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Social Kitchen : „Den Speck braten wir an“

Stefania Corrado und Antonio Marchello kochen und reden. Bild: Maria Wiesner

Wie kocht man richtig? Das wissen nicht einmal mehr die Italiener. Daher versucht ein Koch, per „Social Kitchen“ im Internet nachzuhelfen.

          Antonella Petrella: Müssen diese Reisspaghetti eigentlich irgendwie aufgehen und größer werden?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Stefania Corrado: Nein, nein. Es genügt, das gesalzene kochende Wasser mit der Schöpfkelle über die Reisspaghetti zu verteilen. Sie müssen einfach nur weich werden.

          (Sie schöpft mit fließender Bewegung mehrmals Wasser aus dem dampfenden Kochtopf und verteilt es über der Schüssel, in die sie die Reisspaghetti getan hat. Dann hält sie die Schüssel etwas näher an die Kamera.)

          Stefania Corrado: Schau! Sie sind schon fast fertig. Das geht ganz schnell.

          Stefania Corrado bedient mehrere Töpfe und Pfannen gleichzeitig. Während sie mit Pepperoni und Speck hantiert, blickt sie immer wieder in die Kamera und erklärt, was sie gerade tut, Schritt für Schritt. Es sieht aus wie eine professionelle Kochshow. Aber Stefania Corrado ist nicht im Fernsehen zu sehen, sondern im Internet, zu Gast bei „Social Kitchen“, einem Live-Event, das der Koch Antonio Marchello ins Leben gerufen hat. Er steht jeden Mittwoch mit einem anderen Gast hinter dem Herd im „Interno 23“ im Zentrum Mailands. In dem Jugendstil-Palazzo war einst eine Gravurwerkstatt. Als man ihn renovierte, hielt im Salon eine großzügige Küche Einzug. Von hier aus zeigen Antonio Marchello und seine Gäste ihren Zuschauern, wie traditionelle und moderne italienische Gerichte gekocht werden. Und die Zuschauer kochen zu Hause mit und stellen per Live-Chat Fragen.

          Paola Parmeggiani: Wenn diese Reisspaghetti abgetropft sind, müssen sie dann noch mit Gewürzen angemacht werden? Ich habe solche Spaghetti noch nie benutzt.

          Stefania Corrado: Ja, dafür nehmen wir ein wenig Fett vom Speck.

          Antonella Petrella: Aber roh? Oder muss ich den erst noch anbraten?

          Stefania Corrado: Den Speck hatten wir schon angebraten und beiseite gestellt. Das warme ausgelassene Fett, das wir so gewonnen haben, kommt über die Spaghetti. Normalerweise tut es an dieser Stelle auch ein guter Schluck Olivenöl.

          Die Italiener sind verrückt nach Koch-Shows. Formate wie „Hell’s Kitchen“ oder „Masterchef Italia“ erreichen mitunter mehr als eine Million Zuschauer. Doch im Fernsehen geht es weniger um das Essen als um den Wettbewerb der Köche. Wer blamiert sich? Wer kommt weiter? Welche fiesen Kommentare findet die Jury? „Social Kitchen“ ist da anders. Eine Stunde lang wird im ganzen Land gekocht. Alle wollen danach mit Familie oder Freunden am Tisch sitzen und essen. Mal sind es anspruchsvolle Gerichte, mal Variationen italienischer Klassiker. Jeder soll ein paar gute Tipps und Erfahrungen mitnehmen. Wöchentlich wechseln die Gäste, mal sind es Profi-Köche, mal Hobby-Köche mit eigenen Rezepten. An diesem Abend ist es jetzt also Stefania Corrado, die sich selbst als „Multitasking Chef“ bezeichnet, weil sie als selbständige Köchin Veranstaltungen vom Candle-Light-Dinner bis zum 250-Personen-Bankett bekocht. Hier will sie nun drei Gerichte zubereiten: Reisspaghetti mit falscher Carbonara-Soße, Spaghetti aglio e olio mit einem Fond aus grünem Thai-Curry sowie Popcorn-Tortelloni all’amatriciana. Alle drei Gerichte entstammen ihrem Kochbuch „Da uno a infinito“, in dem sie klassische italienische Gerichte neu interpretiert.

          Antonella Petrella: Oh je, ich hab solch ein grünes Curry beim Einkaufen gar nicht gefunden.

          Stefania Corrado: Das macht nichts. Mir geht es hier darum, das klassische Gericht Spaghetti aglio e olio ein bisschen aufzupeppen mit einem Fond aus Parmesan und dem grünen Thai-Curry. Auf die Idee mit dem Curry kam ich während meiner Reisen durch Südostasien. Wir können statt des grünen Thai-Currys auch ganz normales Curry pulver nehmen, das man hier im Laden leichter bekommt.

          Mehr als 3000 Zuschauer haben sich mittlerweile in der Datenbank von „Social Kitchen“ registriert. Am Sonntag vor der Sendung bekommen sie eine Mail mit den Angaben für die Zutaten. Außerdem teilt ihnen das Team mit, wie viele Töpfe, Kellen, Zangen oder Kochlöffel sie benötigen werden. Hunderte Zuschauer hat die Live-Sendung wöchentlich. Die Hobbyköche kommen nicht nur aus Italien. Auch in Deutschland, Belgien, Frankreich oder Peru wird am Mittwochabend italienisch nach Anleitung gekocht.

          Frittierte Tortelloni mit Parmesan und Carbonara-Variation.

          Alessandra Petterini: Hallo alle zusammen! Ich bin heute sehr spät dran!

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