internetplattform „Cookasa“, bekommt man beim „Social Cooking“ für 12,50 Euro viel geboten. Ein Testessen, das bis weit nach Mitternacht dauert.

          Jetzt wird’s heiß! Der Koch hastet mit Einkaufstüten in die Wohnung, grüßt kurz, zieht seinen Pullover aus, entblößt sein T-Shirt mit dem Schriftzug „Hot“, schaltet den Herd an und zückt das Messer. Während Ran zackig den Thunfisch zerlegt, verteilt er Kommandos: „Ich brauche gewürfelte Zwiebeln! Jemand muss die Möhren schälen! Und für mich bitte ein Glas Wein!“ Gewusel, Verwirrung in Bernds Junggesellenküche, in der sich heute Abend sechs Unbekannte zum gemeinsamen Kochen verabredet haben. Profi ist hier niemand außer Ran, die Namen der anderen haben wir auch noch nicht drauf, und in welcher Schublade liegen die Schneidebretter?

          Ich hätte schon längst einen Schweißausbruch erlitten, wenn Fremde in meiner Küche alle Schränke durchsuchen und Zwiebelschalen auf dem Boden verteilen würden. Doch das ist der Deal beim „Social Cooking“: Einer stellt seine Wohnung zur Verfügung, und fünf Gäste bereiten das Abendessen bei ihm zu. Gastgeber Bernd ist hier unter den Menschen zwischen 30 und Mitte 40 der älteste, schwenkt gelassen sein Glas edlen Riesling aus dem privaten Keller und beobachtet, was gerade so in seiner modernen Hamburger Elbblick-Wohnung vor sich geht: Zwei Frauen und drei Männer verteilen sich in seiner offenen Küche, die gleich ans Wohnzimmer grenzt. Nina deckt den Tisch mit dem guten Besteck, und ich schneide mit Sven und Chris für den Koch Möhren, Zwiebeln und Rote Beete.

          Bangen vor der Aufgabenverteilung

          Wir sind zu langsam, in den Töpfen zischt und brodelt es schon. Der emsige Koch scharrt mit dem Messer. Und ungeschickt sind wir noch dazu: Als Chris das erste Weinglas zerdeppert und sich beim Brotschneiden den Finger blutig ritzt, holt Gastgeber Bernd unaufgeregt Pflaster und Staubsauger aus der Kammer. Nur als ich auf einem Teller seines guten Hochzeitsporzellans, das er aus seiner geschiedenen Ehe mitgenommen hat, Avocados zerdrücken möchte, greift er vehementer ein. Verständlich! Aber: Ich habe einfach einen Teller gegriffen, und er hat sich ja freiwillig darauf eingelassen, dass fünf fremde Großstädter seine Küche belagern.

          Über die Internetplattform „Cookasa“ wurde die Koch-Gruppe zusammengewürfelt. Ich habe mich spontan angemeldet, um mal in der Freizeit kulinarisch etwas anderes zu erleben als den zehnten Besuch beim Lieblingsitaliener mit Freunden. Jeder Teilnehmer bekam einen Tag vor dem Treffen per Zufallsmodus eine Aufgabe zugeteilt: Chefkoch, Koch, Gastgeber oder Küchenhelfer. Und erst am Montagabend in der Küche sind wir uns das erste Mal begegnet: offene Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, die meisten in der Kreativbranche, als Webdesigner oder Fotografin.

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          24 Stunden vorher, am Sonntag, saß ich bangend vor dem Computer und wartete auf die Aufgabenverteilung. Ich hoffte, nicht Gastgeberin sein zu müssen, denn ich wäre nicht so locker wie Bernd gewesen. Außerdem hätte ich meine Wohnung noch herrichten müssen. Mich hätte es auch ziemlich unter Druck gesetzt, als Koch die Verantwortung für fünf Menschen mit Feierabend-Hunger zu haben. Meine Rolle erfahre ich per Mail: Chefkoch. Hört sich erst wichtig an, ist es aber nicht, denn eigentlich muss ich nur dafür sorgen, dass jeder sich ordentlich verhält, am Ende wieder alle Teller gewaschen im Schrank stehen und der Einkäufer sein Geld von jedem Esser bekommt. Und ich soll zwischendurch Fotos auf Facebook posten.

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