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Paleo, Clean Eating, Vegan : Die Mischung macht’s

  • -Aktualisiert am

Von Fleischessern bevorzugt: Paleo-Küche Bild: AP

„Clean Eating“, „Paleo“ und vegan – drei aktuelle Ernährungstrends. Mit allen kann man ein paar überflüssige Kilos loswerden, aber uneingeschränkt zu empfehlen ist nur ein Konzept.

          Und, was frühstücken Sie so? Toast mit Marmelade? Wie langweilig! So ein Frühstück muss schon etwas urbaner rüberkommen. Punkten Sie doch mal mit „Overnight Oats“. Noch nie gehört? Das sind über Nacht eingeweichte Haferflocken, die mit Obst, Nüssen und Gewürzen wie Zimt und Vanille verfeinert werden. Die Frühstücksvariante aus den Vereinigten Staaten ist inzwischen auch bei uns schwer angesagt, selbst wenn wir sie eigentlich als Bircher-Müsli seit über 100 Jahren kennen.

          „Overnight Oats“ gehören zum neuen Ernährungstrend „Clean Eating“. Ziel dabei ist es, möglichst frische und unverarbeitete Lebensmittel zu essen und auf Zusatzstoffe zu verzichten. Tosca Reno, Ernährungstherapeutin aus Kanada, veröffentlichte 2007 das erste „Eat-Clean Diet Book“, andere Autoren griffen das Thema auf. Durch Zufall stieß Hannah Frey, 26, vor fünf Jahren, während ihres Studiums in Bremen, darauf. „Ich habe zu dem Zeitpunkt nur Müll in mich reingestopft, viele Fertiggerichte und Süßigkeiten“, sagt sie. Tiefkühlpizza, Soße aus der Tüte und fertige Tortellini gab es regelmäßig, obwohl bei ihr, als angehender Gesundheitswissenschaftlerin, auch Ernährung auf dem Stundenplan stand. Die Idee mit der natürlichen Ernährung fand sie gut. Nicht nur sie: Ihr Blog bringt es inzwischen auf 60.000 Besucher im Monat; im März kam ihr Kochbuch auf dem Markt.

          Der Nische dunkler Körnerküche entwachsen

          „Clean Eating“ - was neu daherkommt, ist nichts anderes als moderne Vollwert-Ernährung. Doch hat sich da - für viele unbemerkt - einiges getan: „Vor 30 Jahren war Vollwertkost eine schwere und dunkle Körnerküche“, sagt die Ökotrophologin und Kochbuch-Autorin Edith Gätjen, 52. Aufgewachsen mit Vollwert-Ernährung, erinnert sie sich noch gut an die knochenharten Brötchen, die strohigen, dunkelbraunen Weizennudeln und die oft sehr mächtigen vegetarischen Gerichte mit Eiern, Sahne und Käse aus der Anfangszeit. Inzwischen hat sich Vollwertkost zur modernen Gemüseküche gemausert; wer es noch aus alten Zeiten kennt, kann also ruhig noch mal probieren.

          Nicht nur die Anhänger des „Clean Eating“ setzen auf möglichst naturbelassene Lebensmittel, auch Fans eines weiteren Trends können mit Farb- und Aromastoffen nichts anfangen: die Freunde des „Paleo“, also der Ernährung nach dem Muster der Steinzeit, genaugenommen der Altsteinzeit (Paläolithikum, daher der Name). Beim Fleisch ist jedoch schnell Schluss mit den Gemeinsamkeiten: Während es „Clean Eating“ in allen Variationen gibt - mit (magerem) Fleisch und Fisch, vegetarisch oder vegan -, spricht Paleo in erster Linie überzeugte Fleischesser an, nach dem Motto: Fleisch ist gut, Getreide macht krank. Auch Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Zucker und Lebensmittel mit Zusatzstoffen sind bei Paleo verboten. Was bleibt, sind Fleisch und Fisch von Weide- oder wild lebenden Tieren, Eier, Obst, Gemüse, Nüsse und Samen. Ein typischer Paleo-Tag sieht dann so aus: Morgens Rührei, mittags Pute und Abends Lachs - jeweils mit Gemüse.

          Ausgewogen: Beim „Clean Eating“ kommen möglichst frische und unverarbeitete Lebensmittel zum Einsatz.

          Fisch, Fleisch und Ei liefern ordentlich Eiweiß. Viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate, das ist mittlerweile bei vielen Diäten angesagt, Stichwort „Low Carb“. Brot, Nudeln oder Kartoffeln haben einen schlechten Stand. Aber ist Eiweiß wirklich so toll? Tatsächlich kann der Nährstoff gleich in zweifacher Hinsicht punkten: Er macht satt und heizt den Stoffwechsel an. Fast ein Drittel der Kalorien, die der Körper durch Eiweiß aufnimmt, verbraucht er wieder, um es zu verwerten.

          Ist zu viel Eiweiß schädlich?

          Dr. Rainer Stange, Internist in der Abteilung Naturheilkunde im Berliner Immanuel Krankenhaus, kann gut verstehen, warum sich Paleo-Fans mit ihrer Ernährung so wohl fühlen: „Das Essen ist üppig, und auf einmal sind Dinge erlaubt, die sonst kein so gutes Image haben“, sagt er. Schließlich rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst zu essen, das entspricht zwei bis vier Schnitzeln. Pro Woche wohlgemerkt. Mit Paleo isst man diese Mengen in ein bis zwei Tagen.

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