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Lebensmittel-Tauschbörse : Biete Gurke, suche Pesto

  • -Aktualisiert am

Bohnen, Gurken oder doch lieber Marmelade? Bevor getauscht wird, muss beim „Food Swap“ ausgiebig begutachtet werden. Bild: Andreas Pein

Diese Lebensmittel gibt es garantiert nicht zu kaufen: Beim „Food Swap“ tauschen Großstädter Selbstgeerntetes und Selbstgemachtes. Neben der Geselligkeit bieten die Börsen den kleinen Thrill: Kommt man ins Geschäft?

          Hier, probier mal, das ist Olive.“ Krachend beißt Lilly in eine Scheibe Knäckebrot und verzieht den Mund. „Ein bisschen sauer.“ Ihre Mutter reicht ihr ein Stück Kuchen: „Mit Kokos.“ Das Mädchen im rosafarbenen Anorak nickt: „Mag ich.“

          Nicole Klauß und ihre fünfjährige Tochter stehen vor einer Reihe von Biertischen, auf denen unterschiedliche Köstlichkeiten aufgebaut sind: Weihnachtskuchen nach indischem Rezept, Marmeladen und Brotaufstriche, eingelegte Zucchini, scharfe Gurken, Thymianlikör. Alles hausgemacht und für kein Geld der Welt zu haben. Denn hier wird ausschließlich getauscht.

          „Food Swap“ nennt sich der Trend, der aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland geschwappt ist - Tauschbörsen für selbstgeerntete und selbst gemachte Lebensmittel. Cathrin Brandes hat das Konzept nach Berlin gebracht. Die Gastronomieberaterin ist bei „Slow Food“ aktiv und hat bereits mehrere Bücher rund ums Thema Essen veröffentlicht. „Ich fand die Idee einfach spannend, dass Lebensmittel einen anderen Wert bekommen als das, was Geld bedeutet“, so die Berlinerin. „Durch den Tausch lädt man sie sozusagen mit einem emotionalen Wert auf.“

          Alle paar Monate rufen Brandes und ihre Freundin Pamela Dorsch Hobbyköche, Einmachexperten und Backenthusiasten nach Kreuzberg zur „foodXchange“ in die Markthalle Neun. Wer dabei sein möchte, kann sich über Facebook anmelden oder kommt einfach so vorbei, die Veranstaltung selbst ist kostenlos. „Mitmachen darf jeder, der gern backt, einkocht oder in irgendeiner anderen Form Lebensmittel selbst herstellt“, so Brandes. Genauso willkommen seien aber auch Gäste, die Obst und Gemüse im eigenen Garten anbauen und nicht wissen, wohin damit.

          Möhrenpesto oder Mangomarmelad für ein Glas Lemon Curd

          An diesem Abend dominiert Eingemachtes das Angebot. Vor einem jungen Paar, beide Anfang 20, steht eine Reihe Weckgläser mit Bohnensalat auf dem Tisch. „Wir kommen beide vom Land und haben immer schon Sachen aus dem eigenen Garten gegessen“, erzählt Julia Linzmaier. Ihren Überschuss haben die beiden in die Kreuzberger Markthalle gebracht. Die junge Frau im Wollpullover ist auch deshalb hier, weil sie ihrer Mutter die Idee des Tauschhandels schmackhaft machen will: „Man hat ja schon eine große Auswahl zu Hause, aber das Tauschen bereichert einen noch zusätzlich. Gerade für Menschen auf dem Land ist das ne tolle Sache.“

          In der ersten Runde wird probiert. Eine halbe Stunde Zeit gibt Veranstalterin Brandes den Teilnehmern, um sich einmal quer durchs Angebot zu naschen. „Man muss ja wissen, was man am Ende des Tages mit nach Hause nimmt, ob’s überhaupt schmeckt und was alles drin ist.“

          Klauß und Tochter Lilly schlecken Lemon Curd von einem Teelöffel. Die Fünfjährige leckt sich die Lippen: „Lecker!“ Auch ihre Mutter ist begeistert. „Da sind auch noch Äpfel mit drin, das ist mal was ganz Besonderes.“ Auf der Tauschkarte, die schon bereitliegt, trägt sie ein, was sie für so ein Glas Lemon Curd anbieten würde. Ihr Vorschlag: Möhrenpesto oder Mangomarmelade. Klauß ist optimistisch: „Wir kommen auf jeden Fall ins Geschäft, da bin ich mir sicher.“

          Kein reiner Berlin-Trend

          Die 46-Jährige gehört zum festen Kern des Berliner Tauschklubs. Als kulinarische Beraterin arbeitet die zweifache Mutter mit Café- und Restaurantbetreibern zusammen, nebenbei macht sie eine Ausbildung zur Sommelière. In ihrer Freizeit steht sie selbst gern in der Küche und probiert viel aus. Seit sie von einer Freundin deren ausrangierten Dörrautomaten übernommen hat, experimentiert sie mit getrocknetem Obst und Gemüse. Apfelchips gehören zu den Klassikern, die Klauß immer wieder zum Tauschen mitbringt, aber auch getrocknete Zwiebeln und die gekörnte Gemüsebrühe kommen gut an. Mehrere Tage lang hat die Hobbyköchin dafür Gemüse geschnippelt, getrocknet und gemörsert. „So ein Glas voll würde ich jetzt ungern gegen drei Scones oder einen Sack Walnüsse tauschen.“

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