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Das besondere Restaurant (21) : Der Strudel der Geschichte

  • -Aktualisiert am

Bild: Wonge Bergmann

Das „St. Urban“ in Deidesheim bei Mannheim ist ein hochklassiges Gourmetrestaurant mit einer ganz besonderen Spezialität: Strudel vom Zander. Auch prominente Gäste kehren hier ein.

          Das Profil

          Der „Deidesheimer Hof“ im Zentrum von Deidesheim in der Pfalz ist nicht nur ein hochklassiges Hotel mit Gourmetrestaurant, sondern besitzt in seinen historischen Räumen mit dem „St.Urban“ auch eines der markantesten deutschen Restaurants der Regionalküche. Besonders in der Ära Helmut Kohls wurde es berühmt, weil der Kanzler viele Staatsgäste in sein Lieblingsrestaurant lotste und ihnen Pfälzer Spezialitäten wie den Saumagen servieren ließ.

          Darüber kann nur staunen, wer ihn noch nie hier gegessen hat. Was Küchenchef Stefan Neugebauer als „Pfälzer Lieblingsgericht“ auf den Tisch bringt, ist eine bestechend purifizierte, optimierte Versammlung von Saumagen, Bratwurst, Leberknödel, Weinkraut und Kartoffelpüree, die jedem Gast schmecken wird. Das gilt für die ganze Palette regionaler Gerichte, die vom Wurstsalat bis zum saisonalen Spargel für unverfälschte Aromen überzeugt.

          Und das ist nicht alles. Im „St.Urban“ gibt es auch noch diverse Gerichte im Stil einer Art traditionellen Spitzenküche. Eine Spezialität wie der „Strudel vom Zander mit Belugalinsen“ zeigt ein wunderbar entwickeltes Handwerk und ein Gespür für Aromenbilder (kicken Sie sich dazu durch das Interaktiv oben).

          Tradition ist Trumpf: Das „St.Urban“ im Hotel „Deidesheimer Hof“.
          Tradition ist Trumpf: Das „St.Urban“ im Hotel „Deidesheimer Hof“. : Bild: Wonge Bergmann

          Als Hommage an die prominenten Gäste des Hauses gibt es ein „Staatsgästemenü“ mit vier Gängen, darunter ein „In Rotwein pochiertes Rinderfilet mit Steinpilzen à la crème und Schupfnudeln“, wie es einst die Queen gegessen hat. Natürlich ist das Rind dry aged und butterweich, und alles zusammen schmeckt so ausgereift, dass man es kaum irgendwo besser bekommen kann.

          Eine weitere Spezialität ist die Arbeit mit dem Wein – nicht nur aus der Pfalz. Unter Spitzen-Sommelier Andreas Weber steht auch den Gästen des „St.Urban“ die enorme Weinsammlung des Gourmetrestaurants „Schwarzer Hahn“ zur Verfügung.

          Der Koch und das Team

          Qualität und Erfolg des „St.Urban“ haben viel mit der speziellen Konstellation von Küche und Keller zu tun. Chefkoch des Hauses ist der knapp 40 Jahre alte Stefan Neugebauer, der nicht nur für das Gourmetrestaurant „Schwarzer Hahn“ (ein Michelin-Stern), sondern auch für das „St.Urban“ zuständig ist – bei Letzterem unterstützt von Küchenchef Vladimir Holik.

          Neugebauer hat nach einer Ausbildung in der Fachhochschule für Ernährungswissenschaft in Bad Hersfeld verschiedene Stationen in der Spitzenküche durchlaufen, darunter Zeiten bei Heinz Winkler („Residenz Heinz Winkler“, Aschau) und Dieter Müller („Schlosshotel Lerbach“, Bergisch Gladbach). Im Jahr 2000 kam er in den „Deidesheimer Hof“, wo er dann 2003 die Leitung der Küche übernahm.

          Chefkoch Stefan Neugebauer, Marie-Luise Hahn, Hanns-Georg Hahn, Artur Hahn (v.l.).
          Chefkoch Stefan Neugebauer, Marie-Luise Hahn, Hanns-Georg Hahn, Artur Hahn (v.l.). : Bild: Wonge Bergmann

          Neugebauer ist einer der wenigen Köche, die zwischen kreativer Gourmetküche, klassischer Küche und Regionalküche wechseln können. Eine wichtige Rolle spielt auch Sommelier Andreas Weber, ein Eigengewächs des Hauses, der die Pfalz beruflich nie verlassen hat und über ein ungemein differenziertes Wissen bei (nicht nur) regionalen Weinen verfügt. Weber ist vor allem ein Meister der „Weinreise“, also der glasweisen Weinbegleitung, die er perfekt an das Essen und die Gäste anpassen kann.

          All das wird möglich gemacht von einer stabilen Eigentümer-Familie mit den Seniorchefs Anita und Artur Hahn und ihren Kindern Luise und Hanns-Georg, die das operative Geschäft übernommen haben. Speziell der agile Senior ist ein Vollblutgastronom. Bei aller Diskretion kann er faszinierende Dinge erzählen. Helmut Kohl jedenfalls lässt es sich nicht nehmen, immer noch ab und zu in seinem Lieblingslokal zu speisen. Und der Queen hat Hahn die Unterschrift im Gästebuch buchstäblich zwischen Tür und Angel entlockt.

          Die Historie

          Die Geschichte des „Deidesheimer Hofes“ geht bis weit ins Mittelalter zurück. Schon im 16. Jahrhundert ist bereits ein ganzer Gebäudekomplex an der Stelle der jetzigen, großen Anlage nachweisbar, der den Fürstbischöfen zu Speyer gehörte. Im Laufe der Zeit hatte das Haus verschiedene Funktionen. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kaufte die Winzergenossenschaft Deidesheim das Kerngebäude. Gleichzeitig eröffnete die von einem der lokalen Weingüter stammende Familie Hahn in Berlin eine Weinstube.

          Im Jahre 1971 war es dann genau diese Familie, die das Haus übernahm und langsam zu einem Hotel und Restaurant von Rang ausbaute. Das Hotel und das „St.Urban“ standen immer wieder im Mittelpunkt von Staatsbesuchen. Die Liste der illustren Gäste verzeichnet Namen wie König Juan Carlos I. und Königin Sofía, Elisabeth II., Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Margaret Thatcher oder Jacques Chirac – alle verewigt in einem prächtigen Goldenen Buch. In der Ära Kohl kam eine geradezu politische Dimension hinzu. Es ist kein Geheimnis, dass viele Details der deutschen Wiedervereinigung im entspannt-rustikalen Ambiente der Séparées des „St.Urban“ diskutiert wurden.

          Wer den Saumagen fürchtet, hat ihn hier noch nicht gegessen: Um sein Leibgericht zu speisen, ist auch Helmut Kohl häufiger zu Gast.
          Wer den Saumagen fürchtet, hat ihn hier noch nicht gegessen: Um sein Leibgericht zu speisen, ist auch Helmut Kohl häufiger zu Gast. : Bild: Wonge Bergmann

          Nur die Fakten

          Restaurant St.Urban im Hotel „Deidesheimer Hof“
          Marktplatz 1
          67146 Deidesheim
          Telefon 06326 / 96870
          www.deidesheimerhof.de

          Küche täglich von 12 bis 14 und von 18 bis21 Uhr.

          Preise: Vorspeisen 7,50 bis 17,50 Euro, Hauptgerichte 16,80 bis 28 Euro. Menüs 35 Euro (3 Gänge), 56 Euro (4) und 65 Euro (Staatsgästemenü).

          Der Restaurantschlüssel
          (max. 10 Punkte; Spannbreite wegen der Komplexität der Gerichte)

          Food
          Produktqualität 8
          Handwerkliche Qualität 7–9
          Komposition & Struktur 7
          Kreativität 3

          Performance
          Zuverlässigkeit 8
          Service 8
          Preis-Leistungs-Verhältnis 8

          Wein
          Angebot 9
          Beratung 9

          Quelle: F.A.S.

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