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Drink Pink : Der Rosé feiert im Sommer ein Comeback

  • -Aktualisiert am

Preise, Reifezeit: Rosé ist eine Win-Win-Situation, die Konsumenten und Erzeuger glücklich macht. Bild: BERNHARD WINKELMANN/MadameFigaro

Vor der Jahrhundertwende war der Rosé mega-out. Inzwischen ist er populär, vielfältig und bietet exzellente Qualität. Von einem perfekten Sommerwein schwärmt unser Weinkritiker.

          Heute sind Rosé-Weine international en vogue, und die Drink-Pink-Stimmung ist eine bedeutende Säule für die globale Weinindustrie. Ende des vergangenen Jahrhunderts hingegen war Rosé nicht nur mega-out, sondern auch der Kompromisswein schlechthin. Ganz banal gesagt: Wollte einer rot, der andere weiß, einigte man sich als Paar auf Rosé. Kaum jemand verlangte aktiv nach gutem Rosé, und die Qualität war häufig entsprechend enttäuschend.

          Ein weiterer Grund dafür war die Nebenwirkung des globalen Rotwein-Booms, der Anfang der neunziger Jahre durch die Studien zum sogenannten „French Paradox“ einsetzte: Die Franzosen trinken viel Rotwein und haben eine niedrige Herzinfarktrate. Doch um Rosé-Wein zu erzeugen, braucht man rote Trauben. Die wurden jedoch damals, wenn sie nur halbwegs gesund gelesen wurden, zu dem populären Rotwein verarbeitet, und meist nur das faule Lesegut – der Abfall – zu Rosé. Kein Wunder, dass der Rosé unter Weinfreunden in Verruf geriet.

          Über zehn Prozent des deutschen Weinkonsums ist pink

          Obwohl Rosé unter älteren Weinkennern immer noch häufig als „Weinchen“ abgetan wird, ist er heute beim breiten Publikum so beliebt wie noch nie zuvor. Über zehn Prozent des deutschen Weinkonsums leuchtet pinkfarben im Glas, obwohl es sich um einen ausgesprochenen Sommerwein handelt. In vielen anderen Weinmärkten ist der Rosé-Konsum ebenfalls gestiegen, darunter auch in Frankreich, wo er einen Anteil von fast 25 Prozent des gesamten Markts erreicht hat. Jetzt ist eben Rosé mega-in, und die Qualität größtenteils zuverlässig bis sehr gut. Damit hat sich die Situation völlig gedreht.

          Die vorwiegend moderaten Preise – die meisten hier empfohlenen Rosé-Stillweine liegen unter 10 Euro – fördern diesen Trend noch. Trotzdem macht Rosé für den Winzer Sinn; für einen guten Rotwein muss der Mengenertrag pro Rebstock deutlich niedriger liegen als für einen guten Rosé. Dazu kommt die notwendige Reifezeit von 12 bis 24 Monaten im Holzfass für gute Rotweine gegenüber ein paar Monaten im Edelstahltank für den Rosé (obgleich es hier einige Ausnahmen gibt). Rosé ist kein teurer Wein, bringt aber schnell Geld in die Kasse des Winzers. Rosé ist eine Win-win-Situation, die Konsumenten und Erzeuger gleichermaßen glücklich macht.

          Dennoch ist nicht alles rosig in Sachen Rosé. Die meisten Weintrinker registrieren nur einen Bruchteil der geschmacklichen Vielfalt dieser Kategorie; oftmals nur den Unterschied zwischen trocken und süß. Dabei ist die Welt des Rosé-Weins eine erstaunlich vielfältige mit sehr vielen geschmacklichen Facetten, abhängig von Herkunftsgebiet, Traubensorte und den Vorstellungen des Winzers. Rosé ist keinesfalls nur ein Wein für die Terrasse an warmen Tagen und Abenden, sondern kann auch ein sehr guter Essensbegleiter sein.

          Rosé bringt viel Kraft und Fülle ins Glas

          Ein wichtiger Punkt ist, dass Rosé zwar tendenziell eher leicht ist, manche dieser Weine aber viel Kraft und Fülle ins Glas bringen. Kraftvoller Rosé mag für manch einen wenig Sinn ergeben, doch solche Weine sind bei warmem Wetter eine sehr gute Alternative zum Rotwein. Die Heimat dieser Art des Rosé ist Südfrankreich, wo sie seit Generationen große Beliebtheit genießt. Der 2016er Gens et Pierres Rosé vom Ökowein-Spezialisten Peter Riegel bietet eine günstige und sehr stimmige Einführung in diese Welt des ganz trockenen Rosés. Trotz 13 Prozent Alkoholgehalts wirkt der Wein erfrischend und duftet fein nach roten Beeren. Noch besser (aber auch fast doppelt so teuer) ist der vielschichtige und langanhaltende 2016er „Corail“ vom Château de Roquefort in der Provence; der Name beschreibt die Farbe des Weins ziemlich treffend. Er ist ein Meisterwerk dieses Stils und verfügt über ausreichend Kraft, um allem Gegrillten mühelos Paroli zu bieten.

          Das gilt auch für die traditionalen Rosado-Weine aus Spanien. Hier liegt der Alkoholgehalt meist jenseits von 13 Prozent, und der Stil ist das Gegenteil von leicht und spritzig. Ein sehr gelungenes Beispiel ist der 2016er Rosado von Muga, einem der Spitzenerzeuger in Rioja. Er verbindet die Kraft der spanischen Sonne mit frischen Kirsch- und Orangenschalen-Noten sowie ziemlich lebendiger Säure; er leuchtet intensiv pink. Heller in der Farbe, weil zu 100 Prozent aus der farbschwachen Garnacha-Traube (französischer Name: Grenache) produziert, aber von erstaunlicher geschmacklicher Tiefe und Finesse ist der 2016er „Flor de Muga“ aus dem gleichen Haus. Hier werden allerdings auch nahezu 25 Euro fällig. Eine fruchtbetonte und günstige Alternative ist der 2016er „Mas Donís“ Rosé von Celler Capçanes, der geschmacklich an Erdbeeren erinnert und seine Kraft gut versteckt. Solche kräftigen Rosé-Weine sollten keinesfalls zu warm serviert werden, da der Alkohol sonst geschmacklich schnell dominant wirkt. Ein Eiswürfel im Glas ist besser als ein zu warmer und daher „brennender“ Wein!

          Deutschland spielt in der ersten Liga

          Deutschland spielt heute beim Rosé in der ersten Liga, vor allem die wärmeren Weinbaugebiete im Südwesten des Landes, wie der ganz trockene 2016er Spätburgunder Weißherbst „Oktav“ von Heger in Ihringen/Baden zeigt. Die Balance zwischen Erdbeeraroma, mittlerem Körper und frischer, aber nicht dominanter Säure ist hier nahezu perfekt gelungen. Eine etwas einfachere, dafür aber auch sehr günstige Version dieses Stils ist der 2016er „Edition Fritz Keller“-Rosé-Wein, ebenfalls aus Baden, von Aldi Nord (die Abfüllung bei Aldi Süd hält leider nicht ganz mit); er verfügt über einen klaren Spätburgunder-Charakter und frische Erdbeernoten und ist knackigtrocken im Geschmack. Solche guten deutschen Spätburgunder-Rosé sind vielseitige Essensbegleiter; nur die Konfrontation mit dunklen Soßen und sehr scharfen Gewürzen macht ihnen zu schaffen.

          Passend zu Salaten und bei hohen Temperaturen: Der Rosé ist der perfekte Sommer-Wein.
          Passend zu Salaten und bei hohen Temperaturen: Der Rosé ist der perfekte Sommer-Wein. : Bild: obs/Lidl

          So richtig leicht im Alkohol sind auch gelungene Rosé-Weine allerdings nur ganz selten. 12 bis 12,5 Prozent Alkohol ist heute ganz normal, auch bedingt durch die Klimaerwärmung. Wer wirklich leicht und pink trinken möchte, muss nach raren Wundern der Winzerkunst wie dem 2016er „Mahlzeit“ von Korrell in Bad-Kreuznach-Bosenheim/Nahe suchen: ganze 11 Prozent Alkohol, sehr schlank, viel Säurefrische. Aber Vorsicht: Kräftiges Essen ist hier fehl am Platz.

          Auf die richtige Balance kommt es an

          Deutschland hat auch einige revolutionäre Rosé-Weine zu bieten, wie den besonders gelungenen 2016er Hammel & Wine Punk von Weingut Hammel in Kirchheim/Pfalz. Mit intensivem Duft nach Weinbergspfirsich und einem Hauch von Vanille ist er eine wahre Fruchtbombe; im Geschmack ist die Balance zwischen vollem Körper und saftiger Frische auf den Punkt getroffen. Nicht weniger ungewöhnlich wirkt der 2015er „Exot Typ2 Leidenschaft“ vom Weingut Danner in Durbach/Baden mit fast orange leuchtender Farbe, geschmeidigem Körper und reifer Papaya-Note. Ausnahme-Weine wie diese haben immer einen gewissen Preis.

          Nicht trockene Rosé-Weine sind geschmacklich meist eher einfach gestrickt bis banal. Aber auch hier gibt es einige großartige Ausnahmen. Ein solches Gewächs ist der 2016er Pinot Noir Rosé von August Kesseler in Assmannshausen/Rheingau. Er schmeckt super-saftig, aber auch elegant und überzeugt mit animierender Zitrus-Frische im Finale. Der Anflug von Süße ist ziemlich perfekt integriert, so dass der Wein sehr animierend wirkt.

          Es gibt viele Facetten zu entdecken

          Schäumender Rosé ist nicht weniger beliebt als die stille Version, und auch hier gibt es viele Facetten zu entdecken. Diese Produkte sind recht aufwendig und anspruchsvoll in der Erzeugung, und es gibt kaum Empfehlenswertes unter 10 Euro. Am nächsten dazu kommt der enorm erfrischende 2015er Espumante Bruto Natural Rosé von Quinta das Bágeiras aus Bairrada/Portugal. Staubig trocken, dabei erstaunlich harmonisch, duftet er nach Erdbeeren und frischer Quitte. Deutlich eleganter und vielschichtiger (Noten nach Himbeeren, Mandarine und kandiertem Ingwer) ist der Rosé Brut von Künstler in Hochheim/Rheingau, der mit knapp unter 20 Euro eine weitaus bessere Preis/Leistung als die meisten Rosé-Champagner bietet.

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          Es gibt aber selbstverständlich Anlässe, die einfach nach Rosé-Champagner verlangen und keinerlei Ersatz dulden. Wer Liebe, geschäftlichen Erfolg oder einfach den Feierabend mit pink Bubbles dieser Art feiern will oder muss, der liegt mit dem Rosé Brut von Billecart Salmon richtig. Dieser sehr feinduftige, fruchtbetonte und elegante Champagner schmeckt so gut wie jedem und deutet dies bereits mit der wunderschön zarten Roséfarbe an. Beim Rosé trinkt das Auge immer mit.

          Die besten Rosé-Weine

          Der 2016er Gens et Pierre ist für 6,95 Euro bei www.vinoc.de zu beziehen.

          Der 2016er „Corail“ von Château de Roquefort kostet 12,30 Euro bei Viniculture (www.viniculture.de; 030 / 8 83 81 74).

          Der 2016er Rosado von Muga und der 2017er „Flor de Muga“ sind für 8,50 beziehungsweise 24,50 Euro von www.silkes-weinkeller.de (02104 / 17 79 0) zu haben, und der 2016er „Mas Donís“ von Celler de Capçanes für 6,50 Euro bei www.vinos.de.

          Der 2016er Weißherbst „Oktav“ von Heger kostet 10,30 Euro ab Hof (07668 / 99 51 10, www.heger- weine.de), und die 2016er „Edition Fritz Keller“ steht für 4,99 Euro bei Aldi Nord im Regal.

          Der 2016er „Hammel & Wine Punk“ vom Weingut Hammel kostet 14,50 Euro ab Hof (06359 / 86 40 1, www.weinhammel.de), der 2015er „Exot Typ 2 Leidenschaft“ von Danner 14 Euro (0781 / 94 83 12 3, www.danner-weingut.de), der 2016er Pinot Noir Rosé von August Kesseler 9,95 Euro (06722 / 25 13, www.august-kesseler.de).

          Der 2015er Bruto Natural Rosé von Quinta das Bágeiras kostet 11,90 Euro bei www.maitrephilippe.de (030 / 88 68 36 10), der Rosé Brut von Künstler 19,50 Euro ab Hof (06146 / 83 86 0, www.weingut- kuenstler.de), und den recht breit distribuierten Champagner Billecart Saumon Rosé Brut gibt es z.B. für 59,99 Euro bei Galeria Kaufhof.

          Quelle: F.A.S.

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