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Reisesnacks im Test : Die schnelle Speise für die Reise

  • -Aktualisiert am

An Deutschlands Bahnhöfen drängt sich dem Reisenden eine Vielzahl schneller Speisen auf, die man grob der Kategorie „Brötchen“ zuteilen könnte. Bild: Matthias Lüdecke

Der Zug fährt gleich ab, rasch noch was zu essen kaufen. An Bahnhöfen bieten die immer gleichen Ketten ihre Brötchen feil. Welcher Snack schmeckt aber am besten? Wir haben für Sie den Test in Berlin gemacht.

          Zu den Vorzügen des Hauptstadt-Hauptbahnhofes gehört, dass seine Architektur die Ankommensfreude zügelt und in ausgreifende Fußwege lenkt. Von Rolltreppen und Aufzügen unterstützt, bereiten sie auf eine Fortbewegung jenseits des schienengebundenen Verkehrs vor. Dem Abreisenden hingegen erleichtern sie den Abschied. Überdies wird, wer Berlin an diesem Punkt verlässt, durch ein Schlitzfassaden-Eldorado, das wie eine Galerie den massigen Baukörper aus Glas und Stahl umgibt, eingestimmt auf das, was auch am Zielort in architektonischer Hinsicht zu erwarten ist.

          Aber auch der Abschied selbst wurde sozusagen neu gebaut. Nach der Abschaffung der Bahnsteigkarte Mitte der siebziger Jahre hätte man eigentlich mit einer steten Vervollkommnung der Abschieds- und Ankommenskultur rechnen können, aber das Gegenteil war der Fall. Menschen, die zur Bahn gebracht oder dort empfangen werden, sind inzwischen die Ausnahme. Dennoch ist der Gruß zum Gehen geblieben, wenngleich sich seine Form gewandelt und gleichsam in Materie übersetzt hat. Etwas gänzlich Unerwartetes scheint an die Stelle der Zeremonie an der Bahnsteigkante getreten zu sein: der Proviant.

          Die vielen Namen des belegten Brötchens

          Allerdings handelt es sich dabei nicht etwa um den von zu Hause mitgebrachten, sondern um seine kommerzielle Alternative. Sie stammt - in Berlin wie in allen großen Bahnhöfen der Republik - von den sogenannten Food Courts und Imbisstheken der zur Einkaufsmall erweiterten Zugstation und wird zumeist unmittelbar vor Reiseantritt erworben. Diese moderne Wegzehr kompensiert mit Kalorien die moralische Stärkung durch die Angehörigen, die vormals ihre Lieben bis zum Coupé zu begleiten pflegten. Papierservietten, die dem Einkauf vom Personal stets ungefragt hinzugefügt werden, halten die Erinnerung an die Taschentücher wach, die auf dem Perron den Schlusslichtern ein Adieu hinterherwinkten.

          Die Entwicklungsgeschichte des belegten Brötchens in all ihrer Lückenhaftigkeit lässt schon ersehen, wie sich kraft ununterbrochenen Fortschritts in aufsteigender Linie eine Speise herausgebildet hat, die in Gehalt und Mehrschichtigkeit einem Tellergericht vergleichbar ist. Somit ist das Butterbrot einen ähnlichen Weg gegangen wie die Milchschokolade. Diese nämlich wurde mit verschiedenen Geschmacks- und Bissqualitäten konsequent zum sogenannten süßen Riegel ausgebaut und firmiert heute an der Ladenkasse als ernsthafte Konkurrenz des belegten Brötchens. Letzteres trägt heute viele Namen. Bagel, Baguette, Calzone, Ciabatta, Croissant, Döner, Focaccia, Hamburger, Lamaçun, Panino und Pizza heißen die mehlbasierten Varianten aus all jenen Kulturkreisen, die heute unser täglich Brot mitbestimmen.

          Ambulante Speisen getestet für den mühelosen Verzehr

          Eine Sonderrolle kommt der Brezel zu, die aus der landsmannschaftlichen Nische in die Öffentlichkeit des Landes getreten ist. Trotz ihrer erratischen Verschlungenheit ist sie so etwas wie eine Verlegenheitslösung geworden für alle, die sich vom ausufernden Imbissangebot wie überfahren fühlen. Im Berliner Hauptbahnhof wird sie ab 69 Cent das Stück in vielen Ausführungen angeboten. Dass die Preisspitze nicht unbedingt Qualität garantiert, daran erinnert der Verzehr der „Focaccia-Brezel“ von Ditsch („Besteck hat Pause“) zu 1,80 Euro. Man kann das Erzeugnis des Mainzer Backwarenherstellers durchaus als Begräbnis eines Laugengebäcks unter Trockenkräutern und zerronnenem, erkaltetem Käse empfinden.

          Gleisnaher Gourmetkoch: Wolfram Ritschl Bilderstrecke

          Doch erst jenseits der Brezel bekommen wir es mit einem Proviant zu tun, der auch längeren Fahrten genügt und den Namen Mahlzeit verdient. Er ist umso wichtiger geworden, als der Reisende jederzeit damit rechnen muss, dass der Speisewagen aus unerfindlichen Gründen geschlossen bleibt oder eben überfüllt ist. Für die Mitnahme weniger geeignet sind naturgemäß warme Speisen wie Bratwurst, Burger, Pizza oder Pommes. Deshalb haben wir zusammen mit einem erfahrenen Gastronomen ambulante Speisen getestet, die im Abteil mühelos verzehrt werden können.

          Wolfram Ritschl hat als Inhaber des Lokals „Paris-Moskau“ direkt an der gleichnamigen Bahnlinie einen natürlichen Bezug zum Eisenbahnwesen und allen Formen der Beköstigung auf rollenden Rädern. Als Lehrte noch ein Ziel war und Hannover eine Sehnsucht, wurde das Fachwerkhäuschen, das heute seine 1987 gegründete Gourmet-Restauration beherbergt, als Destille für Gepäckleute, Droschkenkutscher und Gleisarbeiter errichtet und blieb über lange Jahre ein Vorposten der Freiheit als letztes Privatgebäude im britischen Sektor. Gerade weil das Bundesministerium des Inneren nun den Blick von der Terrasse verstellt, war der Kennerblick auf den zuvor im Turmbahnhof gekauften Profiproviant umso genauer. Am Ende der Verkostung galt für Ritschl wie für uns: Lasst alle Hoffnung Bahn fahren.

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