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Neues Kochbuch : „Papst Franziskus geht meist in die Mensa im Vatikan“

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus speiste im vergangenen November mit den Armen in der Halle von Paul VI. Bild: Picture-Alliance

Keine Extrawurst für Franziskus: Autor Roberto Alborghetti weiß, was dem Papst schmeckt, und teilt es in seinem neuen Kochbuch mit der Welt.

          Herr Alborghetti, Sie haben mehrere Biographien über Papst Franziskus geschrieben und nun das Buch „Kochen mit dem Papst“ veröffentlicht – hat er Sie auch schon mal bekocht?

          Nein, natürlich nicht, ich habe den Papst im Vorfeld dieses Buchprojekts nicht getroffen. Und außerdem glaube ich, dass er bei all den Verpflichtungen keine Zeit mehr zum Kochen findet. All die Probleme in der Welt halten ihn auf Trab. Aber immer mal wieder sagt er: „Ich würde gerne wieder eine Pizza in der Gesellschaft essen, die ich früher hatte.“

          Woher kommt denn Franziskus’ Begeisterung für das Essen?

          Die Liebe zum Essen hat ihren Ursprung eindeutig in seiner italienischen Familie. Franziskus ist ja das Kind von Eltern, die aus dem Piemont nach Argentinien ausgewandert sind. Seine Großmutter hat dabei eine wichtige Rolle gespielt, vor allem aber seine Mutter. Nach der Geburt seiner jüngsten Schwester Maria Elena blieb die Mutter halb gelähmt zurück und konnte das Essen für die Familie nicht mehr zubereiten. Also instruierte sie Jorge Mario, den späteren Papst, in der Küche. Er war damals Student der Lebensmittelchemie, zu Hause lernte er den praktischen Teil dazu. Schritt für Schritt erklärte ihm die Mutter, wie man kocht. Sie brachte ihm bei, wie man Teige zubereitet, Fleisch richtig anbrät, Gemüse schneidet, alles. Der junge Mann versorgte so die vier Geschwister und die Eltern.

          Was stand damals auf dem Speisezettel der Bergoglios?

          Es war eine sehr einfache Küche, wie sie typisch für die Familien der italienischen Emigranten war. Einfach in Bezug auf die Zutaten, aber auch auf die Zubereitung. Die italienischen Emigranten hatten damals keine großen Ressourcen, um teure Zutaten zu kaufen. Dennoch gab diese Küche auch viel Raum für Kreativität. Und die Emigranten verwendeten aus der Not heraus oft auch übriggebliebene Nahrungsmittel und Essensreste zum Kochen.

          War es deshalb der Wunsch des Papstes, dass Ihr Kochbuch mit einem Appell gegen Lebensmittelverschwendung beginnt?

          Nein, Franziskus war im Vorfeld nicht involviert. Aber weil er nicht müde wird, auf die Lebensmittelverschwendung in aller Welt hinzuweisen, habe ich diesen Teil ins Buch aufgenommen. Und er unternimmt auch ganz konkret etwas gegen das massenweise Wegwerfen von Lebensmitteln. Beispielsweise mussten die Bediensteten der Mensen im Vatikan einen Kurs absolvieren, wie man Lebensmittelverschwendung vermeidet. Er hat dem Thema in seiner Enzyklika „Laudato si“ viel Raum gegeben. Und er hält immer wieder Reden vor der Welternährungsgesellschaft der UN. Franziskus sagt, die weltweit weggeworfenen Lebensmittel könnten Millionen Menschen ernähren.

          Bagna cauda heißt eines der Gerichte aus dem Papstkochbuch „Kochen mit dem Papst: Die Lieblingsrezepte von Franziskus“. Das Rezept finden Sie am Ende dieses Textes.

          Hat sich Jorge Mario Bergoglio seine Passion für einfaches Essen auch als Papst bewahrt?

          Absolut. Vom ersten Tag an hielt er das so. Als er am 13. März 2013 gewählt wurde und die Kardinäle, die ihn gewählt hatten, von der Klausur zurückkamen, gab es kein üppig-opulentes Festmahl, sondern einfachstes Essen: Pasta mit etwas Soße.

          Das kommt aber sicher nicht bei allen Kardinälen gut an. Manche werden vermutlich einen anderen Standard gewohnt sein?

          Ja, den ein oder anderen Kardinal, der gerne edel isst, mag es geben. Aber Papst Franziskus hält es bis heute simpel: Meist geht er in die Mensa im Gästehaus Santa Marta im Vatikan. Die Küche dort ist wirklich sehr gut, aber einfach. Ich kann das bezeugen, denn ich war dort. Es gibt oft Vorspeisen auf der Basis von Pasta oder Risotto, dann Fleisch oder Fisch, aber auf einfache Art und Weise zubereitet. Der Papst lebt die Einfachheit auch selbst vor: Abends, wenn in der Mensa nicht bedient wird, stellt er sich wie alle anderen mit einem Plastiktablett in die Reihe und isst, was alle anderen auch essen. Es gibt keine Extrawürste für ihn.

          Essen dort alle Vatikanbediensteten?

          Nein, es gibt noch eine andere Mensa. Manchmal macht Franziskus aber auch dort einen Überraschungsbesuch. Dann isst er dort, was alle Arbeiter essen.

          Ist es nicht schwierig mit einfachem Essen, wenn man auf Reisen bei fremden Staatsoberhäuptern zu Gast ist oder zu Staatsbanketten eingeladen?

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