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Weltküche : Brot von der Welt

  • -Aktualisiert am

Zwölf Gäste hören auf einen Koch: Ahmed erklärt wissenshungrigen Berlinern, wie man in Ägypten kocht. Bild: Julia Zimmermann

Die meisten kennen Flüchtlinge nur aus den Medien. Der Berliner Verein „Über den Tellerrand“ will die Verständigung erleichtern – beim Kochen. Ein Abend an Kreuzkümmel und Kardamom.

          Wie bei einer Wohnungsbesichtigung riecht es in dem ehemaligen Stehcafé in Schöneberg, nach frischer Wandfarbe und nach ganz viel Holz. Wo heute ein Kochkurs stattfindet, war bis vor zehn Tagen noch gar nichts. Jetzt steht hier ein fast raumfüllender Esstisch und davor – Ahmed, 34 Jahre alt, gebürtiger Ägypter, Flüchtling, seit zwei Jahren wohnhaft in Deutschland.

          Die Initiative „Über den Tellerrand e.V.“ hat ihn an diesem Abend eingeladen, ein Drei-Gänge-Menü zu kochen. Denn Essen tun ja alle gern. Zuvor muss das Essen jedoch noch vorbereitet werden. Dafür stehen Ahmed drei ehrenamtliche Helfer der Initiative zur Seite. Sie helfen beim Decken des Tischs, beim Anzünden der Kerzen und beim Mixen des giftgrünen Begrüßungsdrinks mit Minze.

          Gegen 17 Uhr treffen die ersten Gäste ein. Die zwölf Teilnehmer, unter ihnen ehemalige Studienfreundinnen, junge wie ältere Paare und Einzelpersonen, die den Kochkurs geschenkt bekommen haben, haben nur eine grobe Vorstellung, was sie heute kochen und essen werden. Libanesische, türkische, koreanische, vietnamesische und italienische Restaurants gibt es jede Menge in Berlin. Wer ägyptisch essen will, muss schon ein wenig suchen. Lisa von „Über den Tellerrand“ ist mit Ahmed die Gastgeberin dieses Abends. Sie beantwortet erste Fragen zum Tisch-Unikat (gebaut von Architekturstudenten der Technischen Universität) und dem Ablauf des Abends. Die Organisation entstand im Sommer 2013 aus einem Übungsunternehmerprojekt der Freien Universität. Die Idee: Flüchtlinge und ihren Hintergrund über das Essen kennenzulernen. Denn auch Verständnis geht durch den Magen.

          500 Mann starke Community

          Die Studenten haben also das vieldiskutierte Flüchtlingscamp am Oranienplatz in Kreuzberg besucht und dort die Menschen nach Rezepten aus ihrer Heimat gefragt. Über das Probekochen für das Kochbuch kam die Idee für die Kochkurse. Mittlerweile haben die Absolventen, nun als eingetragener Verein, ein zweites Kochbuch herausgebracht, das Flüchtlinge und ihre Lieblingsrezepte aus ganz Deutschland porträtiert.

          Die Kochbücher und Kochkurse finanzieren den Verein, neben privaten Spendern und bald auch dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Mit den Spenden und Verkaufserlösen kann die 500 Mann starke Community Fußball spielen, Filmabende veranstalten, grillen, gärtnern oder Sprachkurse geben - fast all das, was über die kurzfristige Starthilfe wie Kleiderspenden hinausgeht und auf lange Sicht bei der Integration hilft. Auch andersherum wurde schon gekocht. Matthias, der gelernte Koch, der heute ehrenamtlich aushilft, stand damals hinter dem Herd. 20 Flüchtlingen hat er gezeigt, wie man Grießknödelsuppe oder Maultaschen macht. Geschmeckt hat es allen.

          Ahmed hat als einer der vier Köche von „Über den Tellerrand“ die Kostprobe noch vor sich, nämlich heute Abend. Gekocht hat er in diesem Rahmen schon öfter, und meist waren die Kurse ausgebucht. 75 Euro kostet die Teilnahme inklusive Essen und Getränke. Zehn Euro davon gehen direkt an den Flüchtling. Für Ahmed ist das ein nettes Zubrot, aber nicht ausschlaggebend. Für ihn ist jedes Event und jeder Austausch etwas Besonderes. Und der ergibt sich fast beiläufig, neben Fragen zu seinen Gewürzen und seiner Geschichte, die nicht minder pikant ist.

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