http://www.faz.net/-hrx-8smh4

Social Dining : Jetzt Mahl ehrlich

  • -Aktualisiert am

Mithilfe von Frage-Kärtchen kommt man beim „Story Teller“ ins Gespräch. Bild: May am Ufer

Social-Dining-Konzepte boomen in den größeren Städten. „Story-Teller“ ist mit seinem Speed-Dating-Charakter eines davon. Unsere Autorin war bei einem Event dabei.

          Ein Freitagabend in Berlin. Vor dem Neuköllner Restaurant „May am Ufer“ versammeln sich rund 40 Teilnehmer des Dinner-Events „Story-Teller“ und warten darauf, dass es los geht. Obwohl man sich in wenigen Minuten gegenseitig persönliche Details aus dem eigenen Leben erzählen wird, werfen sich die meisten zunächst eher zaghafte Blicke zu. Erleichterung macht sich breit, als Restaurantbetreiberin Cornelia Schulze per Glockenklingeln alle hereinbittet.

          Seit 2015 soll das Format des „Story Tellers“ in vielen deutschen Großstädten mehr zwischenmenschlichen Austausch stiften. Für das Konzept macht sich die Initiatorin Katrin Frische ein verbindendes Element zunutze: ein gemeinsames Essen. Forschungen im Bereich der Ernährungssoziologie zeigen, dass durch gemeinsames Essen nicht zuletzt das jeweilige Werte- und Normverständnis vermittelt wird. Und in Zeiten von Foodporn drückt die eigene „Ess-Lebensgeschichte“ zudem aus, worauf man Wert legt.

          Gespräche sollen angeregt werden

          Bei dem Dinner geht es jedoch nicht darum, sich über geschmackliche Vorlieben auszutauschen. Vielmehr garniert die Initiatorin jeden Gang mit ausgewählten biographischen Fragen, die den Teilnehmern als Gesprächstreiber dienen sollen. Zunächst aber weiht Gastgeberin Schulze ihre Gäste in den Ablauf des Abends ein. Nachdem der Aperol Spritz zur Eröffnung die Zunge etwas gelockert hat, sollen wir uns alle mit drei beschreibenden Begriffen vorstellen. „Neugier“, „Reisen“, „Sehnsucht“, „Verlässlichkeit“, „Inspiration“, „Fernweh“ und „Heimat“ sind Begriffe, die von mehreren Teilnehmern gewählt werden.

          Als erste Gesprächspartnerin sitzt mir Mandy gegenüber. Die Enddreißigerin ist extra aus Brandenburg nach Berlin gekommen, um an dem Dinner teilzunehmen. Bevor wir das erste Fragekärtchen umdrehen, unterhalten wir uns schon sehr intensiv. Ich habe das Gefühl, sie und ihre Lebensentscheidungen verstehen zu können. Sie erzählt davon, wie es ist, noch mal von vorn anzufangen. Nicht, weil man muss, sondern weil einen verschiedene Lebensfacetten reizen. Warmes Kerzenlicht, weiße Tischdecken und holzgerahmte Wandbilder mit floralem Muster schaffen eine heimelige Atmosphäre, die nicht durchgängig zu unseren teils unbequemen Wahrheiten passen will. Dennoch fühlen wir uns wohl. Nicht zuletzt, weil das rauschende Murmeln der anderen Gäste irgendwie beruhigt. Die Luft hängt voller Geschichten.

          Alle 20 Minuten ein neuer Gesprächspartner

          „Draufgänger oder Hasenfuß? Wie würdest du dich beschreiben?“, lautet die erste Frage, die ich vom Kärtchen vorlese, während wir einen Wildkräuter-Wurzelsalat mit Ahorndressing als Vorspeise serviert bekommen. Wir kichern geschwisterlich, als wir feststellen, dass es diesen Aufhänger nicht unbedingt gebraucht hätte, damit wir ins Gespräch kommen. Noch während wir, als unsere gemeinsamen 20 Minuten um sind, aufstehen und jede einen Platz nach links aufrückt, sprechen wir darüber, was wir beruflich machen. Diese Frage soll jedoch die Ausnahme bleiben an dem Abend.

          Dass sich Annäherungen à la „Was machst du so? Beruflich, meine ich“, beim „Story Teller“ nicht durchsetzen, reizt Teilnehmer Michael besonders. Er ist an dem Abend einer von vier Exoten der Spezies „Mann“, die seltener bei diesem Event anzutreffen ist. Auch wenn der zeitliche Ablauf des Konzepts ein wenig an Speeddating erinnern mag, steht der Flirt-Aspekt nicht im Vordergrund. Es würde auch an Vielfalt mangeln, wie Frische bedauert. „Vielleicht fürchten die Männer, sich zu sehr offenbaren zu müssen. Dabei entscheidet jeder selbst, wie intensiv der Austausch sein soll. Schade, denn es nehmen jedes Mal viele interessante Frauen teil. Dem einen oder anderen entgeht da bestimmt etwas“, beschreibt sie das ihrer Meinung nach ungenutzte Dating-Potential.

          Weitere Themen

          Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will Video-Seite öffnen

          Berlin : Die Anti-AfD-Demo, die keine sein will

          Zahlreiche Menschen sind in Berlin auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Hass im Bundestag zu demonstrieren. Es sei keine Demonstration gegen die AfD, so einer der Initiatoren. Dennoch nutzten Teilnehmer die Gelegenheit, um ihren Unmut gegen die Partei zu äußern.

          Endspurt im Wahlkampf Video-Seite öffnen

          Niedersachsen : Endspurt im Wahlkampf

          Kurz vor der Landtagswahl zeichnet sich ein enges Rennen zwischen SPD und CDU ab. Am Abend besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Kandidaten Althusmann bei einer Wahlkampfveranstaltung.

          Ein Extra-Stern für die Schlucht

          Oman : Ein Extra-Stern für die Schlucht

          Das Jabal Al Akhdar Resort in der rauhen Bergwelt des Oman ist ein Hotel wie eine Festung auf dem Mond – und hat Gurus für jede Gelegenheit zu bieten.

          Topmeldungen

          Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

          Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

          Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.