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Besonderes Feinschmeckerlokal : Keine Karte, keine Kellner, keine Tische!

  • -Aktualisiert am

Dass Bastian Falkenroth ein fabelhafter Koch ist, kann bei seinem Werdegang nicht weiter verwundern. Bild: Tim Hillemacher

In der Düsseldorfer Innenstadt betreibt Bastian Falkenroth ein ambitioniertes Bistro. Gleich nebenan hat der talentierte Koch nun das „Nenio“ eröffnet – mit ungeahnt glücklichen Folgen für ihn und seine Gäste.

          Warum nennt ein junger, talentierter Koch sein Restaurant „Nichts“? Weil sein Essen nach nichts schmeckt, seine Teller nach nichts aussehen und überhaupt alles nichts ist? Das wollen wir nicht hoffen und sind doch ein wenig nervös, als wir das Nichts betreten, einen abgedunkelten, weltabgewandten Raum mit schweren Vorhängen und offenen Lüftungsrohren, der stark an Sartres „Huis clos“ („Geschlossene Gesellschaft“) erinnert und das Zuhause eines pausenlos in „Das Sein und das Nichts“ vertieften Nihilisten sein könnte – gäbe es da nicht eine offene Küche als Sinnesfreudenort, die auf drei Seiten von einem Tresen aus brasilianischem Tropenholz eingerahmt und von fünfzehn Büffellederhockern gesäumt wird. Und an ihrem Herd steht glücklicherweise kein Nihilist oder Existentialist, sondern ein freundlicher Mann von Mitte dreißig, der uns das Nichts erklärt.

          Zum einen, sagt Bastian Falkenroth, solle sein Lokal wie eine offene Bühne ohne Beschränkungen und Selbstauflagen sein, ein Ort der Freiheit der Kochkunst, die sich von nichts Fesseln anlegen lasse. Zum anderen – und jetzt kommen wir des Pudels Kern schon sehr viel näher – habe er bei der Namenswahl darauf geachtet, dass man das Restaurant im Internet sofort und unzweideutig finde. Also sei er beim Esperanto-Wort für „nichts“ gelandet, das nicht nur schön klinge, sondern auch so selten verwendet werde, dass er bei den Suchmaschinen so gut wie keine Konkurrenz habe.

          Nichts ist so wie in den meisten Feinschmeckerlokalen

          Das „Nenio“ ist ein Restaurant, in dem nichts so ist wie in den meisten Feinschmeckerlokalen. Es gibt keine Karte, keine Kellner, keine Tische, keine Tischdecken, keine Etikette, sondern ein achtgängiges Einheitsmenü, das vor den Augen der Gäste zubereitet und von den jedermann rigoros duzenden Köchen am Tresen serviert wird. Gleich zu Beginn bringen sie uns eine „Bento Box“, in der sich aber keine japanischen Häppchen befinden, sondern die Ingredienzien der vier folgenden Gänge, leitmotivisch dargereicht wie in der Ouvertüre einer Oper: ein Aal-Brötchen als Mini-Hamburger, ein Flusskrebs-Tatar mit Mandarinen- Cocktail-Sauce, ein Zucchini-Süppchen mit Königskümmel und ein Schälchen mit Fish and Chips von der Dorade, wobei die Chips so fein wie Mikado-Stäbchen geschnitten sind und der Fisch freundlicherweise auf jeden Tropfen überflüssiges Fett verzichtet. Wohin die kulinarische Reise im „Nenio“ geht, weiß man nach diesem technisch makellosen, aromatisch aber etwas unentschlossenen Auftakt noch nicht so recht. Eines weiß man aber ganz genau: Zu Hause bleiben will man auf keinen Fall.

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