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Koch-Tipps zur WM : Die Vorrunde verspeisen

Bild: Frank Röth

Südkorea? Mexiko? Schweden? Tolle Länder, gute Fußball-Mannschaften – und unschlagbar gute Küchen. Die besten Rezepte der Gegner und welches Bier dazu schmeckt.

          Wo immer man die Geschichte des Fußballs beginnen lässt, ob im vorchristlichen China oder im England des 19. Jahrhunderts – Bier gehörte immer dazu. Allein, weil es bis in die Neuzeit hinein ein Grundnahrungsmittel war, das, auf kochendem Wasser beruhend, eine größere Sicherheit vermittelte als alle unbehandelten Getränke, auch nach dem Sport.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Die ersten vergorenen Getreidesäfte waren naturgemäß echtes Craft-Bier, ein handgemachtes Produkt, bei dem individuell ausgesuchte Zutaten zu einem möglichst haltbaren und wohlschmeckenden Getränk verbunden wurden, wobei die serielle Produktion beim Getreidesaft schon immer einen besonderen Reiz ausübte.

          Die industrielle Fertigung von Malz sowie die zunehmende Standardisierung der Rohstoffe Wasser, Hopfen und Hefe galten dabei aber nur so lange als Fortschritt, bis das Bier der immer effizienter arbeitenden Großbrauereien merklich an Geschmack verlor. Das Endstadium dieser Entwicklung wird oft als „Fernsehbier“ bezeichnet, wobei man diesen Begriff in erster Linie mit Biermarken in Verbindung bringt, die im Rahmen großer Sportwettkämpfe für sich werben.

          Zu Fußballturnieren passt nur ein charakterloses Getränk

          Diese Biere, das lässt sich an einem Langzeitvergleich ihrer Bitterwerte ablesen, haben ihren hopfigen Charakter meist an einen vermeintlich mehrheitsfähigen nichtssagenden Mainstream-Geschmack abgegeben, wobei noch zu erforschen wäre, was zuerst da war: das dünn gewordene Bier – oder die fixe Idee, zu Großereignissen wie internationalen Fußballturnieren passe nur ein charakterloses Getränk.

          Es war wohl kein Zufall, dass sich der Widerstand gegen das Fernsehbier Ende der siebziger Jahre ausgerechnet in den Vereinigten Staaten formierte, in denen nur noch eine Handvoll Großbrauereien übrig geblieben waren, die alle dieselbe geschmacksarme Plörre produzierten.

          Die unterhopften Amerikaner wussten sich zu wehren. Sie begannen, ihr Bier in heimischen Kellern und Garagen selbst zu brauen. Die sogenannten Microbreweries entstanden, es wurden Hunderte, es wurden Tausende, der Begriff Craft-Beer kam auf, schwappte nach Europa über und scheuchte dort zuletzt auch die satt gewordenen und zugleich mit rückläufigem Bierkonsum kämpfenden deutschen Großbrauereien auf. Heute zählen die Vereinigten Staaten 6000 Brauereien, wenn diese auch zum Teil nur sehr klein sind. Der Hopfengeschmack ist in potenzierter Form zurückgekehrt.

          Eine Ausgangssituation für den Genuss von Craft-Bier

          Nur rund um den Fußball stagniert diese Entwicklung. Selbst passionierte Craft-Bier-Trinker sagen, dass in der emotionalisierten Menschenmenge eines Stadions auch für sie nur ein unauffälliges, leichtes Lagerbier in Frage komme, eines, bei dem sie nicht über das Aroma oder die Menge des bereits Konsumierten nachdenken müssten.

          Meist wird Fußball noch immer zu Hause am Fernseher verfolgt, unweit der heimischen Küche – eine im Grunde perfekte Ausgangssituation für den Genuss von Craft-Bier. Und da eine Weltmeisterschaft nicht nur dazu da ist, der eigenen Mannschaft die Daumen zu drücken, sondern auch die Eigenheiten der übrigen Teilnehmer kennenzulernen, wollen wir die WM zum Anlass nehmen, einige typische (Craft-)Biere der deutschen Vorrundengegner zu kosten und sie mit passenden Gerichten zu kombinieren, die leicht nachzukochen sind.

          Eine solche Versuchsanordnung dürfen wir natürlich nicht einem Laien überlassen. Daher haben wir das „Foodpairing“, die Kombination von Bier und Essen, dem Mainzer Physik-Professor Thomas A. Vilgis übergeben, der am Max-Planck-Institut für Polymerforschung eine Arbeitsgruppe zum Thema Food-Physik leitet. Vilgis, Mitherausgeber des renommierten „Journal Culinaire“, hat vor kurzem ein Kochbuch über „Beerpairing“ veröffentlicht, in dem er en passant eine Aromalücke beim Gerstensaft aufdeckte und das verbreitete Vorurteil widerlegte, Weizenbier rieche nach Gewürznelke.

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