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Beste Weine 2015 : Was der Jahrhundertjahrgang wirklich taugt

  • -Aktualisiert am

Was vom Trinken übrig blieb: Korken von der VDP-Verkostung Bild: Lukas Kreibig

2015 ist schon mehrfach zum Jahrhundertjahrgang für Weine ausgerufen worden. Unser Experte sagt, was der Hochgelobte taugt – und nennt seine eigenen Favoriten.

          Die Spannung war beachtlich, als sich Anfang der Woche viele der bekanntesten Weinkritiker und -blogger in einem Saal im Kurhaus in Wiesbaden versammelten, um die weißen „Großen Gewächse“ („GGs“) der Mitglieder des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter (VDP) aus dem Jahrgang 2015 zu verkosten.

          Zwei Fragen standen im Vordergrund: Wie jedes Jahr wollten alle herausfinden, welche Gewächse in dieser Kategorie trockener Spitzenweine (jeweils aus einer Toplage) die besten sind. Aber dieses Mal kam etwas anderes hinzu: Ist 2015 in Deutschland nun ein wahrer Jahrhundertjahrgang, wie so oft behauptet, oder nicht?

          Klimawandel begünstigt deutsche Weine

          Im 19. und in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts besaßen Jahrhundertjahrgänge Seltenheitswert: 1893, 1921, 1949. Aber dann kam die Klimaerwärmung, und am kühlen nördlichen Rand der europäischen Weinbauzone, in Deutschland, brachte sie große Veränderungen. Und so unangenehm der Klimawandel in vielerlei Hinsicht ist: Tatsächlich ist Deutschland unter den klassischen Anbaugebieten dessen großer Gewinner.

          Etwa um die Zeit der Wende entstand dadurch eine neue Situation für den Weinbau. Inzwischen liegt der letzte deutsche Jahrgang, in dem die Trauben nicht reif wurden, nämlich 1987, weit zurück. Jetzt häufen sich sehr gute Jahrgänge, und Jahrhundertjahrgänge sind seither recht oft ausgerufen worden. Zweifelsohne spielt das Marketing dabei eine wichtige Rolle. Doch Fakt ist, dass die Weinqualität in Deutschland gestiegen ist.

          Überraschend gute Trauben

          Das Besondere und Erstaunliche an 2015 ist, dass die gesamte Fachwelt von diesem Jahrgang völlig überrascht wurde. Dafür wiederum ist die extreme Witterung verantwortlich. Nicht nur war der Sommer 2015 sehr heiß und trocken, auch der Frühling brachte wenig Niederschläge. Daher waren die Felder und Weinberge Deutschlands so trocken wie seit 1961 nicht mehr.

          Die allermeisten Winzer hatten Angst, dies könnte wieder einen Jahrgang mit untypisch üppigen und säurearmen Weinen wie 2003 hervorbringen. Jener Jahrhundertsommer produzierte zwar einige Spitzenweine, daneben aber viele alkoholbetonte Gewächse, die am Markt nicht gut ankamen.

          Dann, während des weitgehend trockenen Herbstes (ein großer Kontrast zum nassen Herbst 2014 und 2013), folgte 2015 die große Überraschung. Die Trauben waren erstaunlich säurereich und aromatisch – und nicht, wie befürchtet, überreif.

          „Es ist ein schöner Tod“, sagt der Kellner: Verkoster Stuart Pigott.

          Fette Weine aus dem Jahr 2015 sind wirklich selten, fruchtbetonte, lebendige und elegante Gewächse die Norm. Bereits im Frühling 2016 waren sich die Experten daher einig, dass die deutschen Weißweine aus 2015 klassisch und erfrischend schmecken. Aus diesem Grund sind die Konsumenten im In- und Ausland bereits von den leichteren Weinen des Jahrgangs begeistert; sie entsprechen exakt dem, was man vom deutschen Wein erwartet. Und die Preise sind nur in seltenen Fällen nennenswert gestiegen.

          Der Jahrgang hält, was er verspricht

          In Wiesbaden gab es nun die letzte große Prüfung für den neuen Jahrgang. Würden die trockenen „Spitzenweine“ des Jahrgangs auch die kritischen Experten überzeugen können, oder würde sich erweisen, dass die Stärke von 2015 doch eher bei den günstigeren und weniger anspruchsvollen Gewächsen des Jahrgangs liegt? Und welche sind die besten der GGs, bei denen sich die Investition von 20 bis zu knapp 100 Euro (der Schwerpunkt liegt bei etwa 30 Euro die Flasche) lohnt? Um die Antworten auf diese Fragen richtig zu verstehen, hilft es, vorab einige Dinge klarzustellen.

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