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Sake statt Wein : Warum nicht mal Sake zum Dinner?

Techno-DJ und Sake-Fan Richie Hawtin hier mit einer Flasche seines Labels „Enter.Sake“ Bild: Enter.Sake

Richie Hawtin ist Techno-DJ und Japan-Fan. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit Sake, nun will er ihn als Dinner-Drink bekannt machen. Passt das?

          „Mein erster Sake war heiß, hat geschmeckt wie Raketentreibstoff und am nächsten Trag hatte ich Kopfschmerzen“, sagt Richie Hawtin. Das Getränk faszinierte ihn trotzdem. Weil es aus Japan kam und er damals alles aus Japan toll fand. Das war irgendwann Anfang der neunziger Jahre. Hawtin war zu der Zeit bereits ein berühmter Techno-DJ. Geboren in England, wuchs er im kanadischen LaSalle auf. Das lag direkt neben der Techno-Hochburg Detroit, nur durch den gleichnamigen Fluss getrennt. Mit 17 Jahren legte Hawtin dort in Clubs auf, Anfang der 1990er Jahre hatte er bereits mehrere Alben veröffentlicht und ein eigenes Label gegründet. Vor allem aber brachte ihn die Techno-Musik auf den Japan-Trip. „Das lag damals einfach nahe“, erinnert sich Hawtin. „Als ich die ersten Bilder aus Tokyo sah, war das für mich die Stadt der Zukunft.“

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          1994 reiste er dann das erste Mal in das Land, das ihn so faszinierte und trank dort natürlich noch einmal Sake. Dieses Mal aber sehr guten. „Es war sehr feiner, raffinierter Sake, der wunderbar schmeckte“, sagt Hawtin. Seitdem hat ihn der Drink gefangen genommen. So sehr, dass Sake für ihn erst zum Hobby und dann fast schon zur Mission wurde.

          Er erzählt das alles im Berliner Restaurant Pauly Saal. Gemeinsam mit Sternekoch Arne Anker will er hier bei einem Dinner auch dem deutschen Publikum Sake nahebringen. Anker hat dafür ein Sechs-Gänge-Menü entworfen, statt Weinbegleitung steht Sake auf der Liste. Das Pauly Saal war früher eine jüdische Mädchenschule. Wo man heute auf grünen Polsterbänken unter Kronleuchtern aus Murano-Glas speist, war damals die Turnhalle. Der Saal ist groß, ursprünglich war er für das Event nicht vorgesehen, doch die Nachfrage nach dem Sake-Dinner war so groß, dass es hierher verlegt wurde.

          Eine Sake-Bar auf Ibiza

          Hawtin freut sich darüber. Seit mehreren Jahren betreibt er bei seinen Auftritten in Ibiza einmal im Jahr eine Sake-Bar. Die Nachfrage sei auch da groß, das Getränk werde von den Feiernden gut angenommen. Auch für ihn sei Sake einfach der perfekte Drink auf solchen Events. Im Gegensatz zu anderem Alkohol putsche er weder zu sehr auf, noch mache er schnell müde. Aber warum ist er so an Sake interessiert?

          „2007 habe ich das erste Level als Sake-Sommelier in Japan absolviert. Alle anderen Teilnehmer waren Chefköche und Wein-Sommeliers. Ich habe dabei viel über Sake gelernt“, sagt Hawtin. „Unter anderem auch, dass die Sake-Industrie in Japan zu der Zeit schrumpfte und damit auch die alte Tradition verloren ging. Das Getränk war bei der japanischen Jugend nicht mehr angesagt und galt als altbacken. Also dachte ich mir: Ich bin DJ und hab Zugang zu jungen Leuten. Vielleicht finde ich einen Weg, wie man Sake auch im Ausland bekannter machen kann.“

          Ausgesuchte Sake-Weine aus kleinen Manufakturen bietet Hawtin unter seinem Label „Enter.Sake“ zum Verkauf an.
          Ausgesuchte Sake-Weine aus kleinen Manufakturen bietet Hawtin unter seinem Label „Enter.Sake“ zum Verkauf an. : Bild: Pauly Saal

          Zurück in seiner Wahlheimat Berlin, spielte er zunächst mit dem Gedanken, dort eine Sake-Bar zu eröffnen. Aber dafür, das sah er schnell ein, war er einfach zu viel unterwegs. „Und dann kam die Idee mit der Bar auf Ibiza, denn dort bin ich während meiner Auftritte längere Zeit vor Ort.“ Hawtin sagt, Ibiza habe gut funktioniert. Er hatte dort speziell ausgesuchte Sakes aus kleinen Manufakturen angeboten. Das sei so gut angekommen, dass sich darauf seine Marke „Enter.Sake“ entwickelt habe. Unter der bietet er ausgesuchte Sakes auch online zum Verkauf an.

          Hawtin erklärt die verschiedenen Sake-Sorten

          Im Pauly Saal ist die Stimmung derweil gelöst. Mehrere Gänge wurden serviert, alle mit einem großen Anteil regionaler Produkte von Bauern in Brandenburg gefertigt. Sake, so die Botschaft, muss nicht zwangsläufig mit japanischem Essen kombiniert werden. Und die Gäste stellen fest, dass Sake nicht einfach nur zu „Kürbis mit Wels, Melone und Sternanis“ oder „Rinderfilet mit Beeten, Rotwein und Macadamianüssen“ passt. Wie ein perfekt ausgesuchter Wein unterstreicht der japanische Reiswein je nach Sorte feine Nuancen im Essen.

          Es muss nicht immer japanisch sein. Dieser Sake passt auch ganz hervorragend zu Kürbis mit Wels und Melone.
          Es muss nicht immer japanisch sein. Dieser Sake passt auch ganz hervorragend zu Kürbis mit Wels und Melone. : Bild: Pauly Saal

          Hawtin steht zwischen den Gängen immer wieder auf und erzählt Details zur Herkunft, Herstellung und Geschmack der einzelnen Sakes. Da gibt es einen Reiswein einer jungen Manufaktur, der wie Wein in Zedernfässern gelagert wird – völlig unorthodox für traditionelle Sake-Brauer. Ein anderer prickelt während der ersten Schlucke wie ein feiner Perlwein.

          „Vor kurzem hatten wir eine Verkostung in einem israelischen Restaurant in London“, sagt Hawtin am Schluss. Auch zu diesen Gerichten passe Sake ganz hervorragend. „Alles, was reichhaltig, cremig und umami ist, lässt sich damit kombinieren“, so Hawtin. In Berlin hat er die Gäste von Sake als Dinner-Drink bereits überzeugt.  

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